# taz.de -- Strompreis für die Industrie: Zusammen subventionsbereit
       
       > Robert Habeck, verschiedene Gewerkschaften und der BDI machen Druck beim
       > Industriestrompreis. Sie wollen energieintensive Branchen im Land halten.
       
 (IMG) Bild: Habeck und die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi auf der Industriekonferenz in Berlin, 31.10.2023
       
       Berlin taz | Gewerkschaften, der Bundesverband der Deutschen Industrie
       (BDI) und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) haben ihre
       Forderung nach Einführung eines verbilligten Strompreises für
       energieintensive Unternehmen erneuert. „Wir können uns kein Zögern und
       keinen Zeitverlust mehr leisten“, sagte Habeck am Dienstag auf einer
       Industriekonferenz, die sein Haus in Berlin ausgerichtet hat.
       
       Habeck hat in der vergangenen Woche [1][eine neue Industriestrategie
       vorgelegt]. Darin wird die Lage angesichts des Umbaus zu einer
       klimaneutralen Produktion, aktueller Krisen und nach dem Angriff Russlands
       auf die Ukraine analysiert. „Ja, die Herausforderungen sind groß, aber wir
       werden nicht als Verlierer vom Platz gehen“, sagte er. Der
       Wirtschaftsminister setzt auf eine aktive Industriepolitik und massive
       staatliche Unterstützung. Dazu gehört der massive Ausbau der erneuerbaren
       Energien. Außerdem sollen Unternehmen rund 50 Milliarden Euro an Förderung
       in den kommenden vier Jahren bekommen.
       
       Zentraler Punkt der Industriestrategie ist ein [2][Industrie- oder
       Brückenstrompreis]. Dazu hatte Habeck schon im Frühjahr ein Konzept
       vorgelegt. Weil viele Betriebe unter den hohen Energiepreisen leiden,
       sollen es beim Strom Vergünstigungen geben – zumindest für energieintensive
       Branchen. Das soll allerdings nur bis 2030 gelten. Dann sollen die
       erneuerbaren Energien so weit ausgebaut sein, dass die Preise von allein
       niedrig sind. Daher auch der Name „Brückenstrompreis“. Bislang sind
       Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die FDP dagegen.
       
       Beim BDI und bei Gewerkschaften trifft Habeck aber auf Zustimmung. „Es
       braucht jetzt konkrete Entscheidungen“, sagte der BDI-Präsident Siegfried
       Russwurm. Das sieht auch die IG Metall so. „Die Bundesregierung führt seit
       Monaten eine Debatte darüber, ohne dass ein Ergebnis in Sicht wäre“, sagte
       Gewerkschaftsvorstand Jürgen Kerner. Aluhütten stellten die Produktion ein,
       Insolvenzverwalter berichteten von zunehmenden Pleiten. „Wenn wir nicht
       schnell handeln, ist dieser Prozess nicht aufzuhalten“, sagte er. Für den
       24. November rufen die IG Metall und die IG Bergbau, Chemie, Energie zu
       einem Aktionstag für den Industriestrompreis auf.
       
       ## Großes Subventionspaket in den USA
       
       Auch die SPD-Bundestagsfraktion und die Ministerpräsidenten der Länder sind
       für einen Industriestrompreis. Sie eint die Furcht davor, dass
       energieintensive Branchen abwandern. Hinzu kommt die Furcht, dass
       europäische Unternehmen im Wettbewerb zwischen China und den USA zerrieben
       werden. China fördert seine Industrie im Allgemeinen sehr stark. Die USA
       haben ein [3][großes Subventionsprogramm namens IRA (Inflation Reduction
       Act) in Höhe von 430 Milliarden Dollar] zur Förderung unter anderem
       erneuerbarer Energie aufgelegt.
       
       Auf der Konferenz bemühte sich der Vize-Finanzminister der USA, Wally
       Adeyeme, Bedenken zu zerstreuen, dass sich der IRA gegen die europäische
       Wirtschaft richtet. Das Programm sei kein Wendepunkt zum Protektionismus,
       betonte er. Die Subventionen im Zuge des IRA erfolgen über
       Steuergutschriften, um schnell Anreize für Investitionen in klimaneutrale
       Energien zu schaffen. Bislang seien bereits 200 Milliarden Euro investiert,
       berichtete er. Das Geld sei in mehr als 110 Projekte geflossen, etliche in
       Regionen mit wenig Industrie. Mithilfe der Investitionen würden die Kosten
       für klimafreundliche Technologien um 25 Prozent gesenkt, sagte er. Davon
       würden nicht nur die USA profitieren.
       
       Nach Auffassung der DGB-Vorsitzenden Yasmin Fahimi muss es in Deutschland
       darum gehen, den gesamten Industrieverbund zu erhalten. „Wenn wir
       Ankertechnologien verlieren, bricht mehr weg als Arbeitsplätze“, sagte sie.
       Dabei dürfte die Wirtschaft nicht aus der Pflicht gelassen werden.
       Allgemeine Subventionen hält sie für falsch. Stattdessen müsse es gezielte
       Vereinbarungen geben, durch die gute Arbeitsplätze entstehen. „Das macht
       der IRA auch“, sagte sie.
       
       31 Oct 2023
       
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 (DIR) Anja Krüger
       
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