# taz.de -- Umgang der Justiz mit Polizisten: Unangemessener Vertrauensvorschuss
       
       > Polizisten reagieren auf Anzeigen standardmäßig mit Gegenanzeigen.
       > Staatsanwaltschaften und Gerichte sollten aufhören, das zu akzeptieren.
       
 (IMG) Bild: Kann helfen, unhaltbare Vorwürfe zu entkräften: Smartphone, hier auf einer Demo 2022 in Hamburg
       
       Zum Glück gibt es das Smartphone. Ohne den Videobeweis wären [1][die
       Polizisten mit ihrer abgesprochenen Version des Geschehens am Hamburger
       Jungfernstieg durchgekommen] und der angeklagte Feuerwehrmann müsste mit
       einer empfindlichen Strafe rechnen – womöglich mit Folgen für seinen
       Beamtenstatus. So ist es nun genau andersherum.
       
       Das Grundübel besteht darin, dass viele Staatsanwaltschaften und auch
       Gerichte Polizisten einen unangemessenen Vertrauensvorschuss einräumen. Das
       ist umso unverständlicher, als es [2][gängige Praxis der Polizei ist, auf
       Strafanzeigen mit Gegenanzeigen] oder – wie im vorliegenden Fall – mit
       einer präventiven Anzeige zu reagieren. Warum Staatsanwaltschaften und
       Gerichte, denen das ja immer wieder unterkommt, das akzeptieren, erschließt
       sich nicht. Sei es Naivität, sei es eine Art Korpsgeist – so oder so
       untergräbt diese Blindheit das Vertrauen in den Rechtsstaat.
       
       Das Gleiche gilt für den [3][Korpsgeist innerhalb der Polizei], wo einer
       den anderen deckt und dafür notfalls auch lügt.
       
       Nun handeln Polizisten zwar oft unter hohem psychischen und physischem
       Druck, der bei der Bewertung ihres Handelns berücksichtigt werden muss. Die
       Situation auf dem Jungfernstieg war allerdings ausgesprochen harmlos. Hier
       standen der Polizei keine vermummten Autonomen mit Pflastersteinen
       gegenüber und auch keine schwer einzuschätzenden psychisch Kranken mit dem
       Messer in der Hand. Wie das Video zeigt, hat ein Polizist offenbar die
       Nerven verloren, weil er den Widerspruch eines Bürgers nicht aushalten
       konnte.
       
       Solch einen Menschen in Ausübung des Gewaltmonopols auf die Bürger
       loszulassen, verbietet sich. Dass seine Kollegen das decken, ist
       hochproblematisch. Dass sie dafür lügen, erst recht. Noch tut die Polizei
       so, als zeuge jede Forderung nach [4][unabhängiger Kontrolle ihrer Praxis]
       von lästerlichem Misstrauen. Jeder neue Videobeweis zeigt, wie falsch sie
       damit liegt.
       
       2 Dec 2022
       
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 (DIR) Gernot Knödler
       
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