# taz.de -- Rave the Planet in Berlin: Crazy und heiß wie eh und jeh
       
       > Hunderttausende hopsen auf dem Loveparade-Nachfolger „Rave The Planet“
       > mit. „Nur“ 150 Sanitätsfälle. Die zuvor skeptische Polizei ist zufrieden.
       
 (IMG) Bild: Fast wie bei der Loveparade: Rave als Demo für den Erhalt der elektronischen Tanzmusikkultur 2023
       
       Berlin taz | Die Sache stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Noch
       bis Samstagmittag – wenige Stunden vor dem Event – war unklar, ob die
       Techno-Parade Rave The Planet überhaupt starten kann. Potenzielle
       Besucher*innen zeigten sich auf Instagram verunsichert, ob sie kommen
       sollen. Am Ende gelang es den Veranstaltern doch, kurzfristig einen
       Sanitätsdienst zu organisieren u[1][nd die polizeilichen Auflagen zu
       erfüllen], so dass die Wagen am Samstagnachmittag losrollen konnten.
       
       Zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule schieben sich also die Feiernden
       hinter den LKW her und stampften zu wummernden Bässen. Doch die Botschaft
       dieses Rave the Planet irritiert. Fast auf jedem Wagen wird neben
       kulturpolitischen Forderungen wie „Anerkennung der Technokultur als
       Immaterielles Kulturerbe der UNESCO“ auch „Abrüstung auf allen Ebenen“ oder
       „disarmament between all people“ gefordert. Der Krieg Russlands gegen die
       Ukraine wird zwar nicht explizit genannt, aber die Assoziation liegt nahe.
       Das Motto der Veranstaltung lautet schließlich „music is the answer“. Die
       Antwort auf einen imperialistischen Putin kann Musik allein aber nicht
       sein.
       
       Auch vergangenes Jahr hatte es Kritik am Techno-Umzug und [2][Veranstalter
       Dr. Motte] gegeben. Er hatte damals [3][das Logo der „Freedom Parade“ in
       die Menge gehalten], die durch ihre Nähe zu Querdenker:innen und
       Verschwörungsideolog:innen aufgefallen war. Auf Twitter war Motte für
       dafür heftig kritisiert worden, er entschuldigte sich im Nachgang. Es habe
       sich um eine Verwechslung gehandelt.
       
       Thomas und Jendrik aus Jever im Friesland kümmert all dies nicht. Vater und
       Sohn sind extra aus der Stadt an der Nordsee angereist, um auf der Parade
       dabei zu sein. Schon vor 27 Jahren ist Vater Thomas (45) für die Loveparade
       nach Berlin gereist. Zur Nachfolgerin, dem Rave The Planet, meint er: „Ein
       paar mehr Menschen könnten es noch sein!“ Aber sonst sei alles wie damals.
       Auf seinem schwarzen T-Shirt ist vorne das Logo der Loveparade, hinten
       steht „First Rave 1996“. Sohn Jendrik, 17 Jahre alt, hat das gleiche
       T-Shirt an, nur steht hinten: „First Rave 2023“. Die Mutter habe die
       T-Shirts für sie gemacht, erzählen die beiden.
       
       ## Die üblichen schrägen Vögel
       
       Neben Vater und Sohn aus Jever sind die üblichen schrägen Techno-Vögel zu
       sehen, die sich bei 30 Grad Celsius jeden Schweißtropfen aus dem Körper
       tanzen. Von Pferdekopf- oder Affenkopfmaske, Pömpel auf der Glatze über
       Strohhüte und Hundemasken-Fetish-Wear ist so ziemlich alles dabei.
       Auffallend jedoch: Eigentlich sind es vor allem Männer, die tanzen, ohne
       T-Shirts und dabei ihre Tattoos zeigen. Auch hier ist die volle Bandbreite
       zu sehen – vom Eisernen Kreuz bis zum Peace-Symbol.
       
       Polizei und Veranstalter sind am Ende jedenfalls zufrieden. 300.000
       Menschen sind laut Veranstalter gekommen, die Polizei sprach von 200.000.
       153 Menschen mussten durch den Sanitätsdienst versorgt werden, 51 kamen ins
       Krankenhaus.
       
       9 Jul 2023
       
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 (DIR) Leonel Steinbrich
       
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