# taz.de -- Fotos für rechtspopulistische Medien: Nicht nur eine Frage des Preises
       
       > Die Bildagentur Imago Images verkauft ihre Fotos auch an rechte Medien.
       > Einige Pressefotograf:innen stört das.
       
 (IMG) Bild: Pressefotograf:innen stehen nicht immer im Pulk, wie hier beim Radiopreis 2015, sondern oft alleine
       
       Pressefotograf:innen arbeiten oft unter prekären Bedingungen. Seit
       Jahren fallen die Preise für [1][Pressefotos]. Viele Fotograf:innen
       vertreiben ihre Fotos über Bildagenturen – etwa dpa, Picture Alliance oder
       Imago Images. Über die lassen sich in der Regel mehr Bilder verkaufen, so
       können Fotograf:innen die gesunkenen Preise ausgleichen. Die
       Preisspanne pro Nutzungslizenz für ein Foto rangiert von 4 bis über 120
       Euro pro Bild. Den Erlös teilt sich die Fotograf:in mit der Agentur.
       
       Problematisch wird das aus Sicht einiger Fotograf:innen, wenn zu den
       potenziellen Kund:innen auch solche gehören, die man als
       rechtspopulistisch einschätzt. Imago Images verkauft auch Bildlizenzen an
       Publikationen wie den Deutschlandkurier, Journalistenwatch und Tichys
       Einblick.
       
       Die taz hat mit zwei Fotojournalisten gesprochen, bei denen rechte Medien
       und Blogs in den Abrechnungen der Agentur Imago Images auftauchten. Aus
       Sorge vor rechtlichen Folgen wollen sie anonym bleiben. Im Jahr 2020
       verfassten sie einen Brief, gemeinsam mit anderen Pressefotograf:innen, die
       ihre Lizenzrechte ebenfalls nicht an rechte Medien weitergeben wollten. Sie
       forderten Imago Images auf, rechte Kund:innen für ihre Bilder zu sperren.
       
       Die Antwort der Agentur Imago damals: Das Sperren von einzelnen
       Kund:innen sei technisch nicht möglich. Zudem wolle Imago keine
       Selbstzensur betreiben, da dies die Meinungs- und Pressefreiheit
       einschränke. Das Schreiben liegt der taz vor. Darin steht auch: Eine
       Einordnung als rechts beruhe allein auf der subjektiven Einschätzung.
       Sollte den Fotograf:innen das nicht passen, stehe es ihnen frei, die
       Zusammenarbeit zu beenden.
       
       ## „Ich bleibe Urheber“
       
       Warum das Sperren von Kund:innen nicht möglich sein soll, können die
       beiden Journalisten nicht verstehen. „Bei anderen Agenturen kann ich
       sehr wohl sagen, dass ich nicht will, dass meine Bilder zum Beispiel bei
       der Bild landen. Und warum soll ich mir das auch nicht aussuchen können, an
       wen meine Bilder weiterlizenziert werden, letztendlich bleibe ich ja
       [2][Urheber]“, sagt einer von ihnen.
       
       Die Entscheidung, an gewisse Kund:innen nicht zu verkaufen, kann
       beruflich wichtig sein. Als Journalist:in ist man bei gewissen Themen
       auf einen Vertrauensvorschuss angewiesen. Dazu gehört, dass Menschen
       nachvollziehen können, für wen man arbeitet: „Wenn ich zum Beispiel an
       einer Geschichte mit Geflüchteten arbeite und die finden raus, dass meine
       Bilder bei rechten Medien landen, dann bedeutet das einen Vertrauensbruch,
       der meine Arbeit unmöglich macht“, sagt der andere.
       
       Die Arbeit für rechte Medien könne, obgleich unfreiwillig, rufschädigend
       sein. „Ich stehe für seriösen Journalismus, der sich an Fakten hält, und
       wenn meine Bilder und mein Name mit Artikeln in Verbindung gebracht werden,
       die diesen Ansprüchen nicht genügen, im Zweifel sogar Fake News oder
       Verschwörungsmythen verbreiten, dann widerspricht sich das. Das hat
       Einfluss auf die Glaubhaftigkeit meiner journalistischen Arbeit.“
       
       Das ungewollte Verkaufen an rechte Medien kann auch zynische Züge annehmen.
       Einer der beiden Fotografen berichtet: Bei einer rechtspopulistischen
       Demonstration habe er fotografiert und sei dort von Neonazis aggressiv
       bedroht und verfolgt worden. Ein paar Tage später sei sein Bild unter einem
       rechtspopulistischen Text beim rechten Blog Journalistenwatch erschienen.
       „Ich fand es so absurd, dass mein Bild, für das sie mich fast in einer
       Seitenstraße umgehauen hätten, mit einem Text von Götz Kubitschek erschien
       und es darum ging, dass die Demonstration nicht radikal genug war“, sagt
       er. Für das Bild hat er am Ende 2,55 Euro verdient, wie aus einer
       Abrechnung hervorgeht.
       
       In den Verträgen der beiden mit der Agentur wird nicht ausgeschlossen, dass
       Imago an rechte Medien verkaufen darf. Und da Imago nicht bereit ist,
       Fotograf:innen mitbestimmen zu lassen, an wen die Bildlizenzen gehen,
       haben sich beide entschieden, keine weiteren Bilder an Imago zu senden.
       Trotz finanzieller Einbußen. Die Agentur möchte indes ihre Haltung von 2020
       offenbar nicht erneut kommentieren. Eine Anfrage der taz zur Problematik
       ließ sie unbeantwortet.
       
       21 Oct 2022
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Schütz
       
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