# taz.de -- Leaks aus Sondierungsgesprächen: Der Boulevard ist am Ziel
       
       > Viele beklagen sich darüber, dass Details aus den Sondierungsgesprächen
       > durch die Presse geleakt werden. Doch schuld ist die Politik.
       
 (IMG) Bild: Armin Laschet (CDU) als Kanzlerkandidat im Studio von Bild TV
       
       Die Sondierungsgespräche sind abgeschlossen, jetzt kann richtig verhandelt
       werden. Früher war das die Zeit für Abwarten und Tee trinken. Heute gibt es
       #handyalarm bei Bild live und alle regen sich drüber auf. Alles würde
       durchgestochen, motzt die Politik. Die Sondierungsgespräche der Union
       hätten Interessierte „auf Twitter quasi eins zu eins nachlesen“ können, so
       der Grüne Cem Özdemir.
       
       Darf noch mal an das erste thermische Gesetz des Boulevardjournalismus
       erinnert werden? Wenn sich alle über Bild aufregen, dann haben [1][Julian
       Reichelt], Paul Ronzheimer und Co ihr Klassenziel erneut erreicht. In
       diesem Fall ist es dazu auch noch komplett wohlfeil. Es ist das Problem der
       Politik bzw. der handelnden Politiker*innen. Da wird ja alles rausgeblasen.
       Dass sie danach den Medien vorwerfen, dass sie ihnen zugespielte
       Info-Schnipsel verwenden und weitermelden, zäumt das Pferd von hinten auf.
       Das passt zur aktuellen politischen Lage. Da sieht sich Armin Laschet
       absurderweise immer noch als ernst zu nehmenden Bewerber ums Kanzleramt.
       
       Schon beim Jahrestreffen von Netzwerk Recherche 2007 greinte Christian
       Wulff, das Vertrauensverhältnis zwischen Politiker*innen und
       Journalist*innen sei gestört. Wulff war damals niedersächsischer
       Ministerpräsident und der Rubikon noch nicht überschritten. Dass aus
       Präsidiumssitzungen der CDU schon damals alles nach draußen drang, daran
       seien die Journalist*innen schuld, so Wulff.
       
       Und weil in den Medien auch viel zu viele Details aus den Hinterzimmern
       der Politik preisgegeben werden, brächten ja auch Hintergrundgespräche
       nix. Damit hatte der spätere Bundespräsident seinen zukünftigen medialen
       Schiffbruch schon recht präzise skizziert. Und logischerweise gleichzeitig
       ziemlich genau die Aufgabe der Medien umrissen.
       
       ## Dauer-Leaking hat Haken
       
       Trotzdem hat das ganze Dauer-Leaking von heute einen Haken. Denn die
       heißdüsige und dabei oft blutarme Fast-Echtzeit-Berichterstattung kommt
       natürlich genauso schnell wieder bei den nicht mehr so trauten
       Verhandlungsrunden an. Unser Ex-taz-Kollege und [2][heutige Mann von Welt
       Robin Alexander] nennt das „eine Art Heisenberg’sche Unschärferelation,
       weil das Berichtete das weitere Geschehen unmittelbar beeinflusst“. „Alle
       behaupten von sich, sie sind die Chefköch*innen, spucken sich gegenseitig
       in die Suppe und verderben sich den Magen“, meint die Mitbewohnerin.
       „Gesund ist das nicht!“
       
       Mit dem guten, alten Durchstechen hat das übrigens nur noch wenig zu tun.
       Denn da ging es um Wichtiges, das von den Medien auch noch eingeordnet
       werden musste. Heute gibt’s oft nur schlichte Sätze, die Julian, Paul und
       Co vom Handy ablesen und mit viel heißem Dampf als Weltnachrichten
       verkaufen.
       
       7 Oct 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bild-Chef-Reichelt-nach-Freistellung/!5761445
 (DIR) [2] https://www.welt.de/debatte/kommentare/plus234245828/Robin-Alexander-ueber-die-Ampel-Gespraeche-Fuer-Armin-Laschet-war-es-das.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Steffen Grimberg
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kolumne Flimmern und Rauschen
 (DIR) Kolumne Flimmern und Rauschen
 (DIR) Bild-Zeitung
 (DIR) Boulevard
 (DIR) Sondierung
 (DIR) Kolumne Flimmern und Rauschen
 (DIR) Kolumne Flimmern und Rauschen
 (DIR) Bild-Zeitung
 (DIR) Kolumne Flimmern und Rauschen
 (DIR) Sondierung
 (DIR) Ampel-Koalition
 (DIR) Schwerpunkt Wahlen in Berlin
 (DIR) Sondierungsgespräche
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Zukunft der ARD: Sachsen-Anhalt abschaffen
       
       CDU-Parlamentarier aus Sachsen-Anhalt fordern, dass „Das Erste“ abgeschafft
       wird. Warum dreht die ARD den Spieß nicht einfach um?
       
 (DIR) Nikolaus mit Rute und Mathias Döpfner: Das jährliche Weihnachtsgeschwurbel
       
       In den Medien gibt es gerade wieder richtig viel Gold, Weihrauch und Myrrhe
       für die pandemiemüde Volksseele. Warum eigentlich?
       
 (DIR) Abgesang auf Julian Reichelt: Hausgemachter „Bild“-Skandal
       
       „Bild“-Chef Julian Reichelt ist freigestellt, nachdem die „New York Times“
       dessen Machtmissbrauch aufdeckte. Macht strömte ihm aus jeder Pore.
       
 (DIR) Sportradios in Deutschland: Die Themen dahinter
       
       Unter den Digitalsendern tummeln sich ziemlich viele und einige recht
       skurrile Sportradios. Ein Überblick über die gut trainierte
       Radiolandschaft.
       
 (DIR) Erste Sondierung von SPD, Grüne und FDP: Ampel-Sondierung bei Tageslicht
       
       Am Donnerstag trafen sich erstmals SPD, Grüne und FDP zu Sondierungen.
       Montag geht's weiter. Grüne versprechen: Es wird keine Nachtsitzungen
       geben.
       
 (DIR) Aktuelle Nachrichten zu den Sondierungen: Scholz stimmt Ampel-Gesprächen zu
       
       FDP und Grüne wollen mit der SPD über eine Koalition verhandeln – Olaf
       Scholz nimmt an. CDU-Chef Laschet gibt die Hoffnung auf Jamaika trotzdem
       nicht auf.
       
 (DIR) Sondierungsgespräche in Berlin: Enteignung setzt SPD unter Druck
       
       Die nächste Koalition muss eine klare Linie zum Enteignen-Volksentscheid
       haben. Die Glaubwürdigkeit der SPD steht auf dem Spiel.
       
 (DIR) Sondierungsgespräche in Berlin: Psst, ganz geheim!
       
       Nach der Abgeordnetenhauswahl spricht die SPD an diesem Montag mit CDU und
       FDP. Die Sondierungen mit Linken und Grünen verliefen vielversprechend.