# taz.de -- Montagsdemos der Linken: Dubiose Eigenprofilierung
       
       > Mit den Montagsdemos bringt Die Linke das Hufeisen selbst in die
       > Diskussion. Stattdessen sollte sie sich besser auf ihre Kernaufgaben
       > konzentrieren.
       
 (IMG) Bild: Tausende waren da, die Abgrenzung nach Rechts gelang: Linken Demonstration am Montag in Leipzig
       
       Ausgerechnet jetzt zieht sich Die Linke die heikelste Frage selbst auf den
       Tisch: [1][Ist links gleich rechts?] Fordern Linke das Gleiche wie Rechte?
       Haben sie die gleichen Parolen? Machen sie das Gleiche, am selben Ort,
       gleichzeitig? Gibt es das Hufeisen doch? Sie produzieren die Frage und
       schlagen wie auf einen nassen Lappen darauf ein. Nein, auf keinen Fall, wir
       sind anders, wollen was anderes, wir grenzen uns ab, sind doch Die Linke!
       
       Selten habe ich so eine dumme Politikstrategie gesehen. Montag ist
       Pegidatag in Sachsen. Egal, was vor zig Jahren mal war. Dann denkt sich
       einer, es sei ein guter Tag für die Linke, gegen die Energiepolitik der
       Bundesregierung zu demonstrieren – und gegen anderes auch. Das hätte man
       sofort stoppen sollen. Aber die Bundestagsfraktion findet das gut. Es geht
       nur noch darum, ob man sich auf der Demo gegen die Nazis behaupten kann.
       Wenn das gelingt, war alles ein Erfolg.
       
       Tausende waren da und, ja, die Linke ist wieder im Gespräch. [2][Die
       Abgrenzung gelang.] Es ist noch mal gutgegangen – bei der Demo in Leipzig.
       In Berlin haben linke Abgeordnete gleichzeitig zu einer Demo vor der
       Grünen-Parteizentrale aufgerufen. [3][Hier gelang die Abgrenzung nicht, was
       zu erwarten war.] Da kann man propagieren, man sei im antifaschistischen
       Widerstand, gegen Kapitalismus und überhaupt links. Man bleibt ein Idiot,
       oder hat das Geschwurbel bewusst organisiert.
       
       Es wäre ein Verlust, wenn es Die Linke nicht mehr gäbe. Aber nur, wenn sie
       ihre Funktion erfüllt: Aufklärung, Finger in die Wunde legen, machbare
       Alternativen anbieten, gesellschaftlichen Gegendruck organisieren. All das
       macht Die Linke gerade nicht. Die Bundestagsfraktion hat große Kapazitäten,
       aber ihre Spitze leider andere Prioritäten: sie selbst zuerst. Es steht
       schon überlang an, diese Leute zu verabschieden. Sie klauen der Partei die
       Fraktion.
       
       Klar muss man jetzt gegen die Politik der Bundesregierung mobilisieren.
       Aber dann aufklärend und klar, möglichst im Bündnis mit Gewerkschaften,
       Sozialverbänden und vielen Initiativen. Und ohne dubiose Eigenprofilierung.
       
       7 Sep 2022
       
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