# taz.de -- Spinnen im Haus: Nennt mich Spiderman!
       
       > Winkelspinne? Zitterspinne? Unser Autor hat sich mit den Tierchen
       > arrangiert. Eine echte Herausforderung steht ihm noch bevor: die
       > Nosferatu-Spinne.
       
 (IMG) Bild: Achtung, Achtung, so sieht die Nosferatu-Spinne aus
       
       Laut Meteorologen war der Berliner September [1][deutschlandweit der
       trockenste und wärmste]. Und das trotz der nassen Tage in der zweiten
       Monatshälfte. Mitte Oktober nun scheint das spätsommerliche Wetter
       endgültig vorbei, die Temperaturen sind deutlich gesunken, nachts auch
       schon mal einstellig.
       
       Und mit dem Abschied vom Sommer hat eine andere Sache längst begonnen: das
       große Krabbeln in die Wohnungen und Häuser. Kommen Se rinn, da können Se
       rauskieken. Das gilt beileibe nicht für Achtbeiner. Lauern die nicht gerade
       in ihrem selbst gesponnen Tiny House auf Beute, wirkt es selten so, als
       würden sie raus-, sondern viel eher als würden sie einen ankieken.
       
       Am wirkungsvollsten gelingt ihnen das bei Dunkelheit: Man kommt,
       dupdidupdidu, nichts ahnend ins Zimmer, macht das Licht an und – schluck –
       da kleben sie dunkel auf weißem Grund und starren auf einen herab. Wenig
       beruhigend, dass sie das aus vier bis acht – sicherlich Blut unterlaufenen
       – Augen tun. Sie können noch so chillig in der Gegend abhängen, mit ihren
       gelenkigen acht Beinen wirken sie jederzeit gefährlich sprungbereit, am
       besten mit einem doppelten Rittberger mir direkt ins Gesicht.
       
       Eine ganz besondere Aura diesbezüglich hat die [2][Winkelspinne]. Sie ist
       bräunlich-dunkelgrau und vom Spinnengott mit einer kräftigeren Statur
       gesegnet. Mit ihrer schnittigen Körpersprache und dem rasanten Tempo kann
       sie es jederzeit mit einem der testosteron-verseuchten Lamborghinis auf dem
       Ku’damm aufnehmen.
       
       ## In der Wohnung scheint sie lediglich zu flanieren
       
       Sie ist die klobigste unter den mir bislang in meiner Großstadtwohnung
       begegneten Achtbeinern. In freier Natur baut sie Trichternetze, in der
       Wohnung scheint sie lediglich zu flanieren. Aber nur solange sie sich
       keiner Gefahr ausgesetzt fühlt. In solch einem Fall nimmt sie ihre acht
       Beine in die Hand und rast davon. Das allerdings gelingt nicht immer.
       
       Ganz den Jungs auf dem Ku’damm entsprechend ist auch das Aussehen der
       Winkelspinne mehr Schein als Sein. Regelmäßig nämlich wird sie von der
       deutlich zierlicheren [3][Zitterspinne] eliminiert. Die hat fast jeder im
       Treppenhaus und in der Wohnung. In ihrem chaotisch gesponnen Netz wartet
       sie darauf, dass Beute an den Fäden hängenbleibt. Einem [4][Weberknecht]
       gleich – apropos, wo ist der eigentlich abgeblieben? – tapst und spinnt sie
       auf ihren langen hageren Beinen in der Gegend herum. Ihr Körper ist
       schmaler als der der Winkelspinne. Aber sie gehört zu ihren ärgsten
       Fressfeinden.
       
       Wohl mit ein Grund, warum mich in diesem Jahr bislang nur ein einziges Mal
       in meiner Wohnung eine Winkelspinne von der Raufasertapete aus angrinste.
       Und das sollte doch, hehem, dann bitte auch Beleg genug sein, dass ich
       nicht arachnophob bin. Weil ich mir nämlich in jedem Raum (zwei Zimmer,
       Küche, Bad und Flur), tadaaaaaa, mindestens eine Zitterspinne halte. Okay,
       ich gebe es zu, ich halte sie nicht, sie haben sich da eigenständig
       niedergelassen. Jedoch setze ich sie auch nicht vor die Tür. Und wenn doch
       mal, dann natürlich nur mit Glas und Papier.
       
       Eine wirkliche Herausforderung steht mir aber erst noch bevor: die
       Nosferatu-Spinne. Das Muster auf ihrem Rücken sehe aus wie das Konterfei
       des einst von Friedrich Wilhelm Murnau filmisch inszenierten Blutsaugers,
       [5][heißt es]. Ganze fünf bis sieben Zentimeter lang kann sie von Bein zu
       Bein werden. Klimawandel sei Dank seit ihrem Vormarsch vom Mittelmeer gen
       Norden inzwischen eine weitere der wenigen Spinnen bei uns, deren Biss die
       menschliche Haut durchdringen kann.
       
       Soll nicht schlimmer sein als ein Wespenstich, beschwichtigte jüngst eine
       Freundin. Ähm, aha, nun ja, statt Glas und Papier liegen auf meinem
       Nachttisch von nun an nur noch Badelatsche und Knoblauch.
       
       15 Oct 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2024/20240930_deutschlandwetter_september2024_news.html
 (DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Winkelspinne
 (DIR) [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Zitterspinnen
 (DIR) [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Weberknechte
 (DIR) [5] https://www.oekotest.de/bauen-wohnen/Nosferatu-Spinne-bundesweit-verbreitet-So-reagieren-Sie-bei-einer-Begegnung_14565_1.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bobby Rafiq
       
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