# taz.de -- Diskriminierung in Frankreich: Platzverweis für Ukrainer
       
       > Der Chef eines Pariser Restaurants setzt zwei Gäste vor die Tür und
       > brüllt dabei: „Lang lebe Putin!“. Die Aktion löst Entrüstung in sozialen
       > Medien aus.
       
 (IMG) Bild: Eigentlich prägen die zahlreichen Brasserien das Pariser Lebensgefühl positiv
       
       Berlin taz | Dieser Auftritt ist offensichtlich nach hinten losgegangen. Am
       vergangenen Dienstag hat ein Gastwirt in der französischen Hauptstadt Paris
       zwei Ukrainer aus seinem Restaurant geworfen. Dabei brüllte er mehrmals
       „Viva Poutine!“ („Lang lebe Putin!“) und applaudierte sich dabei auch noch
       selbst. Ein entsprechendes Video postete der Vizepräsident der Vereinigung
       „Ukrainer in Frankreich“, (Union des Ukrainiens en France) Wladimir
       Kogutjuk, [1][auf Twitter].
       
       Es dauerte nicht lange, da wurde die Seite der Brasserie Le Cosy
       Montparnasse, aber auch deren Seiten bei Google und Facebook mit „Fanpost“
       regelrecht geflutet. „Schreckliches Personal, das den Verbrecher Putin
       liebt“, und „das Verhalten des Managers ist dreist“, heißt es da, wobei
       sich die Nutzer*innen auch gleich noch an der angeblich schlechten
       Qualität des Essens abarbeiten. Innerhalb kurzer Zeit rutschte das Le Cosy
       Montparnasse auf der Bewertungsskala von Tripadvisor von 4.3 auf 2.3 ab.
       
       Auch Jean-Luc Romero-Michel, einer von mehreren stellvertretenden
       Bürgermeister*innen von Paris, meldete sich zu Wort. „Das ist absolut
       inakzeptabel und schändlich. Das Restaurant muss Rechenschaft ablegen und
       sich erklären. Unterstützung für Kogutjuk sowie die die gesamte ukrainische
       Community in Paris“, [2][schrieb er auf Twitter].
       
       Der Besitzer des Restaurants heißt Alex Bacha. Laut der französischen
       Webseite L’ Hotellerie Restauration betreibt er die Brasserie seit 2019. Im
       vergangenen Jahr beklagte er sich über die Schulden, die ihm der
       Vorbesitzer hinterlassen habe. Zusammen mit den ohnehin anfallenden
       Ausgaben müsse er monatlich 25.000 Euro bezahlen.
       
       ## Besuch vom Gerichtsvollzieher
       
       Der Webseite zufolge habe Bacha sechs Monate lang keine Miete zahlen können
       und Besuch von einem Gerichtsvollzieher bekommen. Auch von der Polizei
       wurde Bacha zweimal verwarnt, weil er 2020 während der Coronapandemie
       zweimal Gäste bewirtet hatte.
       
       Mittlerweile hat sich Le Cosy Montparnasse für den Vorfall entschuldigt.
       Doch das hat die Gemüter keinesfalls beruhigt – der rege Meinungsaustausch
       in den sozialen Medien geht weiter. „Ich bin französisch und dieser Mann
       ist eine Schande. Lasst uns sagen, wie es wirklich ist: Er repräsentiert
       Frankreich nicht. Mir tun die beiden ukrainischen Gäste leid, denen das
       passiert ist. In dieses Restaurant sollte niemand mehr gehen“, schreibt ein
       User.
       
       Und ein anderer findet: „Ich wünsche solchen Leuten, dass sie gezwungen
       werden, ein Jahr in Russland zu leben. Mal wirklich den Unterschied sehen –
       zwischen dem, was sie haben und dem, was sie unterstützen.“
       
       20 Oct 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://twitter.com/KogutyakV/status/1582694835265236993
 (DIR) [2] https://twitter.com/JeanLucRomero/status/1582764894419849216
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Barbara Oertel
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Frankreich
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Wladimir Putin
 (DIR) Energiequellen
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Emmanuel Macron
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Neue europäische Gemeinschaft: Allianz gegen Putin
       
       In Prag treffen sich die Regierungschef:innen aus 44 Ländern zur
       Gründung einer Europäischen Gemeinschaft. Das Teilnehmerfeld: heterogen.
       
 (DIR) Sanktionen gegen Russland: Pipelines als Druckmittel
       
       Seit Mitte Juni fließt kein Gas mehr von Russland nach Frankreich. Das Land
       setzt deshalb vermehrt auf die Lagerung von Flüssiggas.
       
 (DIR) Präsidentschaftswahl in Frankreich: Kandidatur im Schatten des Kriegs
       
       Der Ukraine-Konflikt beeinflusst den französischen Wahlkampf. Das könnte
       dem amtierenden Präsidenten Macron in die Hände spielen.