# taz.de -- Mögliche Koalitionen: Am Wahlabend wird es richtig spannend
       
       > Nach der Wahl wird einiges durcheinandergewirbelt. Nach dem Quadrell
       > stellt sich die große Frage: Wer mit wem? Und welche Themen sind dafür
       > entscheidend?
       
 (IMG) Bild: Hier wird nach der Wahl rumgerödelt: Die Sitze im Bundestag lassen sich verschieben
       
       Berlin afp | Am Sonntag um 18.00 Uhr schließen die Wahllokale. Doch bis
       klar ist, ob es im Bund für eine Zweier-Koalition reicht oder ob drei
       Parteien für ein Regierungsbündnis nötig sind, könnte es dauern. Ein ganz
       entscheidender Faktor ist, wie viele Parteien es über [1][die
       Fünf-Prozent-Hürde] und damit in den Bundestag schaffen:
       
       Würde Merz nach den bisherigen Umfragen auf jeden Fall Kanzler? 
       
       Das ist wahrscheinlich. Nirgendwo steht zwar geschrieben, dass die stärkste
       Partei automatisch das Kanzleramt bekommt. Dieses Mal scheint der Abstand
       von CDU/CSU mit ihrem Kanzlerkandidaten Friedrich Merz (CDU) [2][in den
       Umfragen mit 29 bis 32 Prozent] zu anderen Parteien aber so groß, dass
       andere Konstellationen als kaum realistisch erscheinen.
       
       Welche Zweier-Koalitionen wären denkbar? 
       
       Als am wahrscheinlichsten gelten Koalitionsgespräche mit der SPD. Sie kommt
       derzeit in den Umfragen auf 14 bis 16 Prozent.
       
       Rechnerisch oft noch möglich wäre ein Bündnis mit den Grünen, die in den
       Vorwahlerhebungen bei zwölf bis 14 Prozent verortet werden. Doch CSU-Chef
       Markus Söder hat ein Bündnis mit den Grünen im Wahlkampf kategorisch
       ausgeschlossen. Ändert er diese Haltung nicht, ist diese Konstellation
       ausgeschlossen.
       
       Eine Koalition mit der auf Platz zwei stehenden AfD (20 bis 21 Prozent)
       schließen derweil alle anderen Parteien aus. Die CDU hat seit 2018 sogar
       einen offiziellen Unvereinbarkeitsbeschluss zu der in Teilen als
       rechtsextremistisch eingestuften Partei gefasst, der „Koalitionen und
       ähnliche Formen der Zusammenarbeit“ eine Absage erteilt.
       
       Warum hängen mögliche Koalitionen auch davon ab, wie viele Parteien es in
       den Bundestag schaffen? 
       
       Je mehr Parteien in den Bundestag kommen, desto höher liegt die Schwelle
       für eine Mehrheit. Scheitert eine Partei, spielen ihre Stimmen keine Rolle
       mehr und das Gewicht der Ergebnisse der anderen Parteien wächst.
       
       Derzeit stehen in den Umfragen gleich drei Parteien knapp über oder unter
       der Fünf-Prozent-Hürde: FDP, BSW und Linkspartei. Hinzu kommen die
       sonstigen Parteien, die derzeit zusammen im Bereich von fünf bis sechs
       Prozent gesehen werden.
       
       Fallen zum Beispiel insgesamt 13 Prozent der abgegebenen Stimmen weg, weil
       es Parteien nicht in den Bundestag schaffen, sind für die Mehrheitsschwelle
       nur noch 87 Prozent relevant. Sie läge bei der Hälfte von 43,5 Prozent. Bei
       den schwächsten Umfragewerten von Union und SPD (zusammen 43 Prozent) würde
       es dann nicht für ein schwarz-rotes Zweier-Bündnis mit Mehrheit reichen,
       bei den höchsten (zusammen 48 Prozent) aber klar.
       
       Wann ist eine Zweier-Koalition voraussichtlich möglich? 
       
       „Wenn [3][alle drei kleinen Parteien den Einzug in den Bundestag
       verpassen], dann reicht es nach jetzigem Stand für eine Zweier-Koalition“,
       sagt Roland Abold vom für die ARD tätigen Meinungsforschungsinstitut
       Infratest dimap. „Wenn es eine der Parteien schafft, dann könnte es
       ebenfalls noch reichen. Wenn es zwei oder drei in den Bundestag schaffen,
       dann ist es eher unwahrscheinlich, dass es für eine Zweier-Koalition
       reicht.“
       
       Wann werden die Koalitionsmöglichkeiten klar sein? 
       
       Nach Schließung der Wahllokale werden am Sonntagabend erst Prognosen auf
       Grundlage von Nachwahlbefragungen und dann Hochrechnungen auf Basis von
       Teilergebnissen veröffentlicht. Kleine Verschiebungen können dabei große
       Auswirkungen haben.
       
       „Selbst am Wahlabend wird sich vielleicht zunächst nicht sicher sagen
       lassen, ob zwei Parteien für eine Koalition reichen“, sagt Andrea Wolf aus
       dem Vorstand der Forschungsgruppe Wahlen, die für das ZDF Erhebungen
       erstellt. „Denn manchmal ist es ganz knapp mit der Fünf-Prozent-Hürde.“
       
       Klarheit könnte es dann erst in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden
       des Montags geben, wenn die Behörde der Bundeswahlleiterin das vorläufige
       offizielle Ergebnis nach Auszählung aller Stimmbezirke veröffentlicht.
       
       Welche Dreier-Koalitionen wären denkbar? 
       
       Schwarz-Rot-Grün: Gut reichen würde es rechnerisch nach den Umfragen für
       eine Koalition aus Union, SPD und Grünen. Die CSU müsste dann aber ihre
       Vorbehalte gegen die Grünen über Bord werfen und dafür im wahrsten Sinne
       des Wortes erst „grünes Licht“ geben.
       
       Schwarz-Rot-Gelb: Schafft es die FDP in den Bundestag, wäre dies
       rechnerisch wohl möglich, politisch aber schwierig. Denn SPD und FDP tragen
       noch viel Ballast aus der gescheiterten [4][„Ampel“-Koalition] mit sich
       herum und machen sich gegenseitig für deren Aus verantwortlich.
       
       Schwarz-Grün-Gelb: Politisch noch unwahrscheinlicher wäre ein Bündnis aus
       Union, Grünen und FDP – die [5][Jamaika-Koalition]. Liberalen-Chef
       Christian Lindner hat nach den Dauer-Querelen mit den Grünen in der „Ampel“
       eine erneute Koalition mit der Partei ausgeschlossen.
       
       Schwarz-Rot-Rot: Ein Bündnis von Union, SPD und Linke ist nicht möglich.
       Die CDU hat 2018 auch [6][einen Unvereinbarkeitsbeschluss zur Linkspartei]
       gefasst, der dies ausschließt.
       
       Schwarz-Rot-BSW: Nach der Gründung [7][des von der Linken abgespaltenen
       BSW] vor gut einem Jahr war in der CDU über einen Unvereinbarkeitsbeschluss
       diskutiert worden. Bisher kam es aber nicht dazu. Und in Brandenburg unter
       SPD-Führung und in Thüringen mit einem CDU-Ministerpräsidenten [8][gibt es
       nun auch Landesregierungen mit Beteiligung des BSW]: die
       Brombeer-Koalition. Doch ein solches Bündnis wäre auf Bundesebene wegen der
       außenpolitischen Positionen des BSW, insbesondere gegenüber Russland und
       zum Ukraine-Krieg, kaum vorstellbar.
       
       ## Ist eine andere Koalition vorstellbar?
       
       Rechnerisch ausgeschlossen wäre ziemlich sicher ein Dreierbündnis aus SPD,
       Grüne und Linke. Und extrem unwahrscheinlich ist auch, dass es für eine
       Vierer-Koalition aus SPD, Grünen, Linken und BSW reicht. Dies wären auch
       die einzigen Konstellationen, in denen Olaf Scholz erneut Kanzler werden
       könnte.
       
       17 Feb 2025
       
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