# taz.de -- Rechtsradikales Oktoberfest in Hamburg: AfD-Gastgeberin in Quarantäne
       
       > Die AfD-Politikerin Nicole Jordan erwartet am Samstag 400 Gäste aus dem
       > rechten Spektrum – obwohl sie Kontakt mit einem Corona-Infizierten hatte.
       
 (IMG) Bild: Die Gastgeberin: AfD-Politikerin Nicole Jordan im Jahr 2017
       
       Das geplante Gartenfest mit rechtsradikaler Prominenz auf dem Grundstück
       der AfD-Bezirkschefin von Hamburg-Mitte, Nicole Jordan, findet statt –
       obwohl sie sich in Quarantäne befindet. Eine Absage der für Samstag
       geplanten „Bürgerstunde und Oktoberfest“ mit 400 erwarteten Gästen hält
       Jordan für nicht geboten, sagt sie der taz. Sie bestätigte, dass sie in
       Quarantäne sei, ihr Wohngelände könne aber trotzdem genutzt werden. „Ich
       bleibe der Veranstaltung auch fern“, sagt Jordan weiter.
       
       Die AfD-Politikerin nahm am 21. Oktober an einer Bezirksversammlung teil,
       an der auch eine mit Covid-19 infizierte Person anwesend war. Zu dem
       Zeitpunkt sei die Person auch schon infektiös gewesen. Die Räumlichkeit
       habe eine gute Lüftung verhindert, so dass alle Anwesenden als „enge
       Kontaktpersonen“ gelten. Die Quarantänepflicht gilt nicht für Geimpfte oder
       Genese. Beides trifft für Jordan offenbar nicht zu. In ihrem Milieu wird
       Impfen massiv abgelehnt.
       
       Bei ihrer Veranstaltung am Samstag wird auch Prominenz aus dem Europäischen
       Parlament erwartet: [1][Nicolaus Fest] von der AfD und [2][Roman Haider]
       von der FPÖ werden in einer Einladung angekündigt, die der taz anonym
       zugespielt wurde.
       
       Ab 15 Uhr ist Einlass zu dem „Bürgerdialog zünftiger Art“. Für das
       „leibliche Wohl“ werde „natürlich“ gesorgt. Ein Busservice vom Hauptbahnhof
       zum Veranstaltungsort soll die Anreise erleichtern. Für „Anreisende von
       weit her“ sollen zudem „günstige Übernachtungen“ organisiert werden. Bis zu
       400 Teilnehmende werden erwartet, heißt es in dem anonymen Schreiben. In
       ihm wird gewarnt, dass auf dem Hof von Jordan die Coronabestimmungen nicht
       eingehalten werden. Denn „die AfD bleibt die Partei der Coronaleugner und
       gefährde mit solchen Veranstaltungen die Gesundheit“.
       
       Auf dem Fest dürfte nicht bloß das Essen „zünftig“ werden. Die
       angekündigten Redner stehen auch für eine derbe Politik. 2016 stellte die
       AfD im Bundespressehaus den damaligen „prominenten Neuzugang“ Fest vor. Der
       ehemalige stellvertretende Chefredakteur der Bild am Sonntag hatte zuvor
       schon mal den Islam als ein Integrationshindernis bezeichnet.
       
       Vor der Hauptstadtpresse behauptete er, dass die heutigen Nazis die
       Islamisten seien, und verglich das Tragen von Kopftüchern mit dem Zeigen
       von SS-Runen oder Hakenkreuzen. Der Islam sei eine totalitäre Bewegung wie
       der Stalinismus. In der Logik des AfD-Europaabgeordneten ist der Islam
       nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Und er forderte, in Deutschland das
       „öffentliche Zeigen dieser Ideologie“ zu unterdrücken und „alle Moscheen zu
       schließen“.
       
       2020 griff im Europäischen Parlament Haider ebenso den Islam an. Er stellte
       zuerst fest, dass in der „westlichen Gesellschaft“ und in „unserer Kultur“
       Gewalt gegen Frauen nicht mehr „als Kavaliersdelikt“ angesehen werde.
       
       2015 jedoch sei mit der Öffnung der Grenzen für Migranten ein „ganz
       gewaltiger Rückschlag“ erfolgt, der eine „neue Welle der Gewalt gegen
       Frauen“ nach sich gezogen habe. Die „archaische und fremde Kultur“ der
       „Masseneinwanderung aus islamischen Ländern“ hätte zu einer „neuen Flut von
       Frauenmorden, Vergewaltigungen und Gewalt in der Familie“ geführt. Und er
       meint: „Wenn es um kulturbedingte Gewalt an Frauen geht, dann schweigen die
       Linken. Die Willkommensklatscher haben genau diese Gewalt nach Europa
       geholt.“
       
       Am Samstag dürfte diese Hetze und Verzerrungen bei Jordan Zuspruch und
       Applaus finden. Die AfD-Politikerin steht dem parteiinternen „Flügel“ nahe,
       der vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft
       wurde und sich formal aufgelöst hat. Auf ihrem Grundstück fanden bereits
       Parteiveranstaltungen statt – vor dem Grundstück aber auch schon Proteste.
       
       Aktualisierte Version
       
       28 Oct 2021
       
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