# taz.de -- Vermietung als Marketingcoup: Die Werbewirkung ist unbezahlbar
       
       > Die Deutsche Wohnen poliert ihr Image und rettet eine von Verdrängung
       > bedrohte Kreuzberger Buchhandlung. Zum Samariter wird sie deshalb aber
       > nicht.
       
 (IMG) Bild: Protest gegen die drohende Räumung der Buchhandlung Kisch & Co. im April 2021
       
       Der folgende Text ist keine Werbeanzeige, trägt aber einer gelungenen
       Marketingaktion der Deutsche Wohnen Rechnung – da führt nichts dran vorbei.
       Schon im Mai wandte sich der Konzern an den vor der Zwangsräumung stehenden
       Eigentümer des Buchladens [1][Kisch & Co.] in der Oranienstraße, um ihm ein
       neues Domizil anzubieten.
       
       Aus dem Angebot wurde ein Vertrag. Sechs Häuser neben dem alten Standort
       kann Thorsten Willenbrock, der seine bisherigen Räumlichkeiten diese Woche
       abgeben musste, ab September wieder Bücher verkaufen – und das zu durchaus
       tragbaren Mietkonditionen.
       
       Die Deutsche Wohnen, deren [2][Image in der Stadt] kaum besser ist als das
       eines Sklavenhändlers, hat die Chance genutzt, ihren ramponierten Ruf
       aufzupolieren und damit indirekt dem Enteignungs-Volksbegehren etwas
       entgegenzusetzen. Dafür, dass der Aktienkonzern nun quer durch die
       Medienlandschaft als Retter eines Kulturstandortes erscheint, musste er nur
       darauf verzichten, aus einem kleinen Ladenlokal das Maximum
       herauszupressen.
       
       Kisch & Co. erhält einen Staffelmietvertrag über elf Jahre und zahlt
       zunächst weniger als der Modeladen, der die Räume vorher innehatte. Für die
       Deutsche Wohnen bedeutet das Peanuts. Die Werbewirkung aber ist
       unbezahlbar.
       
       Buchhändler Willenbrock ist sich dessen bewusst, dass die Deutsche Wohnen
       ihm den neuen Laden zu Marketingzwecken vermietet, aber was soll’s:
       Nachvollziehbarerweise ergreift ein kleiner Einzelhändler den einzigen
       Strohhalm, der sich bietet. Selbstverständlich bleibt aber auch: Die
       Deutsche Wohnen ist kein Samariter, kein sozialer Vermieter, sondern auf
       Maximalprofit getrimmt. Viele andere ihrer Gewerbemieter*innen müssen
       darunter leiden.
       
       Gleichzeitig ist der Konzern zwar [3][der größte, aber nicht der
       schlimmste] Vermieter der Stadt. Einer, der immerhin greifbar ist, anders
       als der luxemburgische Fonds, der Willenbrock vertrieben hat und
       ausschließlich über Anwälte kommunizieren ließ.
       
       Kisch & Co. hat die Debatte über das fehlende Gewerbemietrecht
       vorangetrieben. 200 Menschen haben den Laden am Dienstag bei der
       Schlüsselübergabe an den Gerichtsvollzieher verabschiedet. Fans von
       privaten Vermietungskonzernen wird – trotz des schlauen Moves der Deutschen
       Wohnen – keiner mehr. Dafür gibt es auch keinen Grund.
       
       27 Aug 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Buchhandlung-Kisch--Co/!5795061
 (DIR) [2] https://www.dwenteignen.de/
 (DIR) [3] /Vonovia-und-Deutsche-Wohnen/!5771354
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Erik Peter
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Deutsche Wohnen & Co enteignen
 (DIR) Deutsche Wohnen
 (DIR) Gewerbemieten
 (DIR) Schwerpunkt Gentrifizierung in Berlin
 (DIR) Schwerpunkt Rot-Rot-Grün in Berlin
 (DIR) Schwerpunkt Gentrifizierung in Berlin
 (DIR) Schwerpunkt Gentrifizierung in Berlin
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Café Bateau Ivre in der Oranienstraße: Zwangsräumung im Juni
       
       Das Café Bateau Ivre soll schon bald raus. Der Betreiber hatte zwei
       Monatsmieten in der Pandemie verspätet gezahlt – und Streit mit dem
       Vermieter.
       
 (DIR) Rot-rot-grüne Wohnungspolitik in Berlin: Die Verschnaufpause war kurz
       
       In der Wohnungspolitik hat Rot-Rot-Grün viel versucht – und ist doch gegen
       Wände gerannt. Es bleibt aber Hoffnung: Linke Wohnraumpolitik ist möglich.
       
 (DIR) Buchhandlung Kisch & Co.: Lesen Sie weiter
       
       Kurz vor der Zwangsräumung findet der Buchladen Kisch & Co. neue Räume in
       der Oranienstraße. Vermieter ist ausgerechnet die Deutsche Wohnen.
       
 (DIR) Räumungsprozess gegen Kisch und Co: Fonds schmeißt Buchhändler raus
       
       Ein Investmentfonds hat in Berlin erfolgreich gegen die Buchhandlung Kisch
       und Co geklagt. In dem Haus sind weitere Museen und Galerien bedroht.