# taz.de -- EU-Lieferkettengesetz: Lobbyisten fordern Nachbesserungen
       
       > Die Ampelkoalition will sich beim EU-Liefergesetz enthalten. Die
       > Wirtschaftslobby will dies nutzen, um Nachbesserungen in ihrem Sinne zu
       > erreichen.
       
 (IMG) Bild: Schiffscontainer im Hamburger Hafen
       
       Berlin dpa | Eine Allianz aus Wirtschaftsverbänden hat Nachbesserungen am
       [1][EU-Lieferkettengesetz] gefordert. Die Verbände sprechen sich
       grundsätzlich für eine EU-weite Regelung zum Schutz von Menschenrechten aus
       – lehnen den aktuellen Entwurf aber wegen „grober handwerklicher Mängel“
       ab. Insbesondere der Mittelstand werde durch die geplanten Regelungen bei
       Weitem überlastet. Die Mitteilung von Dienstag stammt von acht Verbänden,
       darunter dem Außenhandelsverband BGA, Gesamtmetall, der Stiftung
       Familienunternehmen und Politik und dem Chemieverband VCI.
       
       Mit einer deutschen Enthaltung infolge einer Uneinigkeit in der
       Ampelkoalition könnte das gesamte EU-Lieferkettengesetz scheitern. Da sich
       unter den Mitgliedstaaten keine Mehrheit abzeichnet, wurde eine geplante
       Abstimmung verschoben.
       
       Durch das EU-Lieferkettengesetz sollen große Unternehmen zur Rechenschaft
       gezogen werden, wenn sie etwa von Kinder- oder Zwangsarbeit außerhalb der
       Union profitieren oder durch ihre Produktion dort Umweltschäden verursacht
       werden. In Deutschland gilt seit 2023 ein [2][nationales
       Lieferkettengesetz].
       
       Die Wirtschaftsverbände betonten, die EU-Lieferkettenrichtlinie verfolge
       zwar ein richtiges und wichtiges Ziel, sei aber in der Praxis für
       europäische Unternehmen „schlicht nicht umsetzbar“. Die Verbände
       appellieren an die Bundesregierung und weitere EU-Staaten, bei ihrer
       Position der Enthaltung zu bleiben. Ziel müsse es sein, einen
       Gesetzesvorschlag zu präsentieren, der in der Praxis auch funktioniere und
       den Schutz von Menschenrechten sowie die berechtigten Interessen der
       Unternehmen vereine.
       
       ## Verbände warnen vor Rückzug von Firmen
       
       Die Verbände sprachen von schweren handwerklichen Mängeln in der jetzt zur
       Abstimmung stehenden [3][EU-Lieferkettenrichtlinie]. Dies könnte dazu
       führen, dass deutsche und europäische Unternehmen sich aus Märkten und
       Ländern zurückziehen. „Dann wäre das Feld offen für andere Marktteilnehmer
       mit deutlich geringeren Standards. Damit würde dem eigentlichen Ziel der
       EU-Lieferkettenrichtlinie ein Bärendienst erwiesen.“ Nötig sei eine
       Regulierung mit mehr Praxisbezug und Augenmaß.
       
       13 Feb 2024
       
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