# taz.de -- Landtagswahlkampf in NRW: Wer hat das schlimmste Deutsch?
       
       > In anderthalb Wochen wählt Nordrhein-Westfalen einen neuen Landtag. Der
       > Blick auf die Wahlplakate ist ernüchternd.
       
 (IMG) Bild: Wer braucht denn die Plakate? Eben
       
       In anderthalb Wochen [1][wird in NRW gewählt]. Wahlen im
       bevölkerungsreichsten Bundesland sind wichtig, weil es eben so reich an
       Bevölkerung ist und sonst auch nicht mehr aussagt. SPD und CDU liegen in
       den Umfragen so ziemlich gleichauf, die Grünen rangieren deutlich vor der
       gerade mit der CDU regierenden FDP.
       
       Den Ton gibt allerdings eine andere Partei an. Den
       Sponti-Spaßbratzen-Slogan „Inhalte überwinden“ der [2][(Satire-) PARTEI]
       haben sich in NRW alle anderen Parteien zu eigen gemacht. Das gilt vor
       allem für die an so ziemlich jedem Mast zwischen Rhein und Weser baumelnden
       Wahlplakate. „Klimaschutz – gemeinsam bewegen“ heißt es bei den Grünen. Das
       ist lahm und auch noch schlechtes Deutsch. Haben Sie schon mal Klimaschutz
       bewegt? Die Grünen scheinen das geahnt zu haben. Deshalb steht auf dem
       Plakat nix von den Grünen als Partei, sondern bloß „Von hier an Grün“. Zur
       weiteren Tarnung ist das sogar noch lila hinterlegt.
       
       Dabei ist Lila ja eigentlich die Farbe der neuen Partei Volt, die schwer
       auf Europa macht. In NRW kommt sie aber nicht über den Spruch „Wer neue
       Politik will, muss neue Politik wählen“ hinaus. Da fehlt jeder Inhalt,
       genauso wie bei der FDP. Die hat sich für budgetschonende 3,99 eine
       Phrasendreschmaschine gekauft und wirbt wahlweise mit „Freiheit bleibt
       systemrelevant“ oder „Wenn deine Oma online ist, kann Amt das auch“.
       
       Bei der SPD haben sie dafür wieder zu lange bei schlechtem Rotwein
       Arbeiterlieder von Sonne, Freiheit und Morgenröte gesungen. Jedenfalls kam
       „Für Euch gewinnen wir das Morgen“ dabei raus. „Weil besser möglich“ lautet
       ein anderer SPD-Spruch.
       
       ## Schön gestrichen
       
       Dieser Wahlkampf ist offenbar auch ein Wettkampf ums schlimmste Deutsch. Da
       wirkt „Machen, worauf es ankommt“ (CDU) völlig unverdient sympathisch, weil
       es immerhin ein ganzer Satz ist. Wozu auch Inhalte? Obwohl, doch, da:
       „Einfach fair Luftlinie zahlen? eezy!“ wirbt ein anderes Plakat. Ach so,
       ist gar nicht zur Wahl. Ist Werbung vom Verkehrsverbund Rhein-Sieg für
       ÖPNV-Tarife.
       
       Die intelligentesten Plakate hat ausgerechnet die Partei, die wenig Chancen
       hat, in den Landtag zu kommen. Die Linke wirbt mit kongenialem
       Durchgestreiche. „A̶r̶m̶u̶t̶“ heißt es da zum Beispiel oder „U̶n̶b̶e̶z̶a̶h̶l̶b̶a̶r̶e̶
       M̶i̶e̶t̶e̶n̶“ oder, weil ÖPNV so schön ist, „fährt immer s̶e̶l̶t̶e̶n̶e̶r̶“.
       
       „Wer braucht denn die Plakate? Die millionenschweren Ausgaben und die
       nachfolgenden Kosten wegen Vandalismus sollten für den Klimaschutz
       umbudgetiert werden“, fordert die Mitbewohnerin.
       
       Wie schrieb ein kundiger WDR-Kollege neulich? NRW-Wahlkämpfe litten oft „an
       einer gewissen Überakzentuierung des Banalen“. Wie wahr! Die PARTEI hat das
       übrigens schon immer gewusst und deshalb auch das Plakat „Wahlplakate
       verbieten!“ im Repertoire.
       
       6 May 2022
       
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