# taz.de -- Flächen für Neubau und Gewerbe: Giffey und Gaebler haben einen Plan
       
       > Der Senat hat die Stadtentwicklungspläne Wirtschaft und Wohnen
       > beschlossen. Auch der B-Plan für 810 Wohnungen in Tegel wurde
       > verabschiedet.
       
 (IMG) Bild: Ein jeder an seinem Platz: Franziska Giffey und Christian Gaebler
       
       Berlin taz | Es hat schon seine Gründe, dass Tesla seine Giga-Factory in
       Grünheide landen ließ. Eine gigantische Fabrik braucht gigantische Flächen.
       Im Fall von Tesla sind das derzeit 300 Hektar.
       
       Nun will auch Berlin wieder klotzen statt kleckern, wenn es um die
       Ansiedlung von Industrie und produzierendem Gewerbe geht. Das geht aus dem
       [1][Stadtentwicklungsplan Wirtschaft 2040] hervor, den der schwarz-rote
       Senat am Dienstag beschlossen hat. „Zusätzlich zu den 4.360 Hektar
       Gewerbeflächen, die wir in Berlin haben, haben wir das Potenzial für
       weitere 1.240 Hektar identifiziert“, sagte Wirtschaftssenatorin Franziska
       Giffey (SPD) auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Senatssitzung.
       Folgt man Giffey, wäre also perspektivisch Platz für vier Mal Tesla
       vorhanden. Es fällt in Berlin nur eben kleinteiliger aus als im
       benachbarten Brandenburg.
       
       Zugleich räumte die Wirtschaftssenatorin ein, dass von den sogenannten
       Potenzialflächen im Moment nur 330 Hektar aktivierbar seien. Auch gehörten
       nur 39 Prozent dieser Flächen dem Land Berlin. Bei einem Bedarf von derzeit
       40 Hektar pro Jahr wäre auf Landesflächen also schon nach drei Jahren
       Schluss.
       
       ## Neubau von Gewerbehöfen
       
       Giffey kündigte deshalb ein Programm an, mit dem Berlin schon in der
       Gründerzeit Furore gemacht hatte: den Bau eines kommunalen Gewerbehofs. In
       der Bornitzstraße in Lichtenberg soll dieser erste [2][„Gewerbehof 2.0“]
       entstehen. Demnächst soll die Ausschreibung starten. Zwei weitere
       Gewerbehöfe sollen folgen. Wo genau, wollte Giffey nicht verraten.
       
       Platz braucht auch Bausenator Christian Gaebler, der auf der
       Senatspressekonferenz neben seiner SPD-Kollegin Platz genommen hatte und
       den ebenfalls beschlossenen Stadtentwicklungsplan Wohnen 2040 vorstellte.
       Darin werden nun wiederum Flächen für 222.000 neue Wohnungen bis 2040
       ausgewiesen. „Zusätzlich dazu wollen wir eine Flächenreserve für 50.000
       Wohnungen schaffen“, betonte Gaebler. Dafür habe man die Potenziale aber
       noch nicht lokalisiert.
       
       Dass die Hälfte der neuen Wohnungen laut Gaebler gemeinwohlorientiert
       erbaut werden sollen, begrüßte auch die Opposition. „Aber es darf nicht nur
       bei Ankündigungen bleiben, sondern das Ziel muss auch endlich umgesetzt
       werden“, sagte der stadtentwicklungspoltische Sprecher der Grünen, Julian
       Schwarze. Die Zahlen zeigten auch, dass Berlin kein Flächen-, sondern ein
       Umsetzungsproblem habe. Und, so Schwarze: „Der vom Senat angenommene
       Wohnungsbedarf lässt sich ohne eine teure Bebauung des Tempelhofer Feldes
       abdecken.“
       
       Dass zwei der – nur informell geltenden – Stadtentwicklungspläne gemeinsam
       vorgelegt wurden, begründeten die SPD-Senatoren damit, dass man nicht in
       Konkurrenz um Flächen treten wolle. „Wohnen und Arbeiten gehören als
       Berliner Mischung zusammen“, so Giffey.
       
       Grundsätzlich begrüßt das auch die Berliner Wirtschaft. Allerdings seien
       seit 2015 170 Hektar Gewerbeflächen verloren gegangen, zumeist zugunsten
       des Wohnungsbaus, heißt es bei den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg
       UVB. „Dieser Trend muss gestoppt werden“, fordert UVB-Sprecher Carsten
       Brönstrup. „Wir begrüßen es daher, dass der Senat in der Stadtentwicklung
       die Bereiche Wirtschaft und Wohnen zusammendenkt.“ Allerdings müsse der
       Senat „in der Praxis auch umsetzen, was er sich in Plänen und Konzepten nun
       vornimmt“.
       
       Eine Möglichkeit dazu bietet der ehemalige Flughafen Tegel. Neben einer
       Urban Tech Republik soll dort auch das [3][Schumacher-Quartier] mit 5.000
       Wohnungen entstehen. Nun hat der Senat dafür den ersten Bebauungsplan
       beschlossen – wenn auch erst für 810 Wohnungen.
       
       3 Sep 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/2024/pressemitteilung.1481555.php
 (DIR) [2] https://www.wista.de/gewerbehoefe
 (DIR) [3] https://schumacher-quartier.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uwe Rada
       
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