# taz.de -- Pro und Contra Sanktionen gegen Iran: Lauter Druck versus stille Diplomatie
       
       > Nach der Ermordung des deutschen Staatsbürgers Jamshid Sharmahd durch
       > das iranische Regime stellt sich die Frage: Was müsste sich ändern?
       
 (IMG) Bild: Die Bundesregierung konnte ihren Staatsbürger Jamshid Sharmahd nicht retten
       
       Nach der Hinrichtung des deutsch-iranischen Staatsbürgers Jamshid Sharmahd
       am Montag durch das Regime in Teheran steht Außenministerin Annalena
       Baerbock in der Kritik, nicht genug getan zu haben, um ihn zu retten. Soll
       Deutschland jetzt mehr Druck auf Iran bzw. die Mullahs ausüben?
       
       ## Ja
       
       „Schwerwiegende Folgen“ soll die Ermordung des deutschen Staatsbürgers
       Jamshid Sharmahd laut Annalena Baerbock haben. Die deutsche Botschaft in
       Teheran habe sich „[1][unermüdlich]“ für Sharmahd eingesetzt. Das kann man
       eigentlich nur noch als Eingeständnis ihres Scheiterns lesen. Eine
       Regierung, die ihre Staatsbürger nicht vor Terror oder einem Terrorregime
       schützen kann, macht [2][keine gute Arbeit] – und schon gar keine
       „feministische“ Außenpolitik, wie sie die Außenministerin bei ihrem
       Amtsantritt versprochen hat. Feminismus und das Regime in Teheran – das
       passt ungefähr so zusammen wie Friedensdemos und Putin. Wie werden die
       „schwerwiegenden Folgen“ also wohl aussehen? Ein ernstes Gespräch mit dem
       Botschafter?
       
       Deutschland ist innerhalb Europas größter Handelspartner des Iran. Warum
       eigentlich immer noch?
       
       Klar, die Erzählung klingt schön: Wandel durch Annäherung, den
       Gesprächsfaden nicht abreißen lassen, die Menschen nicht im Stich lassen.
       Aber: Welches Terrorregime wurde je durch Appeasement oder wirtschaftliche
       Verbindungen gestürzt oder auch nur geschwächt?
       
       Es hat bei Putin nicht funktioniert und es wird erst recht nicht bei den
       Mullahs funktionieren. Druck erzeugt nur Gegendruck, sprich: Wer solche
       Regime reizt, fordert sie nur zu mehr Gewalt heraus? Das mag kurzfristig so
       sein, langfristig aber stärkt man sie durch Beschwichtigung und
       Hand-Ausstrecken nur.
       
       ## Menschenrechte einfordern – überall
       
       Baerbock müsste also – zusammen mit Wirtschaftsminister Robert Habeck –
       jetzt in die Konfrontation gehen und ökonomischen Druck ausüben. Denn wer
       auf internationalem Parkett auf die Einhaltung von Menschenrechten pocht,
       muss sie überall einfordern. Konsequent. Das gilt im Fall Iran nicht
       zuletzt für all diejenigen, die sich Frieden im Nahen Osten wünschen. Der
       wäre mit [3][einem Fall des islamischen Regimes in Teheran näher], als
       manche heute zu träumen wagen. Denn sowohl Hisbollah als auch Hamas und
       Huthis werden von wem aufgerüstet? Genau: von Teheran.
       
       Ariane Lemme 
       
       ## Nein
       
       Die Hinrichtung des deutsch-iranischen Unternehmers Jamshid Sharmahd ist
       ein Staatsverbrechen. Nach einem Schauprozess zum Tode verurteilt, wurde er
       jetzt hingerichtet. Schon dass er bei einem Zwischenstopp in Dubai vom
       iranischen Geheimdienst in den Iran verschleppt wurde, war ein politischer
       Skandal. Außenministerin Baerbock spricht nun von „Mord“ und kündigte
       schwerwiegende Konsequenzen an. Nur: was soll das jetzt noch bringen?
       
       Die deutsch-iranischen Beziehungen sind ohnehin schon angespannt. Erst im
       Juni ließ Innenministerin Faeser die [4][„Blaue Moschee“ in Hamburg]
       schließen. Der Iran antwortete, indem er das deutsche Sprachinstitut in
       Teheran schließen ließ. Deutschland macht sich auf europäischer Ebene zudem
       dafür stark, die [5][Revolutionsgarden als Terrororganisation einstufen zu
       lassen] und die Sanktionen gegen Teheran zu verstärken. Diplomaten hatten
       davor gewarnt: Das könne die Verhandlungen um inhaftierte Deutsche in Iran
       und die Diplomatie insgesamt erschweren. Doch Deutschland möchte Härte
       zeigen, das ist populär. Nur führt das leider dazu, dass der Iran ebenfalls
       Härte zeigt.
       
       ## Wie wär's mit stiller Diplomatie?
       
       Die Kriege im Nahen Osten heizen die Spannungen weiter an. Im April
       [6][bombardierte Israel ein Nebengebäude der iranischen Botschaft in
       Damaskus]. Dabei kamen 13 Menschen ums Leben, darunter sieben Mitglieder
       der Revolutionsgarden. Ende Juli wurde der damalige Hamas-Chef Ismael
       Hanijeh in Teheran getötet, und beim Angriff auf das Hauptquartier der
       Hisbollah im Süden Beiruts Ende September kam neben deren Anführer Hassan
       Nasrallah unter anderem auch ein iranischer General ums Leben. In beiden
       Fällen reagierte der Iran mit Raketen auf Israel, und Israel antwortete mit
       Angriffen auf den Iran. So geht das seit Monaten hin und her, und
       Deutschland steht dabei fest an der Seite Israels.
       
       Statt jetzt wieder öffentlichkeitswirksam die Muskeln spielen zu lassen,
       wäre es besser, es mal wieder mit Deeskalation und tatsächlich stiller
       Diplomatie zu versuchen. Es gibt noch mehr Gefangene in iranischen
       Gefängnissen, denen man damit womöglich helfen könnte.
       
       Daniel Bax
       
       30 Oct 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.ndr.de/nachrichten/info/Jamshid-Sharmahd-im-Iran-hingerichtet-Entsetzen-auch-im-Norden,sharmahd110.html
 (DIR) [2] https://www.welt.de/politik/deutschland/article254241910/Gegenrede-Die-Antwort-der-Bundesregierung-auf-den-iranischen-Staatsmord-macht-wuetend.html
 (DIR) [3] /Deutschlands-Unterstuetzung-fuer-Israel/!6025279
 (DIR) [4] /Islamisches-Zentrum-in-Hamburg/!6025832
 (DIR) [5] /Terror-der-Revolutionsgarden-des-Iran/!6037542
 (DIR) [6] https://www.tagesschau.de/ausland/asien/angriff-botschaft-iran-israel-100.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ariane Lemme
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