# taz.de -- Triell um Berlins SPD-Vorsitz: Heimspiel bei den Jusos
       
       > Der Parteinachwuchs feiert das Duo Bertels/Niroomand. Die verteidigen die
       > bisherige Kostenlos-für-alle-Politik ihres Mitbewerbers Raed Saleh.
       
 (IMG) Bild: Beim Triell um den SPD-Landesvorsitz läuft die Abstimmung. Das Duo Niroomand/Bertels (Bildmitte) gastierte Sonntag bei den Jusos
       
       Berlin taz | Jana Bertels und Kian Niroomand haben in der SPD-internen
       Für-alle-umsonst-Debatte den Ansatz ihres Mitbewerbers um den Parteivorsitz
       und bisherigen Landesvorsitzenden Raed Saleeh verteidigt. „Wir fragen uns
       da beide, welcher PR-Berater sich den Begriff der Umsonst-Stadt ausgedacht
       hat“, sagte Niroomand am Sonntag beim Landesparteitag des SPD-Nachwuchses
       Jusos.
       
       Drastischer wurde Bertels, die Landesvorsitzende der SPD-Frauen: „Das kotzt
       mich richtig an“. Die von dem – von ihr namentlich nicht erwähnten –
       Bewerberduo Martin Hikel und Nicola Böcker-Ginannini hinterfragte
       [1][komplette Kostenübernahme für alle bei Kita, Hort, Schulmensa und
       Schüler-BVG-Ticket] müsse man unbedingt erhalten. „Das ist eng verknüpft
       mit unserem sozialdemokratischen Aufstiegsversprechen“, sagte Bertels.
       
       Das Thema hatte sich in der vergangenen Woche zum zentralen Punkt des
       Triells um die künftige Doppelspitze der Berliner SPD entwickelt. Hikel und
       Böcker-Giannini kritisieren den Ansatz, auch diejenigen zu subventionieren,
       die Kita, Essen und Ticket gut selbst bezahlen könnten.
       
       Seit Samstag [2][können die über 18.000 Berliner SPD-Mitglieder darüber
       abstimmen], ob diese beiden, Bertels und Niroomand oder der mit der
       Marzahn-Hellersdorfer Bezirkspolitikerin Luise Lehmann antretende Saleh die
       Partei führen sollen. Etwas weniger als die Hälfte der Mitglieder hat für
       diese Befragung [3][Unterlagen per Deutsche Post erhalten], eine leichte
       Mehrheit hat sich dafür registriert, online abzustimmen. Zeit dafür ist bis
       zum 19. April. Bekommt keines der drei Duos eine absolute Mehrheit, geht es
       für die beiden stimmstärksten ab dem 2. Mai in einen zweiten Wahlgang.
       
       ## Hallenbad gratis – aber zu?
       
       Niroomand zielte allerdings auch auf eine eigene Position des Duos in der
       Kostenlos-Debatte, die aus seiner Sicht „am Thema vorbei geht“: Es helfe
       ihm als Vater nicht, mit seinem Kind freien Eintritt im Hallenbad zu haben,
       wenn das seit drei Jahren geschlossen sei. Die Gefühlslage in der Stadt
       nimmt er generell als gestresst und geschlaucht war. Da muss aus seiner
       Sicht „ein starker Staat“ dagegenhalten und beispielsweise auch viel mehr
       gegen Verstöße gegen die Mietpreisbremse vorgehen. Zudem könnte auch von
       Berlin der Impuls ausgehen, „die wenigen, die immer mehr haben“, zugunsten
       Ärmerer stärker zur Kasse zu bitten – womit Niroomand offenbar auf eine
       Berliner Bundesratsinitiative zu höherer Reichenbesteuerung drängte.
       
       Die Jusos hatten Bertels und Niroomand bereits für den Landesvorsitz
       nominiert und sahen sich am Sonntag sichtlich in ihrer Haltung bestätigt.
       Schon die Ankündigung eines Grußworts der beiden löste großen Beifall aus,
       nach dessen Ende erhoben sich die rund 70 Delegierten sogar geschlossen und
       applaudierten fast eine Minute lang. Zuvor hatten sie Sätze wie „Mit uns
       bekommt Ihr Landesvorsitzende, die Kritik der Jusos nicht als Störfeuer,
       nicht als Majestätsbeleidigung auffassen“ und „Ohne Euch wäre das alles
       viel, viel schwerer“, zu hören bekommen.
       
       Bertels sprach sie zudem für mehr parteiinterne Nachwuchsförderung aus. Die
       müsse sich auch auf Kandidatenlisten bei Wahlen zeigen, gerade nachdem man
       im Abgeordnetenhaus das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt habe.
       
       7 Apr 2024
       
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 (DIR) Stefan Alberti
       
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