# taz.de -- Skinheads im Dönerladen: Das sich selbst lösende Problem
       
       > Unterwegs in Sachsen traf ich zwei Nazis im Dönerladen. Fast hätte ich
       > ihnen ein Bier über die Glatze geschüttet. Aber dann kam alles anders.
       
 (IMG) Bild: So könnten sie aussehen: sächsische Neonazis bei einem Rechtsrock-Konzert 2019 in Ostritz
       
       Eminanim und ich fahren durch Sachsen und sehen, dass die Rechtsradikalen
       mit ihren riesigen Kampfhunden hier genauso im Straßenbild verankert sind
       wie im Westen die Omas mit ihren kleinen Rauhaardackeln.
       
       „Eminanim, eigentlich sollten wir wegen der vielen Rassisten die
       ostdeutschen Produkte boykottieren – so wie damals die südafrikanischen“,
       schlage ich vor.
       
       „Was willst du boykottieren? Was wird denn hier überhaupt produziert?“,
       fragt sie.
       
       „[1][Döner]!“, stelle ich völlig überrascht fest und trete sofort auf die
       Bremse. Der türkische Imbiss 'Antalya-Express’ erscheint mir wie ein kühler
       Gebirgsbach in der heißen Wüste.
       
       An den Tischen sitzen ausschließlich mampfende Deutsche. Sogar zwei
       Skinheads!
       
       „Was darf ich für Sie tun?“, fragt der türkische Kellner freundlich auf
       Deutsch.
       
       „Tun Sie lieber was für sich selbst und laufen Sie schnell weg! Oder sind
       Sie lebensmüde?“, sagt meine Frau auf Türkisch.
       
       „Geschäftsrisiko“, sagt der Mann gelassen und erzählt uns, dass die
       Skinhaeds tagsüber regelmäßig bei ihm Döner essen und nachts genauso
       regelmäßig die Scheiben von seinem Laden kaputtschlagen.
       
       „Und Sie geben denen trotzdem was zu essen?“, frage ich verblüfft.
       
       „Das dürfen Sie nicht so eng sehen, das sind halt [2][Nazis]! Die müssen ab
       und zu einen ausländischen Laden überfallen und Fremde verprügeln. Das ist
       genetisch bedingt, das ist ihr Job. Aber meine Skins brauchen wieder Bier,
       ich muss hin“, lacht er.
       
       „Ich würde an Ihrer Stelle das Bier einfach über deren Glatzen kippen“,
       rufe ich ihm nach.
       
       „Osman, gib hier nicht so an“, zischt Eminanim.
       
       „Wieso? Wenn sie jede Nacht seine Scheiben einschlagen.“
       
       „Ich muss mir mal schnell die Nase pudern“, antwortet sie und verschwindet.
       
       Kaum ist sie weg, werden die [3][Skinheads] plötzlich laut. Sie beschimpfen
       sich gegenseitig, obwohl es zurzeit hier keinen Mangel an Ausländern gibt.
       
       Einer von ihnen schnappt sich das große Bierglas, das er gerade bekommen
       hat, und schüttet es dem anderen über den kahlen Kopf. Der Begossene
       springt wütend hoch und schüttet sein Glas dem andern ins Gesicht. Danach
       rennen sie wutschnaubend weg.
       
       Der Kellner wechselt sofort die nasse Tischdecke und stellt dabei die
       beiden leeren Biergläser bei mir auf den Tisch.
       
       In diesem Moment kommt Eminanim zurück und schaut ängstlich die beiden
       Skins an, die mit hochrotem Kopf biertriefend verschwinden.
       
       Und dann sieht sie die beiden leeren [4][Biergläser] vor mir stehen.
       
       „Du? Du? Du hast es tatsächlich getan?“, stammelt sie mit großen Augen.
       
       „Ein Gentleman genießt und schweigt“, grinse ich cool und füge hinzu, „die
       beiden Biere gehen selbstverständlich auf mich!“
       
       20 Jan 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Doener/!t5014001
 (DIR) [2] /Schwerpunkt-Neonazis/!t5008534
 (DIR) [3] /Skinheads/!t5046289
 (DIR) [4] https://www.vergleich.org/bierglaeser/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Osman Engin
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kolumne Alles getürkt
 (DIR) Schwerpunkt Neonazis
 (DIR) Sachsen
 (DIR) Döner
 (DIR) Satire
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) Kolumne Alles getürkt
 (DIR) Kolumne Alles getürkt
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) AfD in Regierung verhindern: Der eigentliche Feind steht rechts
       
       Die als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD Sachsen bleibt in Umfragen
       vorne. Statt dagegen aktiv zu werden, bekämpfen sich Linke gegenseitig.
       
 (DIR) Die Nachricht des Tages: Hitler lebt noch!
       
       In Deutschland darf man keine Witze über Hitler machen. Das wollte mein
       Sohn auch gar nicht, als er diese ungeheuerliche Nachricht vom Stapel ließ.
       
 (DIR) Mein Sohn und sein neuer Job: Das Demo-Business
       
       Mein kommunistischer Sohn Mehmet hat ein neues Geschäftsmodell entdeckt: Er
       mischt Nazis auf und verdient gut dabei.