# taz.de -- Fotojournalismus im Krieg: Die Kamera als Schutzschild
       
       > Anja Niedringhaus starb 2014 in Afghanistan. Zuvor ließ sich die
       > Fotojournalistin bei der Arbeit für eine Doku filmen. Die ist trist, aber
       > bewegt.
       
 (IMG) Bild: Anja Niedringhaus fotografiert im Irak
       
       Berlin taz | Ein lauter Knall. Der braune Staub umhüllt das Bild wie eine
       Wolke. Soldaten finden am Bein eine lange Wunde, im selben Moment klingelt
       das Handy von Anja Niedringhaus. „Ich bin okay, ich schicke die Bilder
       gleich rüber.“ Niedringhaus klammert sich an ihre Kamera, als sei es ihr
       Kind.
       
       In dem Dokudrama „Die Bilderkriegerin – Anja Niedringhaus“ präsentiert das
       ZDF aktuell das Leben der 2014 in Afghanistan getöteten [1][renommierten
       Fotojournalistin.]
       
       „Krieg ist für Männer.“ Mit diesen Worten wird Fotografin Niedringhaus
       zunächst nicht nach Jugoslawien geschickt. Mit der Entschlossenheit, dass
       ihre Bilder den Krieg beenden können, setzt sich Niedringhaus durch. Krieg
       wird für sie zur Normalität. Ihr wird klar, dass es für sie kein Zurück
       mehr in das bürgerliche Leben gibt.
       
       Man sieht Niedringhaus im Irak mit amerikanischen Soldaten sprechen, die
       ihr feindselig gegenüberstehen, weil sie in ihr nur eine Journalistin
       sehen, die da ist, um sie wie Monster darzustellen. Und obwohl die
       Fotografin die US-Operation im Irak kritisch sieht, erkennt sie, dass sie
       etwas mit den Soldaten verbindet: Wie sie selbst auch, treibt die noch sehr
       jungen Soldaten Perspektivlosigkeit in den Krieg.
       
       ## Uninspiriert aber wichtig
       
       Leider ist die Ästhetik des Films sehr karg und langweilig. Die Kulissen
       bestehen hauptsächlich aus eintönigen, leeren Räumen, kombiniert mit
       konstruierten, befremdlichen Dialogen. Meist sieht man, wie Niedringhaus
       mit jemandem in einem beliebigen Raum über das Fotografieren redet und dann
       in der nächsten Szene fotografiert.
       
       Dennoch trifft das Dokudrama den Zeitgeist: Es zeigt, welche Verantwortung
       Fotograf:innen in einer immer visueller wahrgenommenen Welt haben. Wer
       interessiert sich für das Leid in der Ukraine, [2][auf dem Mittelmeer], in
       Erdbebenregionen, wenn wir es nicht sehen?
       
       28 Jul 2023
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ogulcan Korkmaz
       
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