# taz.de -- Umgang mit AfD-Wahlerfolgen: Kicken und kochen mit Rechten
       
       > Sie wissen es auch: Klare Kante gegen rechts bringt nichts. Versuchen Sie
       > es doch mit gemeinsamen Aktivitäten, um AfD-Wähler:innen
       > zurückzugewinnen.
       
 (IMG) Bild: Zusammen kicken statt zerknautschen
       
       30,6 Prozent in Sachsen, 32,8 Prozent in Thüringen. [1][Und jetzt auch 29,2
       Prozent in Brandenburg]. Viele Menschen haben bei den Landtagswahlen in den
       ostdeutschen Bundesländern die AfD gewählt. Umfragen zeigen, dass auch in
       anderen Bundesländern nicht wenige für diese Partei stimmen würden.
       
       Was also tun? Klare Kante gegen Rechtsextreme, das wussten wir ja schon vor
       diesen Wahlen, bringt nichts. Das ist so klar, dass es dafür keinen Beleg
       braucht. Der Ausschluss von AfD-Wähler:innen führt nur dazu, dass diese
       sich in ihren Vorurteilen gegenüber Menschen bestätigt fühlen, die nicht
       von der großen Remigration träumen, keine Abschiebelieder singen ([2][„Hey,
       das geht ab, wir schieben sie alle ab, sie alle ab“)] oder keine
       erinnerungspolitische Wende um 180 Grad anstreben.
       
       Es ist leicht, gegen Menschenfeindlichkeit zu sein. Aber haben Sie sich mal
       gefragt, warum diese Menschen eine Partei wählen, die Minderheiten und
       Andersdenkenden den Krieg erklärt hat? Was diese Menschen erlebt haben, was
       sie fühlen? Weil Sie gerade die taz lesen, gehören Sie wahrscheinlich zu
       denen, die es sich bisher zu leicht gemacht haben.
       
       Also [3][mit Rechten reden]? Die Frage ist doch eher: Reicht ein Gespräch
       allein, um den anderen wirklich zu verstehen? Dabei gibt es viele
       Aktivitäten, um naiven und emotional vernachlässigten AfD-Wähler:innen
       intim zu begegnen, sie aufzuklären, ihnen Empathie entgegenzubringen und
       sie so zur Abkehr von der rechtsextremen Versuchung zu bewegen, der sie ja
       oft genug allein aus Verzweiflung erliegen.
       
       Sie könnten zum Beispiel eine Fahrradtour machen. Auf der Reise bezwingen
       Sie gemeinsam herausfordernde Streckenabschnitte. Das schweißt zusammen und
       schafft Vertrauen, sodass der AfD-Wähler Ihnen am Abend auf dem Zeltplatz
       sein Herz ausschütten kann – und Sie dann endlich verstehen, welche
       schwerwiegenden Beweggründe ihn dazu veranlassen, eine Partei zu wählen,
       [4][die Ihren Nachbarn oder den Schulfreund Ihrer Tochter loswerden will],
       weil deren Namen nicht deutsch genug sind.
       
       ## Völkerball lieber nicht
       
       Laden Sie AfD-Wähler:innen zu einem Kochabend ein. Auch die müssen
       schließlich etwas essen, denn, und das wird gerade in nichtrassistischen
       Blasen oft völlig vergessen: Auch AfD-Wähler:innen sind Menschen! Das
       gemeinsame Kochen erfordert Kooperation, Koordination und Kompromiss – hier
       kann das Fallen der Brandmauer im ganz Kleinen geübt werden.
       
       Diese Aktivität fördert je nach zubereiteten Gerichten auch
       interkulturelles Verständnis, wenn auch dieses sich zunächst nur auf das
       Essen bezieht. Aber jeder Schritt zählt.
       
       Spielen Sie Fußball mit AfD-Wähler:innen, oder Handball oder Basketball
       oder Wasserball (Völkerball lieber nicht). Der gemeinsame Sport stiftet
       Gemeinschaft, wo sonst Spaltung herrscht. AfD-Wähler:innen können dabei
       destruktive Impulse ausagieren, ohne die nächste Ausländersau durch das
       Dorf treiben zu müssen. Auch Sie sollten das bei dieser Gelegenheit
       dringend tun. Oder haben Sie immer noch nicht reflektiert, was hinter Ihrem
       Antifa-Mackertum steckt, das Ihnen so lange verunmöglicht hat, auf
       Rassist:innen zuzugehen?
       
       Ergänzen Sie diese Liste. Und legen Sie am besten heute noch los! Falls Sie
       einen Migrationshintergrund haben oder einer anderen Minderheit angehören:
       Der Autor übernimmt für etwaige Schäden keine Haftung.
       
       25 Sep 2024
       
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