# taz.de -- Kampf der spanischen Spielerinnen: Es ist ein Fall Fußball
       
       > Bei den Übergriffen von Fußballpräsident Rubiales geht es nicht um diesen
       > einen Mann. Es geht darum, dass der Fußball nicht solchen Typen gehören
       > darf.
       
 (IMG) Bild: Spanische Demonstrantinnen in Las Rozas
       
       Auf den ersten Blick ist es nur ein [1][Fall Rubiales]. Der spanische
       Fußballpräsident war übergriffig, hat sich dumm und dreist versucht zu
       verteidigen, und die Aussichten, dass wir diese Type nie mehr in gehobener
       Position erleben werden, [2][sind groß]. So weit ist das ein großer Erfolg
       der spanischen Spielerinnen.
       
       Doch der zweite Blick zeigt, dass es nicht so sehr um die Person Luis
       Rubiales geht. Aber lassen wir es doch Karl-Heinz Rummenigge selber sagen:
       „Wenn man Weltmeister wird, ist man emotional. Und was er da gemacht hat,
       ist – sorry, mit Verlaub – absolut okay“ – so der Mann, der auf allen
       möglichen Bühnen des europäischen Fußballs agiert.
       
       Es geht um die tiefe Überzeugung solcher Leute, sie seien es, die so etwas
       wie WM-Erfolge erst möglich machten. Luis Rubiales hat vor der WM einen
       Spielerinnenstreik ausgesessen. Er sieht sich als harten Mann, der einen
       Mann als Cheftrainer verteidigt hat, gegen den die Frauen opponiert haben.
       Und der dann noch den WM-Titel geholt hat. So einer glaubt dann auch, sich
       jede Spielerin greifen zu dürfen.
       
       Die Person Rubiales mag ein erledigter Fall sein, aber es gibt ja noch den
       Weltverband Fifa. Und Spielerinnen und Spieler als Eigentum des Verbands zu
       verstehen, gehört ganz zentral auch zum Selbstverständnis der
       Fifa-Funktionäre. Doch die stellen sich nun – beinah möchte man sagen:
       leider – nicht ganz so dumm an wie Rubiales. Hinterherdackelnd versucht der
       Weltverband, sich an die Spitze der Kritikbewegung zu stellen, und hat nun
       den Spanier für 90 Tage gesperrt.
       
       Die Fifa hat nämlich begriffen, dass sie zur Verteidigung ihrer eigenen
       Macht gegen die aufbegehrenden Spielerinnen, die von der spanischen
       Zivilgesellschaft unterstützt werden, ein Bauernopfer erbringen muss. Wenn
       die Fifa auf diese billige Weise ihre Macht verteidigen könnte, wäre der
       große Erfolg, vor dem die kämpfenden Fußballerinnen gerade stehen,
       gefährdet.
       
       Der zweite und dritte Blick lehrt: Es geht nicht um diesen einen spanischen
       Mann. Es geht darum, dass der Fußball nicht solchen Typen gehören darf.
       
       27 Aug 2023
       
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