# taz.de -- Minderjährige bei der Bundeswehr: Zivilisatorisch rückständig
       
       > Minderjährige in der Bundeswehr dürfen den Bundestag nicht wählen, aber
       > Töten lernen – das ist absurd. Sie sind nichts anderes als
       > Kindersoldat:innen.
       
 (IMG) Bild: Der Jugendoffizier Dhany Sahm spricht vor einer Schulklasse in Bamberg
       
       Wenn es um die Rekrutierung Minderjähriger für die Bundeswehr geht, lässt
       der Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP eigentlich keinen
       Interpretationsspielraum. „Ausbildung und Dienst an der Waffe bleiben
       volljährigen Soldatinnen und Soldaten vorbehalten“, heißt es darin
       unmissverständlich. Doch wie so vieles, was die selbsternannte
       „Fortschrittskoalition“ vereinbart hat, ist auch das nicht das Papier wert,
       auf dem es steht.
       
       Die Realität sieht anders aus, wie jetzt die Antwort des
       Verteidigungsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken-Gruppe im
       Bundestag dokumentiert. Die Ampel macht einfach dort weiter, wo die
       schwarz-rote Vorgängerregierung aufgehört hat. Alleine im vergangenen Jahr
       rekrutierte die Bundeswehr 1.996 Minderjährige – ein Rekordwert. Und
       selbstverständlich werden sie an der Waffe ausgebildet.
       
       Nach der auch von Deutschland ratifizierten UN-Kinderrechtskonvention gilt
       jeder Mensch, der das achtzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat, als
       Kind. Nach dieser Definition sind also jene 17-Jährigen, die sich in der
       Bundesrepublik mit Einverständnis der Eltern zur Bundeswehr verpflichten
       dürfen, nichts anderes als Kindersoldat:innen.
       
       Dass dank eines fragwürdigen Zusatzprotokolls die deutsche Praxis
       international zulässig ist, macht es nicht besser. Es hat etwas Obszönes,
       dass jemand zwar den Bundestag nicht mitwählen darf, aber bei der
       Bundeswehr das Töten von Menschen lernen kann.
       
       ## Bigotte Familienministerin
       
       Ob mittels [1][Tiktok-Werbekampagnen] oder durch mehr als 3.400
       [2][Schulbesuche] im vergangenen Jahr: Offensiv wirbt die Bundeswehr um
       jugendlichen Nachwuchs. Da ist es bigott, wenn die grüne Jugend- und
       Familienministerin Lisa Paus Jahr für Jahr am „Red Hand Day“, dem
       Internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldat:innen,
       öffentlichkeitswirksam ihre rot bemalte Hand auf ein Blatt Papier presst.
       Stattdessen sollte sie sich lieber für die Umsetzung des rot-grün-gelben
       Koalitionsvertrags einsetzen.
       
       Es wäre ein zivilisatorischer Fortschritt, wenn sich Deutschland endlich
       dem Vorbild von mehr als 150 Ländern auf dieser Welt anschließen und auf
       Soldat:innen unter 18 Jahren verzichten würde.
       
       26 Jul 2024
       
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 (DIR) Pascal Beucker
       
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