# taz.de -- Lithium-Abbau in Kongo: Kampf um das weiße Gold
       
       > In der Demokratischen Republik Kongo liegen große Mengen unerschlossenes
       > Lithium. Westliche Firmen wollen sie heben. Das Risiko trägt die
       > Bevölkerung.
       
       Manono taz | Es ist neun Uhr abends in Manono. In der Dunkelheit rennen
       Schulkinder nach Hause, vorbei an Hütten mit Dächern aus Bananenblättern
       und der kleinen Kathedrale aus roten Ziegelsteinen. Die Schatten tanzen
       zwischen Palmen und Mangobäumen in den grellen Lichtern der Motorräder.
       Beim Frisiersalon in einer Seitenstraße herrscht Hochbetrieb. Die jungen
       Männer sprechen über das Neueste in der Stadt: die Lithium-Mine, die die
       alte [1][Bergbaustadt Manono] im Südosten der Demokratischen Republik Kongo
       zu neuer Blüte führen soll.
       
       Unter Investoren, Geologen und Bergbauunternehmern hat Manono einen
       legendären Ruf: Das „weiße Gold“, wie Lithium hier wegen seiner Farbe und
       seines Wertes genannt wird, findet sich hier in einer der größten noch
       unerschlossenen Erzreserven der Welt. Für kaum ein anderes Metall steigt
       derzeit die globale Nachfrage so stark, Märkte wie China und Deutschland
       suchen nach Lithium für Akkus in Elektroautobatterien.
       
       Im Jahr 2021 wurden weltweit 100.000 Tonnen Lithium gefördert – die
       Nachfrage dürfte bis 2030 zwei bis drei Millionen Tonnen pro Jahr
       erreichen. Lithium soll die globale Energiewende powern. Kongo kann dabei
       [2][eine zentrale Rolle spielen]. Wird die schöne neue Elektrowelt auch
       Manono erreichen, tief in der Savanne Zentralafrikas, fern von jeder
       modernen Infrastruktur?
       
       Carlos, der gerade im Frisierstuhl sitzt, ist aus Kongos Hauptstadt
       Kinshasa 1.400 Kilometer nach Manono gezogen, um Arbeit zu finden. „Ihr
       wollt uns filmen?“, fragt er. „Okay. Aber der Präsident muss das Video zu
       sehen bekommen. In dieser Stadt gibt es nichts zu essen, nicht mal Gemüse
       für unsere Familien.“
       
       ## Nur die Schürfer sind geblieben
       
       Manono ist eine alte Bergbaustadt aus der belgischen Kolonialzeit, mit
       [3][Zinnbergbau] ab 1919. Nach der Unabhängigkeit 1960 wurde kaum noch
       investiert. Der industrielle Abbau des Zinnerzes Kassiterit kam 1982 zum
       Erliegen, in den Kongokriegen von 1996 bis 2003 wurde Manono größtenteils
       zerstört. Ein Mechaniker beschreibt, wie die Stadt damals bombardiert,
       ausgeplündert und angezündet wurde und die Bewohner flohen. Nur Schürfer
       blieben, die in den verlassenen Minen um die Stadt nach Zinn und Tantal
       gruben.
       
       Das alte Zentralkrankenhaus von Manono war vor seiner Schließung in diesem
       Jahr in einem dramatisch schlechten Zustand. Sieben Labortechniker teilten
       sich ein Mikroskop. Patienten lagen auf dem Betonboden des Innenhofs, neben
       ihnen ihre Familien, die ihnen in der schweren Tropenluft Frischluft
       zufächelten. Malaria ist die Todesursache Nummer eins, erzählte der
       Chefarzt. Die Stationen waren voller unterernährter Kinder.
       
       Die gesamte Stadt Manono mit einigen zehntausend Einwohnern hat weniger als
       drei Kilometer Straße. Nur Schlammwege verbinden die Stadt mit dem Rest der
       Welt, sie sind nur für Motorräder passierbar. Lastwagen mit Waren wie
       Medikamente brauchen für die rund 430 Kilometer aus der fernen
       Provinzhauptstadt Kalemie am Tanganyika-See mit ihrem Hafen bis nach Manono
       über zwei Wochen. Bis die Waren ankommen, kosten sie das Doppelte.
       
       Sechs Uhr abends, die Motorradtaxifahrer an der Kreuzung nahe dem
       Krankenhaus räkeln sich auf ihren Satteln. Sie warten auf Kundschaft: die
       Bauarbeiter der Bergbaufirma AVZ Minerals Limited. Das australische
       Unternehmen will das Lithium von Manono fördern. Lokale Arbeiter bauen das
       „Camp Colline“, wo die AVZ-Zentrale entsteht. Jeden Abend werden sie in
       ihren blauen Uniformen, weißen Gummistiefeln und Schutzhelmen an der
       Kreuzung abgesetzt, um ein Motorrad nach Hause zu nehmen.
       
       „Manono ist ein geologischer Skandal“, sagt Abbé Moise Kiluba, ein
       katholischer Priester in Manono und Koordinator der zivilgesellschaftlichen
       Gruppe „Forces Vives“. Er kommt aus der Stadt und kämpft für bessere
       Arbeits- und Lebensbedingungen für die Menschen. „So viele Mineralien sind
       seit der Kolonialzeit noch nicht abgebaut worden“, erklärt er. „Nicht nur
       Kassiterit. Es gibt Lithium, Galena, Kupfer, Coltan, grünen Turmalin, roten
       Granat, Smaragde, Mangan.“ Aber „die Bevölkerung ist ausgegrenzt, es
       herrscht eine Politik der Gier“.
       
       Das „[4][Manono Project]“ zielt auf eines der größten
       Hartgestein-Lithiumvorkommen der Welt. Das geplante Fördergebiet „Manono
       Project“ umfasst 188 Quadratkilometer im Lizenzgebiet PR13359, an dem AVZ
       2017 eine 60-Prozent-Beteiligung erwarb. Die Stadt Manono liegt mitten in
       diesem Gebiet. Rund um PR13359 gibt es weitere 242,25 Quadratkilometer
       Explorationsgebiet in den zwei Lizenzgebieten PR4029 und PR4030, das
       sogenannte [5][Manono Extension Project], das AVZ kurz vorher zu 100
       Prozent erwarb.
       
       AVZ schätzt die Ressource von PR13359 auf 400 Millionen Tonnen Erde mit
       einem Lithiumoxidgehalt von 1,65 Prozent und will davon innerhalb von 29,5
       Jahren ein Drittel abbauen. Dafür müsste Kongos Staat die
       Explorationslizenzen (PR – Permis de Recherche), die lediglich die Suche
       nach Rohstoffen erlauben, in Bergbaulizenzen (PE – Permis d’Exploitation)
       umwandeln, die den Abbau und Verkauf der Rohstoffe erlauben. Hier wird es
       kompliziert.
       
       Seit 2010 haben die lithiumreichen [6][Bergbaugebiete um Manono] immer
       wieder den Lizenzbesitzer gewechselt. Wie ein chaotisches Speed-Dating,
       abwechselnd mit bitteren Trennungsstreitigkeiten, haben auswärtige Akteure
       mit Geld und Connections um diese Minen spekuliert, Deals gemacht, sich
       zerstritten, ihre Geschäftspartner gewechselt, ihre ehemaligen Partner
       verklagt und dabei viel Geld hin- und hergeschoben.
       
       Derweil kann die Stadt Manono nicht mal ihre staatlichen Schulen
       offenhalten und die Bevölkerung erfährt kaum, was geschieht. Manche
       Geschäftsleute scheinen sich die Lizenzen sogar selbst verkauft zu haben,
       indem sie nach dem Deal vom Verkäufer zum Käufer wechselten.
       
       ## Der Unternehmer: ein Deutscher
       
       Im Jahr 2012 kaufte die Bergbaufirma Alphamin Resources PR4029 und PR4030
       für zwei Millionen US-Dollar sowie Aktien von einem Unternehmen namens
       Gorrion Properties Limited. Alphamin, bekannt aus dem Zinnabbau im
       Ostkongo, bekam 2013 einen deutschen Präsidenten und Geschäftsführer,
       [7][Klaus Eckhof]. Kurz nachdem er 2014 das Unternehmen wieder verließ,
       schrieb Alphamin die beiden Lizenzen als „wertlos“ ab.
       
       Sie tauchten im Jahr 2016 wieder auf, als das in Dubai registrierte
       Unternehmen Medidoc FZE, das nach eigenen Angaben in Alphamin investiert
       hatte, sie an AVZ verkaufte. Nach Angaben des Firmenregisters der
       Wirtschaftszone Ras Al Khaimah in Dubai ist das Geschäftsfeld von Medidoc
       „Handel mit medizinischen und chirurgischen Artikeln“.
       
       Es ist auf Anhieb schwer zu verstehen, wie eine solche Firma die Rechte an
       zwei der wichtigsten Lithium-Lagerstätten der Welt erwerben und
       weiterverkaufen konnte. Doch Medidocs Manager war damals der Pole Andreas
       Friedrich Reitmeier, ein langjähriger Geschäftspartner von Klaus Eckhof.
       Als 2016 AVZ die beiden Lizenzen von Medidoc kaufte, war Klaus Eckhof der
       Chief Executive von AVZ. Im Juni 2018 verließ Klaus Eckhof AVZ.
       
       Im Juni 2019 ging er zur in Frankfurt registrierten Bergbaugesellschaft AJN
       Resources, sein ehemaliger Alphamin-Kollege Mark Gasson wurde dort Chief
       Financial Officer. AJN Resources, vertreten durch Eckhof, unterzeichnete
       einen Vertrag mit dem kongolesischen Staat, vertreten durch die Ministerien
       für Bergbau und Staatsbesitz, unter anderem über nicht näher benannte
       Bergbaukonzessionen in Manono.
       
       Von Januar 2022 bis Juni 2023 war Klaus Eckhof bei der rivalisierenden
       Firma Tantalex Lithium Resources aus Kanada. Diese hält die Rechte an elf
       Abraumhalden – Erdmassen, die bei Bergbauaktivitäten nach der Extraktion
       von Rohstoffen übrigbleiben – die sich teilweise auf dem Lizenzgebiet
       PR13359 befinden, direkt über den von AVZ nachgewiesenen Lithium-Vorkommen.
       
       Die Abraumhalden aus dem früheren Zinnabbau von Manono enthalten ebenfalls
       viel Lithium, das früher niemanden interessierte. Tantalex schätzt die
       Menge lithiumhaltiger Erde in seinen Halden auf 105 Millionen Tonnen. Die
       kanadische Firma hält seit November 2021 über ein Joint Venture mit einer
       kongolesischen Staatsfirma zwei weitere Explorationskonzessionen direkt
       neben der von AVZ. Im vergangenen Jahr kündigte Tantalex erste Bohrungen
       an: „Das wird groß!“, schrieb die Firma in ihrem Newsletter.
       
       Auf Anfrage nennt Eckhof die vielen Transfers von Bergbaurechten samt der
       dazugehörigen Pflichten einen „normalen Vorgang im Explorationsgeschäft“.
       Eckhof erklärt die Problematik von Bergbauinvestitionen in einem Land wie
       Kongo, wo keine Infrastruktur bereitsteht und nur wenige Akteure sich
       engagieren: „Aufgrund schwankender Rohstoffpreise werden Projekte im Laufe
       der Zeit wertlos und Risikokapital ist nicht verfügbar. Deswegen veräußern
       und erwerben Unternehmen Projekte ständig.“
       
       Auch Andreas Friedrich Reitmeier, der frühere Geschäftspartner von Eckhof,
       erläutert auf Anfrage, das Problem sei, dass in der DR Kongo, einem
       „Hochrisikoland“, nur wenige Geldgeber zu den notwendigen Großinvestitionen
       bereitstünden. „Für jedes Projekt sind Milliarden an Infrastruktur zu
       stemmen.“
       
       Aber normalerweise müsste jeweils klar sein, wer der momentane Besitzer
       ist. In der DR Kongo ist derzeit aber völlig unklar, wer genau welche
       Rechte an welchen Lithiumvorkommen von Manono hält. Der staatliche
       kongolesische Partner Cominière beansprucht mittlerweile die wichtigste
       Lizenz PR13359 zu 100 Prozent, und so ist es aktuell auch im staatlichen
       Bergbaukataster eingetragen. Aber AVZ beansprucht weiterhin einen
       75-Prozent-Anteil an dem Joint-Venture Dathcom, das es einst mit Cominière
       und einem chinesisch geführten Unternehmen gegründet hatte.
       
       ## Der Abbau ist vorerst blockiert
       
       Ob dieses Joint-Venture überhaupt noch in der ursprünglichen Form
       existiert, ist unklar. Cominière bezeichnet AVZ als „ehemaligen“ Partner.
       Auch AJN meldet nach wie vor Interesse an Manono an, Tantalex sowieso. Es
       gibt Berichte über Ministerialdekrete, die später wieder annulliert worden
       seien, ein internationales Schiedsverfahren läuft, der Ausgang ist offen.
       Damit ist der Lithiumabbau vorerst blockiert, ebenso viele Vorarbeiten und
       Prüfungen. Und von dem Geld, das die Unternehmen dafür bereits ausgeben
       mussten, landet so gut wie nichts bei den Menschen vor Ort.
       
       In der riesigen Zinnerzgrube Roche Dure haben bereits Testbohrungen
       stattgefunden. Pumpen und Generatoren von AVZ pumpen Wasser ab. Die
       zukünftige AVZ-Zentrale „Camp Colline“ hat einen modernen Sitzungsraum,
       eine Kantine mit Trinkwasser, es entstehen Häuser für die zukünftige
       Belegschaft. Die Erwartungen der Kongolesen sind groß. Ob Arbeiter,
       Staatsbeamten, Lehrer oder Aktivisten: die Rede ist von Tausenden neuen
       Arbeitsplätzen, einem neuen Krankenhaus, neuen Straßen, sogar bis in die
       ferne Millionenstadt Lubumbashi.
       
       Die staatliche kongolesische Cominière insistiert, eine Batteriefabrik in
       der DR Kongo sei sinnvoll. Schon werden in Manono entsprechende T-Shirts
       getragen. Die Älteren denken nostalgisch an die „guten Zeiten“ zurück, die
       belgische Kolonialzeit, als es Arbeit und medizinische Versorgung gegeben
       habe.
       
       Was die Menschen vor Ort erwarten, hat wenig damit zu tun, was die
       Bergbaufirmen tatsächlich planen. Batterien werden nicht dort hergestellt,
       wo die Erze gefördert werden, sondern dort, wo die Autos zusammengebaut
       werden, also in China, Japan oder Südkorea. Die Anzahl der Arbeitsplätze
       vor Ort in den Minen dürfte dreistellig sein.
       
       AVZ-Direktor Nigel Ferguson, der australische Nachfolger von Klaus Eckhof,
       spricht von 300 Bauarbeiterjobs, 150 Dauerarbeitsplätzen in der Mine und
       200 bis 300 befristeten Arbeitsplätzen für Dinge wie Straßenunterhalt.
       
       Doch bis es so weit ist, warten große Herausforderungen. Kongos
       Lithiumvorkommen befinden sich in Hartgestein, sogenanntem Pegmatit. Das
       Gestein wird zerkleinert, die Bestandteile mit einem möglichst hohen Gehalt
       des Lithiumminerals Spodumen werden bei über 1.000 Grad geröstet – ein sehr
       energieintensiver Prozess – und danach mit Schwefelsäure transformiert. Am
       Ende gewinnt man Lithiumsulfat mit einem Lithiumgehalt von 80 Prozent – das
       kann exportiert werden, für die Weiterverarbeitung. Es bleiben auch
       zahlreiche andere Rohstoffe und Rückstände.
       
       AVZ würde jährlich für seine geplante Lithiumsulfatraffinerie in Manono
       41.175 Tonnen Schwefelsäure brauchen. Schwefelsäurentransporte für den
       Bergbau haben in der DR Kongo schon mehrfach verheerende Unfälle
       angerichtet; so starben im Jahr 2019 18 Menschen, als ein
       Schwefelsäuren-Lkw für die Kobaltmine Mutanda auf der Straße umkippte. Der
       Transport von Schwefelsäure über lange Strecken sei „teuer und gefährlich“,
       gibt AVZ in seiner Machbarkeitsstudie für Manono zu.
       
       „Wir kennen die Folgen dieser Ausbeutung nicht“, sagt Esther, Mutter von
       sechs Kindern und lokale Radiomoderatorin. „Vielleicht verseucht sie das
       Wasser. Sie könnte Menschen töten. Sie wird unsere Umwelt zerstören. Wir
       werden darunter leiden.“
       
       Der Abbau des Zinnerzes Kassiterit und des Tantalerzes Coltan in Manono
       findet auf kleinerem Niveau statt: nicht industriell mit großen
       Fördermaschinen, sondern händisch mit Spitzhacken und Schaufeln. Aber auch
       er hat die Seen und Flüsse der Gegend verseucht. Ärzte sprechen von vielen
       Krankheiten durch verschmutztes Wasser.
       
       ## Die Wasserversorgung ist bedroht
       
       Auf Nachfrage weiß in Manono niemand, was Lithium für die Wasserversorgung
       in Manono bedeuten könnte. Lazare Mwilambwe, ein Menschenrechtsaktivist in
       der Stadt Kalemie, macht sich Sorgen: „Kongos Arbeitsgesetz verpflichtet
       Bergbauförderer, nicht nur das Wohlergehen ihrer Belegschaft zu wahren,
       sondern auch die Bedürfnisse der Gemeinschaft in einem
       Konsultationsdokument festzuhalten“, erklärt er. So müssten Bohrlöcher
       abgedichtet sein, damit sie nicht das Grundwasser vergiften.
       
       Aber Satellitenbilder erster AVZ-Bohrungen aus dem Jahr 2021 zeigen
       scheinbar offene Bohrlöcher. „Das ist ein Sicherheitsrisiko“, sagt Steven
       Emerman, Spezialist für Umweltverträglichkeit von Bergbau bei Malach
       Consulting. Kontaminiertes Oberflächenwasser könne über Bohrlöcher das
       Grundwasser erreichen. „Bohrlöcher nicht wieder abzudichten zeugt von einem
       sehr hohen Ausmaß von Verantwortungslosigkeit. Es ist sehr schwer
       vorstellbar, dass auf so verantwortungslose Exploration eine
       verantwortungsbewusste Förderung folgen kann.“
       
       Manche Wohnhäuser befinden sich bloß 800 Meter vom bestehenden ehemaligen
       Tagebau Roche Dure entfernt, das ehemalige Krankenhaus und die Kathedrale
       der Stadt nur drei Kilometer. Es ist auch nicht klar, wie AVZ mit den
       Abfallprodukten des Bergbaus und des Schwefelsäureverbrauchs umzugehen
       gedenkt. Eine geplante Müllhalde von 1,8 Kilometer Länge überlappt sich mit
       Wohngebieten und scheint das Gebiet zu bedecken, wo sich nach Angaben von
       Bewohnern die einzige Trinkwasserquelle von Manono befindet.
       
       Der geplante Abraumhalden-Damm liegt nur vier Kilometer von der Stadt, es
       gibt in der Machbarkeitsstudie keinen Plan für seine Überwachung und
       Unterhaltung und keine Simulation der Auswirkungen eines Dammbruchs. Solche
       Ereignisse können dramatische Folgen haben, wie beim Bruch des Damms der
       Eisenerzmine Brumadinho in Brasilien 2019, der über 270 Tote forderte.
       
       AVZ sagt, seine Rückstände würden säurefrei sein, und die Schwefelsäure,
       die das Lithium aus den Felsen löst, werde beim Abfluss durch die
       Kalkfelsen neutralisiert. Doch Testergebnisse werden nicht vorgelegt, und
       ob die Felsen dann säurehaltig sind, wird nicht analysiert. Experte Emerman
       fällt über die Machbarkeitsstudie ein vernichtendes Urteil: „Sie liest sich
       wie etwas, was jemand in großer Eile geschrieben hat, ohne Sachkenntnis,
       wie der faulste Student, der am letzten Abend vor der Abgabe damit anfängt.
       Ist das wirklich alles, was Kongos Gesetze einfordern, oder Australiens
       Börsenrichtlinien?“
       
       Eine öffentliche Fassung der Machbarkeitsstudie liegt nicht vor, sie soll
       aber laut AVZ von Kongos Bergbauministerium gebilligt worden sein. Ohne die
       Studien kann die lokale Gemeinschaft die Risiken und möglichen Auswirkungen
       des Bergbauprojekts nicht kennen, auch nicht die Aktivitäten der Firma
       bewerten.
       
       Bei Tantalex, dem Konkurrenten, sieht es nicht besser aus. Die gesetzlich
       vorgeschriebenen Machbarkeits-, Umwelt- und Sozialverträglichkeitsstudien
       für seine Explorationsgebiete liegen noch nicht vor. Niemand in Manono hat
       die gesetzlich ebenfalls erforderliche Vereinbarung mit der lokalen
       Gemeinschaft gesehen, das sogenannte Cahier de charges.
       
       ## Das versprochene Krankenhaus ist ein kleines Zimmer
       
       Das Unternehmen hat eine Stiftung in Manono versprochen und sagt, es
       finanziere in der Stadt ein Krankenhaus. Der Chefarzt dieses Krankenhauses
       erklärt sich zur Führung bereit. Sie geht durch den Hauptflur, wo über
       Betten mit Patienten drin die Decke gerade herunterfällt, in einen von
       Tantalex gespendeten Bereich: ein kleines, feuchtes Zimmer ohne Tür mit
       zwei Betten ohne Moskitonetze, einem Plastiktisch und einem leeren Regal.
       
       Seit diesem Besuch wurden die Patienten in ein neues staatliches
       Krankenhaus in der Nähe der AVZ-Zentrale verlegt, wo Tantalex nach Angaben
       von Ärzten einige Medikamente bezahlt. Man habe ein Chirurgenteam nach
       Manono geschickt, erklärt Eric Allard von Tantalex auf Anfrage: „Wir sorgen
       uns um die Wohlfahrt der Gemeinschaften in Manono und die positive
       Auswirkung, die unsere Projekte in dem Gebiet auf die Bevölkerung haben
       können.“
       
       AVZ und Dathcom sagen, dass sie viel Gemeinschaftsarbeit mit der lokalen
       Bevölkerung machen. Es gibt Videos von Versammlungen. Aber die
       Presseerklärungen, Studien und Firmenberichte gibt es nur auf Englisch –
       nicht einmal auf Französisch, geschweige denn in den lokalen Sprachen
       Swahili oder Kiluba.
       
       Während die Bergbaurechte zwischen Firmen hin- und hergeschoben werden und
       die kongolesischen Behörden der Bevölkerung Informationen vorenthalten,
       bleibt die Bevölkerung von Manono auf sich gestellt. Die lokalen Schürfer,
       die mit der Hacke Kassiterit und Coltan aus dem Boden holen, fürchten um
       ihre Zukunft, wenn die industrielle Förderung beginnt – ihre handgegrabenen
       Minen befinden sich zum Großteil auf den Konzessionsgebieten der
       Lithiumförderer.
       
       „Das Lithium liegt in unserer Erde“, sagt Radiojournalistin Esther. „Die
       jungen Menschen in Manono haben jedes Recht, sich zu beschweren. Mehrere
       Firmen bereichern sich an unserer Erde, aber wir stecken im Elend. Die
       Ausländer graben nicht selber, aber sie profitieren am meisten. Sie kommen
       und lassen uns wie Sklaven schuften.“
       
       Übersetzung und Mitarbeit: Dominic Johnson 
       
       Der Text entstand im Rechercheprojekt „The Lithium Diaries“ des
       Recherchekollektivs The Rock Pool, das Investigativjournalisten, Experten,
       Künstler und zivilgesellschaftliche Akteure aus Europa und Afrika
       zusammenführt. Sophia Pickles ist Koordinatorin der überparteilichen
       Arbeitsgruppe zum Afrika der Großen Seen im britischen Parlament und war
       Mitglied der UN-Expertengruppe zur Überwachung der Sanktionen gegen
       bewaffnete Gruppen in der DR Kongo. Die Recherche wurde gefördert von
       Journalism Fund Europe, Netzwerk Recherche und der gemeinnützigen
       Umwelt-Förderorganisation Olin gGmbH.
       
       15 Aug 2023
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Krieg-im-Kongo/!5441270
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 (DIR) [3] /Unmenschliche-Rohstoffgewinnung-im-Kongo/!5179476
 (DIR) [4] https://avzminerals.com.au/manono-mine
 (DIR) [5] https://avzminerals.com.au/manono-extension
 (DIR) [6] https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Demokratische%20Republik%20Kongo/Tanganyika,%20Provinz/Manono
 (DIR) [7] /Umstrittene-Geschaefte-in-Zentralafrika/!5693175
       
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       Im Großteil der Demokratischen Republik Kongo (DRK) geht der Wahlkampf in
       die heiße Phase. Währenddessen wird im Osten wieder scharf geschossen.
       
 (DIR) Uranabbau in Niger: Da strahlt das Land
       
       Niger ist der wichtigste Uranlieferant der EU. Der Abbau ist in
       französischer Hand und wird weiter ausgebaut: Dieses Jahr gab es einen
       neuen Vertrag.
       
 (DIR) Umstrittene Geschäfte in Zentralafrika: Deutscher Griff auf Kongos Gold
       
       Eine deutsche Bergbaufirma soll Kongos Staatsanteile an einigen der
       wichtigsten Goldminen übernehmen. Kritiker sprechen von einem „Ausverkauf“.
       
 (DIR) Krieg im Kongo: Vertrieben und schutzlos
       
       Am Rand des Tanganyikasees leben hunderttausende Flüchtlinge im Elend. Es
       ist ein humanitäres Drama und nur ein Teil einer verdrängten Katastrophe.
       
 (DIR) Unmenschliche Rohstoffgewinnung im Kongo: Die Zinnsoldaten von Bisie
       
       In der größten Zinnmine Afrikas schuften die lokalen Bergleute unter
       unzumutbaren Bedingungen - und unter der Knute der kongolesischen Armee.