# taz.de -- Busfahrer:innen im Arbeitskampf: Unwürdige Bedingungen
       
       > Wer auf dem platten Land Bus fährt, muss auch auf dem platten Land die
       > Pausen machen – ob mit oder ohne Toilette. Die Fahrer:innen
       > protestieren.
       
 (IMG) Bild: Niedersachsens Einöde lädt nicht gerade zum Verweilen ein – und auch nicht zum Pipi machen
       
       Das Problem ist altbekannt und typisch für das platte Land: Wenn
       Busfahrer:innen am Wendepunkt einer langen Tour über die Dörfer ihre
       vorgeschriebenen 20 bis 30 Minuten Pause machen, gibt es da oft kein Klo.
       Manche Busunternehmen behelfen sich mit kleinen Deals mit örtlichen
       Bäckereien oder Supermärkten. Aber hier und da im Nirgendwo geht auch das
       nicht. Dann stellt man ein Dixi-Klo auf, meist versteckt in einem
       Holzverschlag oder hinter einem Metallzaun.
       
       In der Region Hannover sind die Busfahrer:innen gerade aufgebracht,
       weil sich selbst diese Behelfslösung noch etwas schlimmer einrichten lässt:
       Die stationären Toilettenanlagen, beklagen sie, sind uralt und die
       Dixi-Klos werden nur ein- bis zweimal pro Woche geputzt, und in den Tagen
       dazwischen sind die Wassertanks genauso leer wie die Seifenspender. Was sie
       besonders fuchst, ist, dass auf ihre Beschwerden nicht reagiert wird.
       
       Dabei ist ihr Arbeitgeber keineswegs einer dieser Ausschreibungsgewinnler,
       wie sie regionalen Anbietern mit Dumpingpreisen das Leben schwer machen.
       Nein, die Regiobus ist ein Tochterunternehmen der Region, mithin
       öffentlich. Und gibt sich [1][sehr gerne sehr progressiv], zumal man ja
       ständig auf Personalsuche ist.
       
       Erst im März trumpfte das Unternehmen damit auf, [2][künftig von einem
       Frauentrio geführt] zu werden. Elke van Zadel, Denise Hain und Regina
       Oelfke fungieren hier als Geschäftsführerinnen, sind zugleich auch
       Vorständinnen des hannoverschen Nahverkehrsunternehmens Üstra. Das wiederum
       verkündete im Sommer ganz groß, künftig auf den Begriff „Schwarzfahren“ zu
       verzichten.
       
       Wenn es aber darum geht, auf die eigenen Mitarbeiter:innen zu hören,
       statt wohlfeile Marketingaktionen zu ergreifen, ist man etwas weniger fix.
       Auf einer Betriebsversammlung im August eskalierte der Konflikt: Von
       menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen sprachen die Fahrer:innen. Ihren
       Angaben zufolge soll sich die Geschäftsführung sogar zu der Aussage
       verstiegen haben, der Betriebsrat solle sich doch mal Gedanken machen, wie
       man eine häufigere Reinigung finanzieren könne.
       
       ## Mehr Verständnis von der Chefin?
       
       Fahrerin Jenny Russ ist enttäuscht: „Ich hätte halt erwartet, dass die als
       Frauen eher ein Verständnis dafür haben, dass wir ja nicht wie die Männer
       mal eben in die Büsche gehen können. Und dass wir – vor allem wenn wir
       einmal im Monat unsere Regel haben – uns auch dringend die Hände waschen
       möchten, bevor wir wieder Tickets ausgeben oder in unser Pausenbrot beißen.
       Von Hygieneregeln gegen Corona jetzt mal ganz zu schweigen.“
       
       Mittlerweile, sagt der zuständige Gewerkschaftssekretär von Verdi, habe man
       sogar schon das Gewerbeaufsichtsamt in Marsch gesetzt – und auch das habe
       darauf hingewiesen, dass die Toiletten häufiger gereinigt werden müssten.
       
       Das Unternehmen zeigt sich von der massiven, öffentlich gemachten Kritik
       überrascht: „Natürlich wissen wir, dass das ein schwieriges Thema ist, das
       immer wieder für Unmut sorgt. Aber wir sind ja auch schon seit September
       dabei, zusammen mit dem Betriebsrat nach Lösungen zu suchen“, sagt eine
       Sprecherin.
       
       Vor allem an den vier Standorten, wo man gerade ohnehin baue, seien
       selbstverständlich ordentliche Toiletten eingeplant worden. Und die
       Reinigungsintervalle der 31 mobilen Klos würden auch noch einmal gründlich
       überprüft. Dass den Fahrer:innen jetzt der Geduldsfaden reißt, erklärt
       man sich hier mit politischen Gründen: Bei der anstehenden Betriebsratswahl
       buhlen zwei konkurrierende Listen um Stimmen.
       
       15 Nov 2021
       
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