# taz.de -- Selenski trifft Macron und Scholz in Paris: Teil der „europäischen Familie“
       
       > Nach seinem London-Besuch traf der ukrainische Präsident Emmanuel Macron
       > und Olaf Scholz im Élysée-Palast. Selenski forderte weitere Waffen.
       
 (IMG) Bild: Selenski, Macron und Scholz während eines Treffens im Pariser Élysée-Palast
       
       Paris taz | Nach seinem [1][Besuch am Mittwoch in London] wurde der
       Präsident der Ukraine, Wolodimir Selenski, am gleichen Tag abends in Paris
       vom Staatspräsidenten Emmanuel Macron und vom Bundeskanzler Olaf Scholz
       gemeinsam im Élysée-Palast empfangen. Selenski traf erst um 21.45 Uhr in
       einer britischen Maschine auf dem Pariser Flugplatz Orly ein, wo er mit
       rotem Teppich und allen Ehren vom französischen Verteidigungsminister,
       Sébastien Lecornu, begrüßt wurde. Dieser Abstecher nach Paris [2][am
       Vorbend des EU-Gipfels] war bis wenige Stunden zuvor geheim gehalten worden
       und wirkte, trotz der imposanten Sicherheitsvorkehrungen, improvisiert. Es
       war schon spät, als die drei Staatsmänner bei einem Abendessen im
       französischen Präsidentenpalast ihre Unterredungen beginnen konnten.
       
       Zuvor hatte jeder kurz vor den Medien eine Erklärung abgegeben. Dass Scholz
       und Macron gemeinsam als Gastgeber auftraten und so die Einheit der
       Solidarität mit der Ukraine gegen die russische Aggression verkörperten,
       war zweifellos ein starkes Symbol, hatte es doch [3][in der jüngeren
       Vergangenheit noch diverse Meinungsverschiedenheiten zwischen Paris und
       Berlin gegeben]. Frankreich und Deutschland wollen in der Unterstützung der
       Ukraine keine Zweifel an ihrer Einheit aufkommen lassen. Gemeinsam wollen
       sie die Ukraine „zum Sieg und Frieden begleiten“.
       
       Macron versicherte Selenski, dass er und sein Volk in diesem Krieg „auf
       Frankreich und Europa zählen“ könne. „Russland kann und darf nicht
       gewinnen“, sagten sowohl Macron wie Scholz. Der französische Präsident
       erinnerte daran, dass noch 2019 ebenfalls im Élysée-Palast [4][ein
       Vierer-Treffen im Normandie-Format (Ukraine, Russland, Deutschland,
       Frankreich) mit Selenski und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin]
       stattgefunden habe und dass die Bemühungen, den Krieg zu verhindern,
       vergeblich waren. Er versprach auch, Russland müsse eines Tages für die
       Kriegsverbrechen Rechenschaft ablegen.
       
       Wie Macron würdigte auch Scholz den Mut beim „heroischen Widerstand“ der
       Ukraine. Auch versprach er, so lange wie nötig die Ukraine militärisch,
       humanitär und finanziell zu unterstützen. In Hinblick auf den EU-Gipfel in
       Brüssel, an dem Selenski am Donnerstagvormittag ebenfalls erwartet wird,
       wiederholte Scholz, dass die Ukraine zur „europäischen Familie“ gehöre.
       
       Selenski in seinem üblichen khakifarbenen Pulli dankte für die bisherige
       Hilfe, drängte aber zur Lieferung von modernem „operationellem“
       Kriegsmaterial, ohne dabei [5][Kampfjets, Raketen oder Panzer] zu erwähnen.
       Diese Hilfe brauche die Ukraine „so schnell wie möglich“. Über diese
       zusätzliche Waffenhilfe haben die drei, die sich vor den Kameras brüderlich
       duzen, hinter verschlossenen Türen diskutiert.
       
       9 Feb 2023
       
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