# taz.de -- Türkei-Wahl und EU: Kein Beitritt in Sicht
       
       > Die Türkei entscheidet bei der Stichwahl nicht nur über den Präsidenten.
       > Es geht auch darum: Distanzierung von der EU oder erneute
       > Beitrittsverhandlungen.
       
 (IMG) Bild: Stau in Duisburg: Erdogan-Fans bei Hupkonzert
       
       Die türkischen Wähler*innen werden sich in der Stichwahl am 28. Mai
       nicht nur für ihren künftigen Präsidenten entscheiden, sondern auch
       entweder für eine verschärfte Distanzierung von der EU oder für eine
       mögliche Wiederaufnahme der seit Jahren ruhenden Beitrittsverhandlungen.
       Doch egal wie das Ergebnis ausfällt, eine Sache wird gleich bleiben, denn
       Ankara und Brüssel brauchen einander: das [1][EU-Türkei-Abkommen].
       
       Sowohl Recep Tayyip Erdoğan als auch sein politischer Gegner, Kemal
       Kılıçdaroğlu, wollen den Trumpf der Fluchtrouten in der Hand behalten und
       dafür die vereinbarten 6 Milliarden Euro kassieren. So oder so werden
       Flüchtlinge für den Erpressungsmechanismus der beiden herhalten müssen,
       nicht zuletzt, weil die Fluchtzahlen steigen und die 27 EU-Mitglieder für
       eine [2][härtere Abriegelung der Außengrenzen] eintreten.
       
       Eine gewisse Verbitterung gegenüber dem Westen schwebt ohnehin im gesamten
       türkischen politischen Spektrum mit – auch wegen des – aus türkischer Sicht
       – ungerechten Umgangs mit Ankara innerhalb der Nato. Sollte Kılıçdaroğlu
       gewinnen, würde es allerdings sicher zu einer Normalisierung der
       diplomatischen Beziehungen und zu einer Vertiefung der strategischen
       Partnerschaft kommen.
       
       Denn Brüssel braucht die Türkei, gerade auch mit Blick auf die
       Energiesicherheit und auf eine Stabilisierung der Lage im Nahen Osten.
       Kılıçdaroğlu hat sich zusammen mit seiner Koalition proeuropäisch
       positioniert, doch bei zahlreichen Themen sind sich die Partner uneins. Die
       Freilassung von [3][Oppositionellen] wurde versprochen, jedoch bleibt die
       To-do-Liste nicht allein in Bezug auf Menschenrechte – eine der
       Hauptforderungen der EU – extrem lang.
       
       Doch auch ohne Erdoğan wäre ein Beitritt unter den 27 EU-Mitgliedsstaaten
       keinesfalls Konsens. Die bilateralen Beziehungen zwischen der Türkei und
       Griechenland sind hoch angespannt. Wer wissen will, wie man eine
       Neumitgliedschaft blockiert, muss nur einen Blick auf Bulgarien und
       [4][Nordmazedonien] werfen.
       
       16 May 2023
       
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 (DIR) Gemma Teres Arilla
       
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