# taz.de -- 1,4-Milliarden-Projekt bei der S-Bahn: Im Osten was Neues
       
       > Der Senat spricht sich für eine neue 12,5 Kilometer lange S-Bahnstrecke
       > zwischen Springpfuhl und Grünau aus. Doch die liegt noch weit in der
       > Zukunft.
       
 (IMG) Bild: Durch eine neue Strecke zwischen Springpfuhl und Grünau würde das Berliner S-Bahnnetz um 12,5 Kilometer länger
       
       Berlin taz | Zwei Wochen [1][nach dem Beschluss zur Verlängerung der
       U-Bahn-Linie 3] in Zehlendorf hat sich der schwarz-rote Senat am Dienstag
       für einen Ausbau der S-Bahn im Osten der Stadt ausgesprochen. Dabei soll
       eine neue Linie die S-Bahnhöfe [2][Springpfuhl (S7)] und [3][Grünau
       (S8/S46)] verbinden und auf dieser rund 12,5 Kilometer langen Strecke an
       fünf neuen Bahnhöfen halten.
       
       Der Beschluss dazu ist allerdings weit weniger konkret als der zur U3, die
       bis 2030 oder 2031 verlängert sein soll. Bis zum Baubeginn der neuen
       S-Bahn-Strecke werden laut Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) noch
       mindestens zehn Jahre vergehen. Der Beschluss eröffnet im Kern die
       Möglichkeit zu weiteren Planungen. Auch eine genaue Kosten-Nutzen-Analyse
       steht noch an. Fällt die im Sinne des Senats aus, könnten bis zu 75 Prozent
       der mit 1,4 Milliarden Euro veranschlagten Kosten als Förderung aus dem
       Bundeshaushalt kommen. Das Land Berlin müsste dann nur ein Viertel tragen
       
       Schreiner bezeichnete den Senatsbeschluss vom Dienstag zwar als
       „Meilenstein“. Doch dass der Zeitpunkt der ersten Fahrt auf der
       angestrebten Strecke noch weit in der Zukunft liegt und damit etwas
       Ungewisses hat, machte sie am Dienstag mit ihren eigenen Aussagen
       unfreiwillig selbst deutlich. Als die Senatorin den Streckenverlauf ab
       Springpfuhl Richtung Süden skizzierte, zählte sie die geplanten
       Zwischenhalte in umgekehrter Richtung auf. Das wirkte auf die zuhörenden
       Journalisten in der Pressekonferenz nach der Senatssitzung nicht so, als
       sei Schreiner der Streckenverlauf wirklich präsent.
       
       An westlicher Ignoranz gegenüber dem Osten kann das in ihrem Fall nicht
       liegen: Schreiner wurde in Wismar geboren, wuchs in Rostock auf, wo sie
       auch studierte, führte in Berlin die heutige Senatssprecherin Christine
       Richter, als die noch Morgenpost-Chefredakteurin war, 2019 durch ihren
       Wohnort Weißensee.
       
       ## Noch stehen wesentliche Schritte aus
       
       Vielmehr sind es offenbar noch die wesentlichen Schritte, die auf dem Weg
       zum 12,5-Kilometer-Streckenbau zu machen sind: eine Untersuchung mit dem
       für Laien sperrig klingenden Namen „Fahrplanrobustheitsprüfung“ sowie die
       Kosten-Nutzen-Analyse. Darauf würde noch das [4][üblicherweise aufwändige
       Planfeststellungsverfahren] folgen. Schreiner mochte nicht mal selbst
       überschlagen, auf wie viele Jahre sich das summiert und bestätigte
       lediglich einem fragenden Journalisten, mit mindestens zehn Jahren als
       Untergrenze nicht falsch zu liegen.
       
       Kommt es tatsächlich zum Bau, sind folgende Stationen vorgesehen: Von
       Springpfuhl über Biesdorf-Süd, wo es einen Anschluss an die U-Bahnlinie 5
       gäbe, über zwei Halte in der Wuhlheide und der Dörpfeldstraße in Adlershof
       bis zum jetzigen S-Bahnhof Grünau.
       
       Nach Darstellung von Senatorin Schreiner ging es bei dem Senatsbeschluss
       auch darum, sich im Grundsatz zwischen einer S-Bahn und einer Verbindung
       per Regionalzug zu entscheiden. „Die S-Bahn ist mit ihrer engen Taktung und
       der Anzahl der Haltestellen am besten geeignet“, sagte Schreiner. Die
       Planungen für einen östlichen Schienenaußenring kämen damit endlich ein
       erhebliches Stück voran. Die Ortsteile Marzahn, Biesdorf, Adlershof und
       Köpenick würden so sinnvoll miteinander verbunden. Noch langfristiger als
       die jetzigen Planungen soll auch der Flughafen BER angebunden werden.
       
       Wie die CDU-Politikerin sieht auch die grüne Verkehrsexpertin Antje Kapek
       in dem Senatsbeschluss einen „Meilenstein“ für den Ausbau des Berliner
       Schienennetzes. Nord-Süd-Verbindungen würden bislang im Osten der Stadt
       fehlen. Die nun angestrebte Strecke müsse darum „den absoluten Vorrang
       haben und nun auf Hochtouren voran getrieben werden“, forderte Kapek.
       
       27 Feb 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.tagesspiegel.de/berlin/u-bahnlinie-wird-ausgebaut-berliner-senat-beschliesst-verlangerung-der-u3-zum-mexikoplatz-11202460.html
 (DIR) [2] https://sbahn.berlin/fahren/bahnhofsuebersicht/springpfuhl/
 (DIR) [3] https://sbahn.berlin/fahren/bahnhofsuebersicht/gruenau/
 (DIR) [4] https://www.berlin.de/sen/uvk/mobilitaet-und-verkehr/verkehrsplanung/planfeststellungen/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
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