# taz.de -- Kritik an Hamburger Finanzsenator: Auftragsvergabe an Parteifreund
       
       > Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel hat einen Auftrag direkt an einen
       > Parteifreund vergeben – angeblich aus Zeitdruck. Die Linke bezweifelt
       > das.
       
 (IMG) Bild: Soll eine Millionenauftrag unsauber vergeben haben: Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel
       
       Hamburg taz | Die Linke wirft dem Hamburger Finanzsenator Andreas Dressel
       (SPD) vor, einen Millionenauftrag auf unsaubere Weise an einen Bekannten
       und Parteifreund vergeben zu haben. Den entsprechenden Vorwurf untermauerte
       der Bürgerschaftsabgeordnete David Stoop jetzt mit den Senatsantworten auf
       parlamentarische Anfragen der Linken und der CDU.
       
       Die von [1][Dressel geführte Behörde hatte im Sommer einen Auftrag für
       einen Fintech Accelerator vergeben – ohne Ausschreibung], angeblich weil
       die Zeit drängte. Der „Beschleuniger“ soll junge Unternehmen aus der
       Finanz- und Versicherungsbranche nach Hamburg holen und mit der hiesigen
       Branche vernetzen. Der Auftrag umfasste 1,3 Millionen Euro für das
       Management und 7,7 Millionen für die Fintechs. Ab einem Volumen von 214.000
       Euro muss eigentlich europaweit ausgeschrieben werden.
       
       Der Senator rechtfertigte die Direktvergabe damit, dass das Geld bis Ende
       2022 ausgegeben werden sollte. Es handele sich um eine Anschubfinanzierung,
       die ab 2023 mit privatem Geld fortgeführt werden solle. Eine europaweite
       Ausschreibung nehme in der Regel einen Zeitraum von „planmäßig bis zu neun
       Monaten“ in Anspruch“. Inklusive der aufwendigen Vor- und Nachbereitung
       wäre der Fintech-Accelerator voraussichtlich erst zur Jahresmitte 2022
       einsatzfähig gewesen. „Damit wäre der Förderzweck von vorneherein verfehlt
       worden“, teilte die Behörde mit.
       
       Den Abgeordneten Stoop überzeugt das nicht. „Angesichts der Tatsache, dass
       die Entscheidung über die Auftragsvergabe bereits am 14. Januar 2021
       getroffen wurde, wäre ausreichend Zeit für ein ordentliches
       Vergabeverfahren gewesen“, findet er. Allerdings läuft der
       Fintech-Accelerator trotz der Beschleunigung durch die Direktvergabe bis
       heute nicht. Dabei sollte er „spätestens im Oktober 2021 an den Start
       gehen“. Derzeit werde der Aufbau des Fonds finalisiert, teilte der Senat
       mit.
       
       Auf Misstrauen der Linken stößt auch, dass insgesamt nur drei Bewerber zur
       Vorstellung eingeladen wurden. Insbesondere alle in Hamburg ansässigen
       Fintechs seien demnach unberücksichtigt geblieben.
       
       Diese Unternehmen seien bis auf zwei reine Fintechs und keine
       Acceleratoren, rechtfertigt sich die Behörde. Die Auswahl der Bewerber habe
       eine Arbeitsgruppe getroffen, die den im Rahmen des „[2][Masterplans
       Hamburger Finanzwirtschaft 2021–2025]“ beschlossenen Accelerator auf die
       Beine stellen soll. Der Masterplan sei gemeinsam mit Vertretern der
       Hamburger Finanzwirtschaft, dem Verein Finanzplatz Hamburg, der
       Handelskammer, Verbänden, Gewerkschaften sowie der Börse erarbeitet worden.
       Die Arbeitsgruppe habe allen Interessierten offen gestanden, versichert die
       Behörde.
       
       Allein schon, dass der Auftrag an einen Parteifreund des [3][Senators]
       gegangen sei, rücke die ganze Sache in ein zweifelhaftes Licht, findet
       Stoop. „An diesem Beispiel wird deutlich, weshalb unbedingt transparente
       Verfahren eingehalten werden müssen.“
       
       29 Dec 2021
       
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