# taz.de -- Flüchtlingspolitik in Großbritannien: Antiterrorkämpfer am Ärmelkanal
       
       > Ein Profi in Terrorbekämpfung wird Chef für „Einwanderungsvollstreckung“.
       > Hintergrund: Rekordzahlen an Geflüchteten.
       
 (IMG) Bild: Dungeness, Kent: Britische Küstenwache bringt aufgegriffene Bootsflüchtlinge an Land, 20. Juli
       
       London taz | Auffällige Neubesetzung im britischen Innenministerium: Tony
       Eastaugh, ein ehemaliger Kommandoleiter der britischen Antiterroreinheit,
       wurde von Innenministerin Priti Patel zum Leiter des Amtes zur
       Einwanderungsvollstreckung im Innenministerium befördert, wie Medien am
       Mittwoch [1][berichteten]. Sein Amt könnte als Nächstes um die
       Zuständigkeit für den Grenzschutz erweitert werden.
       
       Die Ernennung eines ehemaligen hochrangigen Polizeikommandanten, der laut
       Regierungsangaben auch Erfahrung im Einsatz gegen illegale Einwanderung
       hat, dürfte kein Zufall sein. Sie folgt auf einen neuen Rekordtag der
       illegalen Ärmelkanal-Überquerungen durch Flüchtlinge.
       
       Am vergangenen Samstag gelang es insgesamt 828 Menschen in 30 kleinen
       Booten, von Frankreich aus die englische Küste zu erreichen. 193 Personen
       auf zehn weiteren Booten wurden von französischen Einheiten abgefangen.
       Dieses Jahr sind damit bereits 12.500 Menschen auf diesem Weg eingereist –
       eine Zahl, die bereits jetzt die Gesamtzahl des Vorjahres um über 4.000
       Menschen übertrifft.
       
       Patel betont oft, dass sie das Einwanderungssystem reformieren wolle. Dafür
       hat sie beispielsweise ein [2][neues Grenzschutzgesetz] vorgestellt, mit
       dem Asylsuchende, die nicht auf legalen Wegen ins Vereinigte Königreich
       eingereist sind, weniger Garantien und Hilfen erhalten sollen. Im Juli
       genehmigte die britische Regierung Frankreich umgerechnet 63 Millionen
       Euro, um Patrouillen und Kontrollen an der französischen Küste auszuweiten.
       
       Bereits 2020 bewilligte Großbritannien 30 Millionen Euro zum gleichen Zweck
       und ernannte einen Beauftragten zur „Bekämpfung der Kanalgefahr“. Auch
       diese Stelle wurde von einem Mann besetzt, der einst Kriminalität bekämpfte
       und zudem aus der britischen Marine stammte.
       
       Die aufsehenerregenden Landungen – manche Flüchtlinge am Wochenende
       landeten in Sichtweite von Strandurlaubern – sind vor allen
       Rechtspopulisten wie [3][Nigel Farage] ein Dorn im Auge, der daraus
       politisches Kapital schlagen und der konservativen Regierung Untätigkeit
       vorwerfen will.
       
       Andererseits hat Großbritannien tatsächlich Probleme mit der adäquaten
       Versorgung. Letzte Woche kam ein afghanischer Junge bei einem Sturz aus
       einem Hotel im nordenglischen Sheffield ums Leben. Die zuständigen Behörden
       haben zugegeben, das Hotel nicht richtig geprüft zu haben.
       
       Hilfsorganisationen beklagen menschenunwürdige Unterkünfte. Sie weisen
       zudem darauf hin, dass stärkeres Eingreifen an der französischen Küste die
       Reisen nicht stoppt, sondern gefährlicher macht.
       
       25 Aug 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.telegraph.co.uk/politics/2021/08/24/priti-patel-appoints-former-counter-terror-police-chief-help/
 (DIR) [2] /Asylrecht-in-Grossbritannien/!5780710
 (DIR) [3] /Seenotrettung-in-Grossbritannien/!5790554
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Zylbersztajn-Lewandowski
       
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