# taz.de -- RBB-Reporter über die Schlesinger-Affäre: „Der Hass ist mehr geworden“
       
       > Olaf Sundermeyer ist Reporter des RBB. Das Verhalten der Ex-Intendantin
       > habe seine Arbeit nicht nur auf Demos erschwert und gefährlicher gemacht.
       
 (IMG) Bild: Medienfeindlichkeit bei einer Demonstration von Verschwörungsideolog:innen
       
       taz: Herr Sundermeyer, Sie stehen aufgrund Ihrer Berichterstattung als
       Reporter im Fokus von AfD, Querdenkern und Co. Wie wirkt sich die
       [1][Affäre Schlesinger] auf Ihre Arbeit aus? 
       
       Olaf Sundermeyer: Nicht nur ich, sondern viele Reporter des RBB werden seit
       Wochen in unserer Arbeit damit konfrontiert, auch in der Begegnung mit
       Menschen im öffentlichen Raum, die einen erkennen. Mir ist das allein heute
       Morgen in Bus und U-Bahn zwei Mal passiert. Man wird in Sippenhaft genommen
       für die offensichtliche Maßlosigkeit der Intendantin und der
       Geschäftsleitung. Das ist ein Spießrutenlauf. Schon gegenüber Bekannten ist
       man in einer unangenehmen Rechtfertigungsposition. Und dann gibt es jene,
       [2][die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu ihrem Feind erklärt haben].
       Die fühlen sich bestärkt, ihre Feindlichkeit nicht nur gegen die Sender,
       sondern auch gegen mich persönlich vorzutragen. Der Hass, der einem
       entgegenschlägt, ist mehr geworden.
       
       Erhöht sich die Gefahr gewalttätiger Übergriffe? 
       
       Das kann ich schwer sagen. Auf jeden Fall trägt Frau Schlesinger eine
       gewisse Mitverantwortung dafür, dass die Anfeindungen gegen mich deutlicher
       und zielgerichteter werden. Brandenburgs SPD-Fraktionschef hat gesagt,
       Schlesinger drückt den erklärten Totengräbern des öffentlich-rechtlichen
       Rundfunks die Schippe in die Hand. Das sehe ich genauso. Diese Hater, egal
       ob im Netz oder auf Demonstrationen, fühlen sich nicht nur bestätigt,
       sondern haben sich aufmunitioniert und entladen das zielgerichtet denen
       gegenüber, die sie vor sich haben. Das sind die Reporter und nicht jene,
       die die Affäre zu verantworten haben – neben Frau Schlesinger auch Teile
       der Geschäftsleitung, die noch in Verantwortung sind.
       
       Ist die Affäre auch bei anderen Recherchen außerhalb dieses Milieus ein
       Problem? 
       
       Überall wird man damit konfrontiert. Ein Kollege von RBB24 hat etwas über
       Vetternwirtschaft beim Flussbad in Berlin gemacht. Da kommt natürlich
       sofort die Retourkutsche, was denn beim RBB los sei. Die Affäre ist ein
       Hemmschuh für alltägliche Recherchen.
       
       Ist der Führungsetage bewusst, dass die Reporter das alles ausbaden müssen? 
       
       Das zumindest sagen sie uns in verschiedenen Runden. Aber das Verhalten hat
       gezeigt, dass es ihnen wohl egal war. Einerseits sind Maßnahmen getroffen
       worden, um dem Thema Hate zu begegnen. Anderseits hat das Verhalten von
       Frau Schlesinger den erklärten Feinden des öffentlichen Rundfunks Auftrieb
       gegeben.
       
       Welche ihrer Verfehlungen werfen Sie Schlesinger am meisten vor? 
       
       Dass sie null Unrechtsbewusstsein gezeigt hat. Die Schuld liege bei
       anderen, der Springerpresse, der sie eine Kampagne vorgeworfen hat. Das
       zeigt eine gewisse Selbstherrlichkeit. Dabei werden wir von den Beiträgen
       vieler getragen. Das bedeutet zwangsläufig eine hohe Verantwortung für
       jeden, der hier arbeitet, aber besonders für die Intendanz und
       Geschäftsleitung.
       
       Wie gut können Sie noch argumentieren, dass es den öffentlich-rechtlichen
       Rundfunk braucht? 
       
       Als Reporter ist das nicht meine Aufgabe. Ich muss als Journalist meine
       Arbeit weitermachen, die überhaupt gar nichts mit den abgehobenen Zuständen
       in der 13. Etage unseres Sendersitzes zu tun hat. Aber diese Arbeit ist
       jetzt schwieriger geworden. Viele von uns sind stark durch diese Affäre
       belastet. Das kommt noch obendrauf auf die massive Arbeitsverdichtung, in
       Richtung einer schlanken Redaktion, die wir hier erleben.
       
       Was muss sich nun tun, damit verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen
       werden kann? 
       
       Zunächst muss die Affäre um die gesamte Geschäftsleitung aufgearbeitet
       werden, um die Reputation des RBB wiederherzustellen. Damit meine ich auch
       die Rolle von Verwaltungs- und Rundfunkrat. Mit Patricia Schlesingers
       Rücktritt kann es nicht vorbei sein. Denn die Verantwortung für die bekannt
       gewordenen Zustände trägt nicht nur eine Person. Mein Eindruck ist, dass
       die Mehrheit meiner Kollegen das ähnlich sieht.
       
       9 Aug 2022
       
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