# taz.de -- Bericht der Weltwetterorganisation WMO: Der Amazonas kippt
       
       > Teile des Regenwaldes sind laut der Weltwetterorganisation WMO keine
       > Kohlenstoffsenke mehr. Vielmehr würden sie nun zur Klimakrise beitragen.
       
 (IMG) Bild: Brennender Regenwald in Brasilien im September 2021
       
       Genf taz | Bisher galt beim [1][Klima] die Gewissheit: Autos oder
       Kraftwerke stoßen Kohlenstoffdioxid (CO2) aus und tragen damit zur
       Erderwärmung bei, Wälder wandeln das Treibhausgas in Sauerstoff um und
       entlasten so das Klima. Für den Amazonas gilt diese Gewissheit nun nicht
       mehr.
       
       Der Südosten des Regenwalds in Südamerika hat sich von einer
       Kohlenstoffsenke zum Nettoemittenten gewandelt. Das teilte die
       Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am Montag in Genf mit und bezieht
       sich dabei auf atmosphärische Messungen zwischen 2010 und 2018.
       
       Die [2][Aufnahmekapazität des größten Regenwalds der Welt] als Ganzes sei
       damit signifikant reduziert, warnte die für Forschungsfragen zuständige
       Abteilungsleiterin der WMO, Oksana Tarasova. Dies sei besonders kritisch,
       weil Kohlenstoffsenken die Hälfte der Treibhausgase absorbierten und damit
       Voraussetzung dafür seien, die Pariser Klimaziele zu erreichen.
       
       Als Grund für den dramatischen Wandel nannte Tarasova Abholzungen und teils
       künstlich gelegte Brände im brasilianischen Teil des Regenwalds. Der
       westliche Teil des Amazonas nehme seine Funktion als Senke aktuell noch
       wahr. „Wir können aber nicht sagen, wie lange noch.“
       
       ## Neuer Höchstwert seit Beginn der Industrialisierung
       
       Die Konzentration von [3][Treibhausgasen in der Atmosphäre n]ahm
       vergangenes Jahr weiter zu. Zwischen 2019 und 2020 stieg der Anteil von
       Kohlenstoffdioxid um 2,5 parts per million (ppm) oder 0,61 Prozent und
       damit ähnlich stark wie im Jahr zuvor. In 2020 betrug der CO2-Anteil in der
       Atmosphäre demnach 413,2 ppm und damit knapp eineinhalb mal so viel wie vor
       Beginn der Industrialisierung im Jahr 1750, ein neuer Höchstwert.
       
       Die Covidpandemie habe keinen dämpfenden Effekt auf den Ausstoß des
       wichtigsten Treibhausgases gehabt, sagte WMO-Chef Petteri Taalas. Der
       Anteil von Methan in der Atmosphäre stieg auf 262 Prozent, der von Lachgas
       auf 123 Prozent des Niveaus von 1750. Methan ist 25-, Lachgas sogar 300-mal
       klimaschädlicher als CO2, das für zwei Drittel der Erderwärmung
       verantwortlich ist. Letzteres braucht zudem Jahrhunderte, bis es wieder
       abgebaut wird.
       
       Die Zahlen enthielten eine klare wissenschaftliche Botschaft für den
       Klimagipfel in Glasgow, so Taalas: „Wenn der [4][Treibhausgasausstoß]
       ungebremst weitergeht, dann werden wir am Ende dieses Jahrhunderts eine
       Temperaturzunahme sehen, die weit über die in Paris vereinbarten 1,5 bis 2
       Grad hinausgeht.“ Eine vergleichbare Konzentration von CO2 auf der Erde
       habe es zuletzt vor drei bis fünf Millionen Jahren gegeben, als die Erde
       zwischen zwei und drei Grad wärmer gewesen sei. „Damals lebten aber keine
       7,8 Milliarden Menschen auf der Erde“, sagte Taalas.
       
       25 Oct 2021
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Marc Engelhardt
       
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