# taz.de -- Solidarität nach rassistischer Email: Stadtwerke gegen Rechts
       
       > Eine Mitarbeiterin der Stadtwerke Osnabrück wurde durch einen Kunden
       > rassistisch beleidigt. Das Unternehmen geht dagegen in die Offensive.
       
 (IMG) Bild: Niemand wird allein gelassen: Seifenkiste bei einem Seifenkistenrennen 2019 in Osnabrück
       
       Osnabrück taz | Freundlicher lächeln kann man nicht: Die junge Frau, in
       Jeans und weißem T-Shirt, sieht den Betrachter direkt an. Neben ihr türmen
       sich farbenfrohe Kissen, hinter ihr ist eine Fachwerk-Dachschräge zu sehen.
       Privat wirkt das, heimelig.
       
       Am 15. August ist das Foto in einer Anzeige der Stadtwerke Osnabrück auf
       Seite 5 der Osnabrücker Nachrichten zu sehen. Was am Tag danach geschieht,
       ist empörend. Ein Kunde der Stadtwerke schreibt eine Mail an seinen
       Energieversorger: Die Anzeige widere ihn an. „Wenn Sie meinen, mit
       exotischen Personen Reklame machen zu können, ist dies eine Sache, die ich
       bei einem Regionalanbieter nicht nachvollziehen kann noch will.“
       Gleichzeitig storniert er seinen Gasvertrag, sein zweiwöchiges
       Widerrufsrecht läuft noch.
       
       Was der Kunde nicht weiß: Die Fotografierte ist kein Model, extern für das
       Shooting gebucht. Die junge Frau, 29, seit mehr als zehn Jahren Mitglied
       der Stadtwerke-Belegschaft, ist die Assistentin von Jan-Peter Bruns, der
       den Bereich „Markt & Kunde“ verantwortet. Und sie selbst ist es, die die
       Mail öffnet. Es ist für sie ein Schock. Es macht sie fassungslos,
       sprachlos.
       
       „Das ist purer Rassismus!“, sagt Sebastian Philipp, Sprecher der
       Stadtwerke. „Und es ist schlimm, dass eine Kollegin von uns etwas
       Derartiges erleben muss!“ Man merkt ihm seine Bewegtheit an. „Das geht mir
       schon ziemlich nahe“, sagt er. „Uns allen!“
       
       Die Bestärkung, die die 29-Jährige von ihrem Arbeitgeber erfährt, ist
       vorbildlich. Auch [1][auf Facebook zeigt der klare Kante]: „Intoleranz und
       Rassismus – das ist für uns ein absolutes No-Go!“, heißt es da. „Wir sagen
       STOP – und sind stolz auf die Vielfalt unseres Unternehmens, wir stehen für
       Diversität und Offenheit und hinter unserer Kollegin. Jetzt und in
       Zukunft!“ Das brachte über 100 gereckte Daumen. Ein [2][ähnlicher Post auf
       Instagram] brachte über 150 Herzen.
       
       Viele Mut machende Anrufe gingen in der Unternehmenszentrale ein, viele
       Mails, aus Osnabrück und dem Umland. Kein einziges Mal hatte der
       rassistische Gas-Kunde in ihnen Fürsprecher. „Besonders berührend war der
       Anruf einer älteren Dame“, erzählt Philipp. „Sie sagte zu uns: 'Wir sind
       nicht alle so in Osnabrück!’“ Auch im Intranet der Stadtwerke war die
       Resonanz groß – und der Zusammenhalt.
       
       Wie offensiv die Stadtwerke die Sache angegangen sind, zeigt nicht nur ihr
       Schritt an die Medien. Auch ihr juristischer Weg ist ein deutliches
       Zeichen: „Wir prüfen derzeit“, sagt Philipp, „ob sich dieser Übergriff
       strafrechtlich verfolgen lässt“. Seine Kollegin, temporär auf eigenen
       Wunsch vom Dienst freigestellt und mit der taz schriftlich in Kontakt,
       möchte sich derzeit nicht direkt äußern. „Sie will jetzt erst einmal zur
       Ruhe kommen“, sagt Philipp. Und dann ergänzt er: „Die Rassisten sind laut.
       Aber sie sind nicht die Mehrheit!“
       
       So sieht das auch Tahir Della, Sprecher der Berliner Initiative Schwarze
       Menschen in Deutschland. „Rassismus ist ein strukturelles, ein systemisches
       Problem“, sagt er. „Aber dass er jetzt verstärkt auftritt, bestätigt
       zugleich, dass wir uns gesamtgesellschaftlich in die richtige Richtung
       entwickeln, weg von Diskriminierung und Marginalisierung, hin zu mehr
       Diversität. Je weiter wir da kommen, desto stärker wird der Widerstand.
       Aber das sind Rückzugsgefechte.“
       
       Der Stadtwerke-Mitarbeiterin rät er, Kontakt zu schwarzen
       Selbstorganisationen zu suchen, sich politisch gegen Rassismus
       organisieren. Die Reaktion ihres Umfelds lobt er: „Solidarisierung wirkt
       unheimlich bestärkend. Gut auch, dass da nichts kleingeredet wird.“
       
       Auch Filiz Polat, Bundestagsabgeordnete der Grünen aus Bramsche bei
       Osnabrück, zeigt sich solidarisch: „Es ist wirklich erschütternd, dass es
       diese rassistischen Ausfälle aufgrund von Hautfarben noch immer gibt. Und
       es gibt sie leider viel zu oft.“ Hier sei die Gesellschaft gefragt. „Ich
       bin selbst immer wieder Ziel rassistischer Anfeindungen und kann daher sehr
       gut nachempfinden, was das mit einem macht und wie man sich fühlt. Wichtig
       ist, dass diese Angriffe juristisch konsequent verfolgt werden.“
       
       7 Sep 2021
       
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 (DIR) [2] https://www.instagram.com/p/CTURPeOCVlO/?utm_medium=copy_link
       
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