# taz.de -- Brand in New Yorker Mietskaserne: Mieter in der Feuerfalle
       
       > Bei einem Feuer in der Bronx, dem ämsten Stadtteil New Yorks, kommen
       > mindestens 19 Menschen ums Leben. Viele lebten auf engstem Raum.
       
 (IMG) Bild: Feuerwehreinsatz am brennenden Mietshaus in New York: Nicht alle konnten gerettet werden
       
       Berlin taz | In der Bronx, dem ärmsten Bezirk von New York, sind bei einem
       Großbrand in einer Mietskaserne mindestens 19 Menschen umgekommen, darunter
       neun Kinder. 63 Menschen wurden verletzt – zahlreiche davon schweben noch
       in Lebensgefahr. Unter den Opfern sind auch viele Einwanderer, darunter
       mehrere Familien aus Gambia.
       
       „Dies ist ein schrecklicher Moment für die Stadt New York“, sagte [1][Eric
       Adams] am Sonntag in der Bronx. Die Katastrophe geschah am Anfang der
       Amtszeit des neuen Bürgermeisters. Adams, erst der zweite Afroamerikaner an
       der Spitze von New York, ist als Kind selbst in einer Sozialwohnung in
       einem anderen New Yorker Stadtteil aufgewachsen.
       
       In der Schule PS291 in der Bronx, wo Überlebende zunächst eine
       Notunterkunft gefunden haben, sagte Adams die Hilfe der Stadt zu. Er
       forderte ausdrücklich auch die Papierlosen unter den Überlebenden auf, die
       Unterstützung der Stadt zu suchen. „Wir werden niemanden bei der ICE [der
       Ausländerbehörde, die für Abschiebungen verantwortlich ist, d. Red.]
       melden“, versprach er. Auch die New Yorker Gouverneurin Kathy Hochul kam an
       den Katastrophenort. Die Stadt hat Halbmast geflaggt.
       
       Nach Ansicht von New Yorks Feuerwehrchef Daniel Nigro ging der Brand in den
       Twin Parks NW Towers von einem Elektroheizgerät aus, das in einer Wohnung
       im zweiten und dritten Stock des 19 Stockwerke hohen Gebäudes aufgestellt
       war.
       
       ## Warum waren Türen nicht wie vorgeschrieben geschlossen?
       
       Weil die Tür der Wohnung nach der Flucht ihrer Bewohner entweder offen
       blieb oder nur angelehnt war, konnten sich der dichte schwarze Rauch und
       die Flammen ungehindert über den Gang und über das Treppenhaus in die Höhe
       des Gebäudes ausbreiten. Weil auch die Tür zum Treppenhaus in einem oberen
       Stockwerk nicht geschlossen war, beschleunigte sich die Sogwirkung
       zusätzlich.
       
       Die Ermittlungen müssen ergeben, wieso die Türen keine automatischen
       Schließvorrichtungen hatten. Als Konsequenz aus einem früheren tödlichen
       Feuer in der Bronx war im vergangenen Sommer in New York City ein neues
       Brandschutzgesetz in Kraft getreten, wonach alle Türen zu Gängen und
       Treppenhäusern selbstschließend sein müssen.
       
       Auch der Feueralarm des Gebäudes funktionierte nicht ordnungsgemäß. Seit
       Monaten ging oft mehrfach am Tag falscher Feueralarm los. Am Sonntag führte
       das dazu, dass zahlreiche Bewohner des Hauses zunächst nicht reagierten,
       als der Feueralarm kurz vor 11 Uhr morgens anschlug. Für manche von ihnen
       wurden ihre Wohnungen oder die dunklen Gänge, durch die sie zu fliehen
       versuchten, später zur tödlichen Falle.
       
       Die Mietskaserne im Zentrum der Bronx hat für New Yorker Verhältnisse
       günstige Mieten. Nur Menschen mit unterdurchschnittlich niedrigem Einkommen
       haben ein Anrecht auf Wohnraum dort. In vielen Wohnungen des Gebäudes
       lebten mehrere Familien auf engem Raum zusammengepfercht.
       
       ## Zahl der Obdachlosen droht in die Höhe zu schnellen
       
       Die Situation auf dem Wohnungsmarkt in den USA hat sich bis heute nicht von
       der Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008 erholt. Damals [2][verloren fast 4
       Millionen Menschen ihre Wohnungen und Häuser]. Viele kamen bei Angehörigen
       und Freunden unter, andere vergrößerten das Heer der Obdachlosen, zu dem
       nach offiziellen Angaben im vergangenen Jahr mehr als eine halbe Million
       Menschen gehörten.
       
       In den Bundesstaaten an den beiden Küsten – New York im Osten und
       Kalifornien und Oregon im Westen – ist die Obdachlosigkeit am größten. Wenn
       der [3][vorübergehende Mieterschutz] aufgehoben wird, den verschiedene
       Bundesstaaten wegen der pandemiebedingten ökonomischen Lage angeordnet
       haben, wird sie weiter in die Höhe schnellen.
       
       Für Wohnraumspekulanten war das Gebäude voller armer Mieter in der Bronx
       ein interessantes Objekt. Erst im Jahr 2020 wechselte es – zusammen mit
       sieben weiteren Gebäuden mit festgelegten Mieten – den Besitzer. Eine
       Investmentgruppe bezahlte für die Transaktion 166 Millionen Dollar. Einer
       der Investoren der Gruppe saß auch im Beraterteam des neuen New Yorker
       Bürgermeisters Adams. Die Immobilienlobby spielt in der New Yorker Politik
       traditionell eine große Rolle.
       
       Für die Mieter der Twin Parks NW Towers wurde ihre Situation mit dem
       Verkauf noch unübersichtlicher. „Das Management wechselt seinen Namen so
       häufig wie die Unterwäsche“, sagte ein Überlebender des Großbrandes am
       Sonntag zu Reportern.
       
       10 Jan 2022
       
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