# taz.de -- Afghanische Flüchtlinge in Berlin: Platz nicht nur für Ortskräfte
       
       > Die ersten Ortskräfte aus Afghanistan sind angekommen. Bündnisse fordern
       > Ausweitungen der Hilfe und rufen zu einer Demo am Sonntag auf.
       
 (IMG) Bild: Zivilgesellschaftliche Bündnisse kritisieren, dass nur Ortskräfte aufgenommen werden
       
       Berlin taz | Die ersten Ortskräfte aus Afghanistan sind in Berlin
       angekommen – und wurden laut dem Willkommensbündnis Steglitz-Zehlendorf gut
       versorgt: Bei einer Familie, die bereits vergangene Woche nach der Flucht
       vor den vorrückenden Taliban in Deutschland angekommen sei, habe alles
       „wider Erwarten super schnell geklappt“, wie Günther Schulze aus dem
       Willkommensbündnis Steglitz-Zehlendorf der taz sagte. „Die Familie hat
       bereits einen Status, ist beim Jobcenter angemeldet und hat Geld bekommen.
       Die Schulanmeldungen sind auf den Weg gebracht.“
       
       Die Familie sei in einer sehr guten Unterkunft untergekommen und könne dort
       erst mal bleiben, sagte Schulze. In der nächsten Woche würden weitere
       Familien erwartet. Und: „Es gibt sehr viel bürgerliches Engagement hier.
       Wir sind gut vorbereitet und haben auch noch deutlich mehr Platz!“
       
       Gleichzeitig fordert das Bündnis, das nach Schulzes Schätzung auf 300
       Ehrenamtliche zurückgreifen kann, „umgehend und ohne bürokratische
       Hindernisse eine effektiv funktionierende Luftbrücke zu schaffen“. Dazu
       sollten Duldungen, Arbeitsverbote und andere Sanktionen für hier lebende
       Afghan*innen aufgehoben und der Familiennachzug ermöglicht werden, wie
       es in einer Mitteilung des Bündnisses heißt. Bis Donnerstag hatte Berlin
       120 Ortskräfte aufgenommen.
       
       Die ersten Flüchtlinge aus dem Kabuler Chaos rund um den Flughafen sind
       unterdessen in Brandenburg eingetroffen. Zwei Busse mit 59 Personen,
       Ortskräfte der Bundeswehr und ihre Angehörigen, kamen am Freitagmorgen im
       Landkreis Elbe-Elster an – darunter 29 Kinder und Jugendliche. Sie sind in
       einer Erstaufnahmeeinrichtung in Doberlug-Kirchhain untergekommen – ihre
       Ankunft aus Frankfurt am Main war schon am Donnerstag erwartet worden und
       hat sich aufgrund von Registrierungen verzögert.
       
       ## „Den Umständen entsprechend gut“
       
       [1][Olaf Jansen] von der Brandenburger Ausländerbehörde sagte, dass die
       Menschen müde und erschöpft seien, es ihnen aber „den Umständen
       entsprechend eigentlich ganz gut“ gehe. In Doberlug-Kirchhain müssen sie
       zunächst drei Tage in Quarantäne und sollen dann auf die Bundesländer
       verteilt werden.
       
       Angesichts von Aufnahmekapazitäten von 1.337 Plätzen hat sich der
       rot-rot-grüne Berliner Senat auf ein [2][Landesaufnahmeprogramm für
       Afghan*innen] verständigt, mit dem über Ortskräfte hinaus auch
       Geflüchtete aus den Nachbarländern Afghanistans aufgenommen werden sollten.
       Allerdings spricht das Bundesinnenministerium bislang lediglich davon,
       Ortskräfte und Angehörige aufzunehmen. Die Bundeswehr hat bis Freitagnacht
       über 1.600 Personen ausgeflogen.
       
       Um die Hilfe auszuweiten, ruft unter anderem das Seebrücken-Bündnis für
       Sonntag zu einer großen [3][Demonstration im Regierungsviertel] auf. Auch
       der Berliner Flüchtlingsrat fordert, Evakuierungen auszuweiten und dass
       Deutsche Botschaften in den Nachbarländern afghanischen Geflüchteten
       unverzüglich Visa austellen sollten.
       
       20 Aug 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2021/08/ortskraefte-afghanistan-brandenburg-doberlug-kirchhain-aufnahme.html
 (DIR) [2] /Evakuierungen-aus-Afghanistan/!5789796
 (DIR) [3] https://seebruecke.org/aktionen/afghanistan-verantwortung-uebernehmen-aufnahme-jetzt
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gareth Joswig
       
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