# taz.de -- Sabotage kritischer Infrastruktur: Nancy Faeser, übernehmen Sie!
       
       > Die Attacke auf die Deutsche Bahn hat schmerzlich sichtbar gemacht, wie
       > verletzbar unsere Versorgung ist. Ganz gleich, woher solche Angriffe
       > stammen.
       
 (IMG) Bild: Die Bahn gehört eindeutig zur kritischen Infrastruktur
       
       Seit Jahren fordern Expert:innen verbesserte Schutzmaßnahmen für unsere
       [1][kritische Infrastruktur]. Mühsam machten sie auf vulnerable Strukturen
       bei Energieversorgern, Transportunternehmen, in Verwaltungssystemen
       aufmerksam. Passiert ist wenig. Letztlich wurde die Pflicht, für
       Schutzmaßnahmen zu sorgen, vor allem an die Betreiber abgeschoben. Und die
       wurden nur leidlich kontrolliert. Nun hat es also die Deutsche Bahn
       erwischt. Etliche Verbindungen fielen aus, Fahrgäste strandeten an den
       Bahnhöfen. Natürlich können nicht alle Bahntrassen vor [2][Sabotageattacken
       wie dieser] geschützt werden, zentrale Punkte des Betriebs aber schon.
       
       Spätestens seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar auf die
       Ukraine ist klar, dass Krieg nicht nur mit Panzern und Maschinenpistolen
       auf dem Schlachtfeld geführt wird, sondern auch Systeme angegriffen werden,
       die unser alltägliches Leben betreffen. Und dazu gehört nun mal die
       kritische Infrastruktur.
       
       Ob die Bahnattacke im Zusammenhang mit dem Kriegsgeschehen zu sehen ist, es
       sich um eine politisch motivierte Sabotage handelt oder schlicht Kriminelle
       am Werk waren, ist noch unklar und die Aufklärung wird dauern. Dennoch
       macht der Streckenausfall erneut schmerzlich sichtbar, wie verletzbar
       unsere Versorgung ist.
       
       Weichgespülte Forderungen, Schönrednerei und Betroffenheitsbekundungen
       reichen nicht mehr aus. Der Gesetzgeber ist gefragt, endlich schnell
       umsetzbare Maßnahmen von den Betreibern zu fordern und diese darin zu
       unterstützen. Das bedeutet auch, Geld lockerzumachen. Der Vorschlag der
       Grünen, einen Teil des 100 Milliarden Euro schweren [3][Sondervermögens],
       das nur wenige Tage nach Kriegsbeginn von Bundeskanzler Olaf Scholz
       angekündigt wurde, auch für den Bevölkerungsschutz einzusetzen, muss
       ernsthaft in Betracht gezogen werden.
       
       Gefordert ist nun einmal mehr Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD),
       denn in ihr Ressort fällt der Schutz der kritischen Infrastruktur. Sie muss
       dafür sorgen, dass Unternehmen, die Länder und Expert:innen
       zusammenarbeiten. Bevor es zu weiteren Schäden kommt.
       
       9 Oct 2022
       
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