# taz.de -- Unruhen in Senegals Hauptstadt Dakar: Oppositionsanhänger randalieren
       
       > Der populistische Oppositionsführer Sonko, wegen Vergewaltigung
       > angeklagt, wird unter Hausarrest gesetzt. Er ruft zu "Widerstand" auf.
       
 (IMG) Bild: Polizeieinsatz gegen Anhänger der Opposition in Dakar, Senegal am 29. Mai
       
       Berlin taz | In Senegal bahnt sich eine gewaltsame Konfrontation zwischen
       der Staatsmacht und der Anhängerschaft des populistischen
       Oppositionsführers Ousmane Sonko an. Sonko, der mit antiwestlicher Rhetorik
       [1][gegen die Regierung von Präsident Macky Sall] die frustrierte Jugend
       des Landes begeistert, rief in der Nacht zu Dienstag „die gesamte
       Bevölkerung“ dazu auf, „gegen die Diktatur von Macky Sall aufzustehen“ und
       „Widerstand“ zu leisten, „um unsere Demokratie zurückzuholen“. In der
       gleichen Nacht kam es zu Unruhen in der Hauptstadt Dakar.
       
       Sonko führt die Oppositionspartei Pastef (Afrikanische Patrioten Senegals
       für Arbeit, Ethik und Brüderlichkeit) und will an deren Spitze 2024 die
       Präsidentschaftswahl gewinnen. Er wurde allerdings vor Kurzem wegen
       Verleumdung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, und aktuell läuft gegen
       ihn ein Prozess wegen Vergewaltigung.
       
       Sonko boykottiert den Vergewaltigungsprozess, der am 16. Mai eröffnet
       wurde. Am 23. Mai wurde die Anklageschrift verlesen, und der Vorsitzende
       Richter lehnte eine weitere Vertagung ab – trotz fortdauernder Abwesenheit
       des Angeklagten. Der blieb in seiner Villa im südsenegalesischen Ziguinchor
       verschanzt, wo er der gewählte Bürgermeister ist. Seine Anhänger halten die
       Vergewaltigungsvorwürfe für politisch motiviert, ein Vorwand, um ihn
       mundtot zu machen.
       
       Am vergangenen Freitag entschied Sonko sich zur öffentlichen Rückkehr in
       die Hauptstadt Dakar in Form eines Autokonvois, er selbst fahnenschwingend
       auf einem offenen Fahrzeug. Die Route der „Freiheitskarawane“, wie Sonkos
       Anhänger den Konvoi nannten, führte quer durch das Land – eine klare
       Demonstration der Stärke.
       
       ## Senegal ist ein verlässlicher Partner des Westens
       
       Am Sonntag stoppte die Gendarmerie schließlich den Sonko-Konvoi im Ort
       Koungheul, gut 200 Kilometer östlich von Dakar, verfrachtete den
       Oppositionsführer in die Hauptstadt und stellte ihn in seinem dortigen Haus
       unter Arrest. In seinem Auto seien Waffen gefunden worden, erklärte das
       Innenministerium. Sein Wohnviertel Keur Gorgui in [2][Dakar] wurde
       abgeriegelt.
       
       Das angebliche „Verschwinden“ Sonkos rief am Montag dessen Anhänger in
       Dakar auf den Plan. Oppositionspolitiker kündigten an, Sonko in seinem Haus
       besuchen zu wollen. Sicherheitskräfte setzten gegen sie Tränengas ein und
       nahmen einige fest, etwa den bekannten Oppositionellen Aliou Sané, Leiter
       der Bürgerbewegung „Y’en a marre“ (Es reicht). Am Abend zündeten wütende
       Demonstranten Autos an und plünderten Geschäfte, vereinzelt gab es
       Straßenschlachten.
       
       Die Lage in Dakar blieb am Dienstag zunächst ruhig. Doch die Vorfälle
       zeigen, dass ein Funke genügt, um Senegal in Aufruhr zu versetzen. Das Land
       ist einer der wenigen [3][verlässlichen Partner des Westens] in der
       westafrikanischen Sahelzone, aber gerade das stößt vielen Jugendlichen auf,
       die trotz hohen Wirtschaftswachstums und eines Baubooms in Dakar keine
       Arbeit finden, von der sie leben und eine Familie gründen können.
       
       Die Spannung dürfte in den kommenden Tagen weiter steigen. Am Donnerstag
       wird das Urteil im Vergewaltigungsprozess gegen Sonko erwartet. Bei einem
       Schuldspruch könnte er nicht mehr zur Präsidentschaftswahl antreten. Und
       die Wut seiner Anhänger würde weiter wachsen.
       
       30 May 2023
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Proteste-in-Senegal-gegen-Praesident-Sall/!5934217
 (DIR) [2] /Biennale-Dakart-im-Senegal/!5855515
 (DIR) [3] /Deutschlands-Deal-mit-Senegal/!5896251
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Vergewaltigung
 (DIR) Dakar
 (DIR) Opposition
 (DIR) Macky Sall
 (DIR) Senegal
 (DIR) Senegal
 (DIR) Senegal
 (DIR) Soziale Bewegungen
 (DIR) Demonstration
 (DIR) Spielfilm
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Senegals Präsident entschärft Krise: Kein drittes Mal für Macky Sall
       
       In einer mit Spannung erwarteten Ansprache verzichtet Senegals Staatschef
       auf eine dritte Amtszeit. Das nimmt seinen Gegnern den Wind aus den Segeln.
       
 (DIR) Vergewaltigungsurteil in Senegal: Unschuldig – und schuldig
       
       Senegals populärster Oppositionsführer Ousmane Sonko erzielt in seinem
       Vergewaltigungsprozess einen Freispruch. Nun soll er wegen „Verführung“ in
       Haft.
       
 (DIR) Madjiguène Cissé ist gestorben: Die Anführerin der Sans Papiers
       
       In Frankreich wurde sie als Vorkämpferin für die Rechte papierloser
       Afrikaner:innen bekannt. Jetzt ist Madjiguène Cissé mit 72 Jahren
       gestorben.
       
 (DIR) Proteste in Senegal gegen Präsident Sall: Die Jugend begehrt auf
       
       In Senegal schart sich die perspektivlose junge Generation hinter dem
       antiwestlichen Oppositionellen Ousmane Sonko gegen den seit 2012
       regierenden Präsidenten Macky Sall
       
 (DIR) Alice Diops Film „Saint Omer“: Fragen zu einer unbegreiflichen Tat
       
       Alice Diops „Saint Omer“ ist Frankreichs erster Film einer Schwarzen Frau,
       der für einen Oscar vorgeschlagen wurde. Er geht dem Fall eines Kindsmords
       nach.