# taz.de -- Klimapolitik der Bundesregierung: Tatsächliche Klimaterroristen
       
       > Unschöne Versicherungsdaten zu den Kosten der Klimakrise mahnen zur Eile.
       > Doch was tut die Ampel? Setzt auf E-Autos und Kohlekompromiss.
       
 (IMG) Bild: Teure Folgen der Klimakrise: umgestürzter Baum in einem Wohngebiet in Kalifornien
       
       Der Klimawandel fordert zunehmend Tribut. Die Naturkatastrophenbilanz 2022
       ist dominiert von Ereignissen, die nach dem Stand der Forschung stärker
       oder häufiger werden. Manche auch beides zugleich. Zudem ist erschreckend,
       was sich immer wieder zeigt: Naturkatastrophen treffen Menschen in ärmeren
       Ländern besonders stark.
       
       Diese Sätze stammen nicht von den [1][Klimaaktivist:innen, die das Dorf
       Lützerath gegen die Braunkohlebagger verteidigen]. Sie stammen von dem
       [2][Vorstand der Munich Re]. Der Konzern, der als weltweit größter
       Rückversicherer gilt, [3][hat am Dienstag seine Bilanz des Jahres 2022
       vorgelegt]. Sie fällt katastrophal aus: stärkere Hurrikane in der Karibik,
       tödliche Monsunregen in Pakistan, Hitzewellen in Europa. Der Klimawandel
       ist Realität und er schlägt ökonomisch zu Buche. Im fünften Jahr in Folge
       mussten die Versicherer für Schäden im Wert von mehr als 100 Milliarden
       US-Dollar geradestehen. Dabei sind Naturkatastrophen in vielen
       Schwellenländern nicht mal versichert.
       
       Wenn sonst schon nichts hilft: Die harten Wirtschaftsdaten der Versicherer
       sollten zur Eile drängen.
       
       Was aber macht die Bundesregierung? Sie lädt am selben Tag zum
       Mobilitätsgipfel ins Kanzleramt, um vor allem über die Rettung der
       Autoindustrie zu reden, die dazu bewegt werden soll, beim E-Auto mal etwas
       aufs Gas zu drücken. Als ob nicht klar wäre, dass auch Elektromotoren jede
       Menge Energie brauchen und damit beim gegenwärtigen Strommix auch CO2
       produzieren. Die Lösung lautet nicht andere, sondern weniger Autos.
       
       Und was machen die Grünen? Sie [4][loben sich für den von ihnen
       mitausgehandelten Kompromiss], nachdem RWE „nur“ noch bis 2030 kräftig
       Braunkohle baggern und verstromen darf. Dabei tickt [5][die CO2-Uhr]. Kommt
       es nicht zur radikalen Energiewende, ist das weltweite CO2-Budget für das
       Erreichen des [6][beim Parisabkommen vereinbarten 1,5-Grad-Limits] in
       sechseinhalb Jahren aufgebraucht. Also im Sommer 2029. Ein Kohleausstieg
       ein Jahr später nutzt dann auch nichts mehr.
       
       Immerhin haben Sprachwissenschaftler:innen den Begriff
       „[7][Klimaterroristen“ gerade zum Unwort des Jahres erklärt] – weil er
       berechtigten Widerstand als staatsfeindlich abstempelt. Doch leider
       bestimmen Linguisten nicht die Politik.
       
       Und daher werden in den kommenden Tagen [8][Tausende Polizist:innen] an
       die Abbruchkante des Braunkohletagebaus bei Lützerath geschickt, damit die
       Bundesregierung weiterhin ihre Klimapolitik mit dem E-Auto gegen die Wand
       fahren kann.
       
       Eigentlich sollten die Versicherer mal Bambule machen im Regierungsviertel.
       Denn es drängt sich die Frage auf, wo die tatsächlichen Klimaterroristen
       sitzen. In Lützerath jedenfalls nicht.
       
       10 Jan 2023
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Luetzerath/!t5896252
 (DIR) [2] https://www.munichre.com/de/unternehmen/media-relations/medieninformationen-und-unternehmensnachrichten/medieninformationen/2023/naturkatastrophen-bilanz-2022.html
 (DIR) [3] /Auswirkungen-des-Klimawandels/!5905051
 (DIR) [4] /Protest-gegen-Kohleabbau-in-Luetzerath/!5908208
 (DIR) [5] /Ueber-die-CO2-Uhr-auf-tazde/!vn5810221
 (DIR) [6] /Nach-dem-Klima-Abkommen-von-Paris/!5258951
 (DIR) [7] /Unwort-des-Jahres-2022/!5908215
 (DIR) [8] /Protest-gegen-Kohleabbau-in-NRW/!5904854
       
       ## AUTOREN
       
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