# taz.de -- Israelische Angriffe in Gaza: Pfleger und Helfer unter den Opfern
       
       > Nach Luftschlägen auf humanitäre Helfer in Gaza stellen Hilfs-NGOs ihre
       > Arbeit ein. Im Al-Schifa-Krankenhaus bietet sich ein Bild der Zerstörung.
       
 (IMG) Bild: Fotografische Notaufnahme: das Gelände um das Al-Schifa-Krankenhaus am 1. April
       
       Jerusalem taz | Nach einem israelischen Angriff auf einen Konvoi der
       internationalen Hilfsorganisation World Central Kitchen (WCK) mit sieben
       Toten will die NGO ihre Arbeit im Gazastreifen vorerst einstellen. Fotos
       zeigen ein zerstörtes Fahrzeug mit dem Logo der Organisation sowie die
       Leichen mehrerer internationaler Mitarbeiter mit Schutzwesten. „Dies ist
       ein Angriff auf humanitäre Organisationen, die in einer verzweifelten
       Situation dort Hilfe leisten, wo Nahrungsmittel als Kriegswaffe missbraucht
       werden“, sagte die WCK-Vorsitzende Erin Gore am Dienstag. „Das ist
       unverzeihlich.“
       
       Der Konvoi sei trotz Koordinierung mit der israelischen Armee am Montag in
       Deir al-Balah beschossen worden, teilte WCK mit. Die Organisation verteilt
       unter [1][anderem Hilfslieferungen, die übers Meer aus Zypern in Gaza
       eintreffen]. Die Fahrzeuge seien deutlich gekennzeichnet gewesen und hätten
       sich nicht in einem aktiven Kampfgebiet befunden. Bei den Toten handle es
       sich um Mitarbeiter aus Australien, Polen, Großbritannien und eine Person
       mit kanadischer und US-Staatsbürgerschaft. Drei weitere Tote seien
       palästinensische Angestellte.
       
       Vertreter mehrerer westlicher Staaten, darunter der britische Außenminister
       David Cameron und seine australische Amtskollegin Penny Wong, verurteilten
       den Angriff. „Der tragische Vorfall von gestern Abend ist auf einen Angriff
       der Armee zurückzuführen, und wir untersuchen die Umstände“, teilten die
       israelischen Streitkräfte mit. Es werde eine „umfassende Prüfung auf
       höchster Ebene“ geben, sagte Armeesprecher Daniel Hagari. [2][Israels
       Ministerpräsident Benjamin Netanjahu] sagte am Dienstag: „So etwas passiert
       in Kriegszeiten.“
       
       WCK und die US-Hilfsorganisation Anera teilten mit, ihre Arbeit in der
       Region zeitweilig zu unterbrechen. Die katastrophale Versorgungslage im
       Gazastreifen verschlechtert sich damit weiter. Anera zufolge stellen beide
       Organisationen zusammen rund zwei Millionen Mahlzeiten pro Woche zur
       Verfügung. Mehr als eine Million Menschen in Gaza leiden laut der
       Einschätzung mehrerer UN-Organisationen bereits jetzt „katastrophalen
       Hunger“. Hochrangige Vertreter der USA und der UNO werfen Israel vor, die
       Lieferung von überlebenswichtiger Hilfe zu behindern. Israel bestreitet
       das.
       
       ## Versorgungslage verschlechtert sich weiter
       
       Ein Bild der Zerstörung bietet sich indes in der Al-Schifa-Klinik in
       Gaza-Stadt, dem größten Krankenhaus in dem Gebiet. Nach einer zwei Wochen
       währenden Operation meldete die israelische Armee am Montag ihren Abzug aus
       der Klinik. Bei dem Einsatz wurden nach Armeeangaben Kämpfer der Hamas
       getötet und 900 Verdächtige verhaftet. Netanjahu sprach von 200 getöteten
       „Terroristen“ und nannte die Aktion einen großen Erfolg. Ähnlich hatte sich
       die israelische Führung jedoch bereits [3][nach der ersten Erstürmung des
       Krankenhauses im November geäußert.] Die Hamas bestreitet die militärische
       Nutzung der Anlage.
       
       Kurz bevor die Armee am 18. März ihren Angriff auf die Klinik startete,
       befanden sich laut palästinensischen wie israelischen Angaben noch Tausende
       Patienten, Geflüchtete und medizinisches Personal auf dem Gelände. Nun
       zeigen Bilder von Nachrichtenagenturen die Klinik ausgebrannt und
       vollständig in Trümmern. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten
       Zivilschutzes wurden rund 300 Leichen rund um das Krankenhaus gefunden. Ob
       es sich bei ihnen um Kämpfer oder Zivilisten handelt, ist nicht bekannt.
       
       Laut dem Bericht eines Washington-Post-Fotografen hing am Sonntag
       Verwesungsgeruch über dem Gelände. Zahlreiche nicht verifizierte Videos von
       Palästinensern vor Ort zeigen teils verweste, verbrannte oder
       augenscheinlich von schwerem Gerät platt gewalzte Leichen. Der US-Sender
       CNN zitiert seinen palästinensischen Mitarbeiter Chader Al Za’anun: „Wir
       haben in den Häusern um das Krankenhaus ganze Familien tot und verwest
       gefunden.“ In der nicht mehr funktionierenden Klinik halten sich laut der
       Weltgesundheitsorganisation WHO noch immer rund einhundert Patienten und 50
       Mediziner auf.
       
       Netanjahu will indes den katarischen TV-Sender Al Jazeera in Israel
       schließen, den er als „Sprachrohr der Hamas“ bezeichnet. Der Sender
       unterhält als einer von wenigen noch immer ein eigenes Korrespondentennetz
       im Gazastreifen und ist einer der reichweitenstärksten Sender in der
       arabischen Welt. Er wird jedoch auch wegen seiner mangelnden Distanz zur
       Hamas kritisiert. Al Jazeera erklärte, die Berichterstattung in Israel
       fortsetzen zu wollen.
       
       2 Apr 2024
       
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