# taz.de -- Digitalisierung des Gesundheitswesens: Protest gegen digitale Akte
       
       > Ab dem kommenden Jahr soll die elektronische Patientenakte in Deutschland
       > für alle Standard werden. Aus der Ärzteschaft gibt es Widerstand.
       
 (IMG) Bild: Analoge Patientenakten
       
       Berlin taz | Mit einer beim Bundestag eingereichten [1][Petition] formiert
       sich Widerstand aus der Ärzteschaft gegen eine [2][elektronische
       Patientenakte (ePA) für alle]. Die Forderung: Die digitale Akte solle nicht
       zum Standard werden, sondern nur für Patient:innen angelegt werden, die
       das ausdrücklich wünschen – so, wie es auch aktuell Praxis ist.
       
       „In einer Patientenakte sind sehr intime Daten drin, wenn man die wirklich
       zentral hinterlegt haben will, sollte man sich bewusst dafür entscheiden
       müssen“, sagt Simone Connearn, Allgemeinmedizinerin und Initiatorin der
       Petition.
       
       Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) [3][hatte im März
       angekündigt], dass ab dem kommenden Jahr alle Versicherten eine
       elektronische Patientenakte bekommen, so sie nicht ausdrücklich
       widersprechen. Ärzt:innen sollen diese mit Daten und Dokumenten befüllen
       und die von anderen Mediziner:innen eingestellten Inhalte sehen
       können. Die Daten sollen auch für Forschungszwecke zugänglich sein.
       Lauterbach will mit den Plänen die Zahl der genutzten elektronischen
       Patientenakten deutlich steigern. Derzeit haben nicht einmal ein Prozent
       aller gesetzlich Versicherten eine ePA.
       
       Connearn kritisiert: Bleibe es bei der Widerspruchslösung, bekämen
       reihenweise Patient:innen eine digitale Akte, die deren Tragweite
       überhaupt nicht überblicken könnten. Sie befürchtet eine Erpressbarkeit
       derer, die ihre Daten in der ePA verwalten lassen – beispielsweise durch
       Angriffe von außen, aber auch durch mögliche Ausweitungen der legalen
       Zugriffe. „Durch die Pflicht für uns Ärzte, die elektronische Patientenakte
       zu befüllen, wird die Schweigepflicht abgeschafft“, sagt Connearn.
       
       Bislang haben mehrere hundert Menschen die Petition unterzeichnet. Werden
       es bis zum Ende der vierwöchigen Frist am 24. Juli mindestens 50.000
       Unterstützer:innen, wird Connearn in einer öffentlichen Sitzung des
       Petitionsausschusses angehört.
       
       28 Jun 2023
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2023/_05/_05/Petition_150309.nc.html
 (DIR) [2] /Elektronische-Patientenakte/!5918459
 (DIR) [3] /Digitale-Gesundheitsakte/!5917539
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Svenja Bergt
       
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