# taz.de -- Neuwahlen in Frankreich: Die „Zauberlehrlinge“ Macrons
       
       > Emmanuel Macron hat die Parlamentsauflösung im kleinen Kreis vorbereitet.
       > Dann wurde er von einem Berater verraten.
       
 (IMG) Bild: Präsident Macron spiegelt sich in einer Sonnenbrille bei seinem Besuch auf der Île de Sein am 18. Juni
       
       Paris taz | Auf der kleinen bretonischen Insel Île de Sein holt Emmanuel
       Macron am vergangenen Dienstag die Aktualität ein. Der französische
       Präsident, der eigentlich zur Ehrung des Widerstands gegen die NS-Besatzung
       im Zweiten Weltkrieg gekommen ist, wird von einer Passantin angesprochen.
       Sie befragt ihn zu seiner Entscheidung, die Nationalversammlung aufzulösen
       und [1][Neuwahlen abzuhalten]: „Wie konnten Sie uns in diese Situation
       bringen? Wie konnten Sie uns [2][diesem Chaos aussetzen]?“
       
       Diese Frage stellen sich in diesen Tagen viele Französinnen und Franzosen.
       Macron rief nach dem haushohen Sieg des rechtspopulistischen Rassemblement
       National (RN) bei den Europawahlen am 9. Juni Neuwahlen schon für Ende Juni
       aus. Seine Ankündigung schlug auch im eigenen Lager wie eine Bombe ein.
       
       Nicht einmal mit Regierungschef Gabriel Attal hatte der Staatschef vorab
       darüber gesprochen. Auf Fotos, die Macrons Fotografin Soazig de La
       Moissonnière in den sozialen Netzwerken veröffentlichte, ist der 35-Jährige
       Attal nach der Entscheidung mit versteinerter Miene und vor der Brust
       verschränkten Armen zu sehen.
       
       Der Präsident sei ein „[3][unnützes Risiko]“ eingegangen, kritisierte der
       frühere Fraktionschef von Macrons Partei Renaissance, Gilles Le Gendre.
       „Ich finde weder in der Regierungsmehrheit noch in meiner Partei oder der
       Wählerschaft jemanden, der das billigt“, sagte er der Zeitung Le Monde.
       
       Umfragen sagen dem RN von Frontfrau Marine Le Pen eine relative, wenn nicht
       sogar eine absolute Mehrheit [4][in der neuen Nationalversammlung] voraus.
       Bisher regierte Attal mit einer relativen Mehrheit. Das Ende seiner
       Regierung wurde frühestens im Herbst erwartet, wenn das Parlament die
       heiklen Haushaltsberatungen beginnen sollte.
       
       ## Ein Berater verriet Macrons Coup
       
       Macron hatte seinen Coup im Geheimen vorbereitet. Vier Männer, von Le Monde
       auch „Zauberlehrlinge“ genannt, sollen ihn dabei beraten haben.
       
       Einer dieser Berater steht auf den Fotos von de La Moissonnière neben dem
       Präsidenten, der am Schreibtisch seine Rede für die Ankündigung von
       Neuwahlen schreibt. Es handelt sich um den früheren Journalisten Bruno
       Roger-Petit, der seit 2018 die Gedenkfeiern des Staatschefs organisiert.
       „BRP“ soll der Kopf der kleinen Gruppe gewesen sein, der auch Macrons
       früherer Redenschreiber, sein Kommunikationsberater und ein ehemaliger
       Senator der Konservativen angehörten.
       
       Der 61-Jährige hatte sich in den vergangenen Jahren nicht nur um die
       Gedenkzeremonien gekümmert, sondern auch als Strippenzieher im Hintergrund
       gewirkt. So traf er sich 2020 zu einem Mittagessen mit Marion Maréchal, der
       Spitzenkandidatin der rechtsextremen Partei Reconquête bei den
       Europawahlen.
       
       Drei Stunden vor der Fernsehansprache des Präsidenten soll er die
       bevorstehende Auflösung des Parlaments dem Starjournalisten des
       ultrarechten Fernsehsenders CNews, Pascal Praud, verraten haben.
       
       Als Macron erfuhr, dass Roger-Petit Details der Parlamentsauflösung offen
       in Hintergrundzirkeln weitergab, wurde der Präsident mehreren
       Medienberichten zufolge wütend auf seinen Berater. Die Reise auf die Île de
       Sein trat er ohne Roger-Petit an.
       
       21 Jun 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Europawahl-in-Frankreich/!6016542
 (DIR) [2] /Neuwahlen-in-Frankreich/!6016562
 (DIR) [3] /Vor-den-Parlamentswahlen/!6014729
 (DIR) [4] /Neuwahlen-in-Frankreich/!6017093
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christine Longin
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Emmanuel Macron
 (DIR) Schwerpunkt Frankreich
 (DIR) Marine Le Pen
 (DIR) wochentaz
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Neuwahl
 (DIR) Parlamentswahlen Frankreich
 (DIR) Schwerpunkt Fußball-EM 2024
 (DIR) Parlamentswahlen Frankreich
 (DIR) Lesestück Recherche und Reportage
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Wahlniederlage für Le Pen in Frankreich: Die Brandmauer hat gehalten
       
       Die extreme Rechte ist gescheitert. Das ist die Hauptsache. Aber das
       Parlament ist blockiert, eine Mehrheit hat keines der Lager – auch nicht
       das linke.
       
 (DIR) Kylian Mbappés EM-Spiel gegen Österreich: Spieler, Kämpfer, Mahner
       
       Frankreichs Star Mbappé gibt alles – neben und auf dem Platz. Der Kampf
       gegen den Rassemblement National läuft, den gegen Österreich hat er
       gewonnen.
       
 (DIR) Frankreich vor den Parlamentswahlen: Knatsch bei den Rechten
       
       Vor den Wahlen in Frankreich knistert und kracht es bei der politischen
       Rechten. Ein Parteichef hat sich direkt in seinem Büro eingeschlossen.
       
 (DIR) Frankreich vor den Parlamentswahlen: Linke rauft sich zusammen
       
       Die überraschenden Neuwahlen in Frankreich bringen Bewegung in die
       zerstrittene Linke des Landes, sowohl in den Parteien als auch auf der
       Straße. Reicht das, um sie zu einen?