# taz.de -- Grenze zwischen USA und Mexiko: Peitschenhiebe unter der Brücke
       
       > Seit Tagen harren Tausende Geflüchtete aus Haiti am Grenzfluss Rio Grande
       > aus, um in die USA zu gelangen. Polizisten auf Pferden prügeln auf sie
       > ein.
       
 (IMG) Bild: Traum vom Leben in den USA: Migrant am Montag im Rio Grande
       
       Berlin taz | Videoaufnahmen von weißen berittenen Polizisten, die mit
       peitschenähnlichen Gegenständen auf Schwarze Migrant*innen einschlagen,
       haben am Montag die Diskussion in den USA über die Lage in der Ortschaft
       Del Rio an der Südgrenze zu Mexiko noch einmal verschärft. „Dies ist ein
       Schandfleck für unser Land“, schrieb die Kongressabgeordnete [1][Alexandria
       Ocasio-Cortez auf Twitter]. Und selbst Biden-Sprecherin Jen Psaki räumte
       ein, die Bilder seien „schrecklich“.
       
       Unter der Brücke, die an dieser Stelle den Grenzfluss Rio Grande überquert,
       harren seit Tagen bis zu 14.500 Migrant*innen aus. Die meisten von ihnen
       stammen aus Haiti. Gerüchte, dass die Grenze zu den USA an dieser Stelle
       offen und durch den niedrigen Wasserstand des Flusses leicht zu überwinden
       sei, hatten die Menschen dorthin gezogen. Die meisten der
       Haitianer*innen haben ihr Land schon vor vielen Jahren verlassen und
       bislang in anderen lateinamerikanischen Ländern gelebt, vorwiegend in
       Chile, Brasilien und Panama.
       
       Jetzt hat die US-Regierung damit begonnen, die Menschen [2][ohne Einleitung
       eines Asylverfahrens] direkt in Flugzeuge zu setzen und nach Haiti zu
       fliegen. Mindestens drei Maschinen mit jeweils 300 Menschen an Bord sind
       bereits in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince gelandet. Mindestens so viele
       Flugzeuge sollen jetzt jeden Tag nach Haiti fliegen. Betroffene berichten,
       sie seien von den Sicherheitsbeamten getäuscht worden, als man sie aus Del
       Rio wegbrachte – sie hätten erwartet, in Unterkünfte transferiert zu
       werden, stattdessen fanden sie sich auf dem Weg zum Flugzeug.
       
       Haitis Regierung hat inständig um ein Abschiebemoratorium gebeten: Nach
       [3][Präsidentenmord] und [4][Erdbeben] sieht sich das Land nicht in der
       Lage, für die Ankommenden zu sorgen.
       
       ## Kein Zugang für Journalist*innen
       
       Die US-Regierung unter Präsident Joe Biden begründet die Abschiebungen ohne
       Asylverfahren mit dem sogenannten Titel 42, einer unter der Präsidentschaft
       Donald Trumps eingeführten Verordnung, die aufgrund der Coronapandemie
       sofortige Abschiebungen erlaubt.
       
       Journalist*innen ist der Zugang zu dem unter der Brücke entstandenen
       Camp offenbar verwehrt. Im progressiven Nachrichtenportal [5][Democracy
       Now!] berichtet eine Reporterin des Miami Herald, sie habe von allen Seiten
       versucht, in das Camp zu kommen, sei aber stets von den US-Behörden
       gehindert worden.
       
       Während US-Präsident Joe Biden ein schon bestehendes Abschiebemoratorium
       für Haitianer*innen verlängert hat, das nach dem schweren Erdbeben 2010
       ausgesprochen wurde, gilt das aber nicht für neu ankommende. Und auch von
       der noch im Wahlkampf angekündigten Erhöhung der Obergrenze aufzunehmender
       Geflüchteter auf 125.000 Menschen pro Jahr können die Menschen unter der
       Brücke nicht profitieren – denn die ist noch immer nicht umgesetzt und soll
       erst ab Oktober gelten.
       
       21 Sep 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://twitter.com/AOC/status/1440046116486062080
 (DIR) [2] /Abschiebungen-nach-Haiti/!5802337
 (DIR) [3] /Nach-Praesidentenmord-in-Haiti/!5801858
 (DIR) [4] /Nach-dem-Erdbeben-auf-Haiti/!5789628
 (DIR) [5] https://www.democracynow.org/2021/9/20/haitian_asylum_seekers_mass_deportations
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernd Pickert
       
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