# taz.de -- Coronaproteste in Rumänien: Aufstand im Hochrisikogebiet
       
       > In Rumänien haben Impfskeptiker und Rechte gegen die Coronapolitik
       > demonstriert. Auch die Opposition kritisiert die Regierung und will sie
       > stürzen.
       
 (IMG) Bild: Sie wollen den Rücktritt der rumänischen Regierung: Protest am 2. Oktober in Bukarest
       
       Berlin taz | Über 12.000 Menschen protestierten am Samstag in der
       rumänischen Hauptstadt Bukarest gegen die Gesundheitspolitik und die
       Coronamaßnahmen der Regierung. Die Demonstration wurde von zwei
       Gruppierungen organisiert: von der im Parlament vertretenen rechtsradikalen
       Partei AUR (Allianz für die Vereinigung der Rumänen) und von der militanten
       Impfgegnerin und parteilosen Parlamentarierin Diana Şoşoacă.
       
       Ihnen schlossen sich mehrere rechtsextremistische, europa- und
       impfskeptische Gruppierungen an. Ferner waren an der Kundgebung, die auf
       dem Universitätsplatz, vor dem Regierungssitz und dem Präsidialpalais
       stattfand, auch Vertreter der Gewerkschaften sowie Angestellte aus dem
       Hotel- und Gastwirtschaftsgewerbe zugegen. Ähnliche Kundgebungen fanden in
       weiteren Städten statt. In Rădăuţi setzten die Sicherheitskräfte Tränengas
       ein.
       
       Zur aufgeheizten Stimmung trug ein am Freitag in einem Krankenhaus in
       Constanţa ausgebrochener Brand bei. Sieben auf der Intensivstation
       behandelte Coronapatienten starben und mindestens 15 weitere befinden sich
       in einem kritischen Zustand.
       
       In den letzten Monaten gab es zwei ähnliche Brände mit Verletzten und Toten
       in Krankenhäusern in Piatra Neamţ und in Bukarest, was auf die [1][prekäre
       Lage des rumänischen Gesundheitssektors] zurückzuführen ist. Präsident
       Klaus Johannis erklärte, der Staat habe in seiner fundamentalen Mission
       versagt, das Leben seiner Bürger zu schützen.
       
       ## Mehrheit für Misstrauensvotum in Sicht
       
       Die Demonstranten forderten am Samstag nicht nur den Rücktritt des Premiers
       Florin Cîţu, sondern auch den des Präsidenten, den sie für die
       katastrophale Lage des Gesundheitssystems sowie für den Anstieg der
       Lebensmittel- und Energiepreise mitverantwortlich machen.
       
       Inzwischen wurde im Parlament ein Misstrauensantrag der Opposition
       eingebracht. Darin wird der Regierung ein totales Versagen vorgeworfen –
       aus wirtschafts-, sozial- sowie gesundheitspolitischer Sicht. Für den
       Misstrauensantrag wird am Dienstag auch die aus der Regierungskoalition
       ausgetretene [2][reformistisch-neoliberale Partei USR-Plus] stimmen.
       Derzeit zeichnet sich eine Mehrheit im Parlament ab, was voraussichtlich
       den Sturz der Regierung herbeiführen wird.
       
       Nur rund 30 Prozent der Rumänen sind vollständig geimpft. Die niedrige
       Impfrate wird ebenfalls der chaotischen Coronapolitik der Regierung
       zugeschrieben. Wegen der steigenden Inzidenz schätzt die Bundesregierung ab
       Sonntag auch das EU-Land Rumänien als Hochrisikogebiet ein. Auf der Liste
       stehen außerdem die EU-Länder Slowenien und Litauen.
       
       3 Oct 2021
       
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