# taz.de -- Häusliche Pflege während Corona: Ungeklärte soziale Frage
       
       > Der VdK fordert mehr Geld für die häusliche Pflege. Der Vergleich mit den
       > Heimen ist aber problematisch.
       
 (IMG) Bild: Wer hilft im Notfall: Mann an der Bettkante versucht in den Rollstuhl zu steigen
       
       In Deutschland werden 2,1 Millionen Pflegebedürftige ausschließlich durch
       Angehörige zu Hause versorgt. Eine Studie des [1][Sozialverbandes VdK] hat
       jetzt bestätigt, dass diese häusliche Pflege in der Coronapandemie unter
       der Isolation, dem Wegfall von Angeboten und der Angst vor Ansteckungen
       besonders gelitten hat. Es ist richtig, wenn der Sozialverband VdK auch
       angesichts der Bundestagswahl darauf hinweist, dass diese pflegenden
       Angehörigen mehr Unterstützung brauchen.
       
       Aber ein Detail stimmt nachdenklich. Der VdK fordert zu Recht eine
       automatische Dynamisierung des Pflegegeldes, also der Leistung, die
       Hochgebrechliche von den Pflegekassen bekommen und für die Angehörigen
       nutzen können. Der Verband will dies auf gerichtlichem Wege einklagen,
       notfalls bis zum Bundesverfassungsgericht. Das Geld war ja schon mal in
       Aussicht gestellt und werde jetzt „zweckentfremdet“ und „umgeleitet“, um
       „die Eigenanteile in der stationären Pflege zu bezuschussen“, rügt der
       Verband.
       
       Der Konflikt lässt aufhorchen. Wenn VertreterInnen der ambulanten Pflege
       auf [2][erhofftem Geld] bestehen, das der Bundesgesundheitsminister in die
       Unterstützung von HeimbewohnerInnen steckt, dann treten hier Schwache
       gegen andere Schwache an. Gesundheitsminister Spahn könnte die Gruppen
       gegeneinander ausspielen: Tut mir leid, ihr Pflegehaushalte, ich brauche
       das Geld leider für die HeimbewohnerInnen.
       
       Schwache werden immer dann gegeneinander ausgespielt, wenn
       Finanzierungsfragen gesellschaftlich nicht geklärt sind. So ist es auch bei
       der Pflege. Ab welchem Einkommen, ab welchem Vermögen sollen
       Pflegebedürftige sich mit welchen Summen an ihrer Versorgung beteiligen?
       Bis zu welchen Summen soll die Pflegekasse zahlen? Wie hoch dürfen Beiträge
       zur Pflegekasse sein? Alles nicht geklärt.
       
       Pflege ist furchtbar teuer, sie wird uns noch viele Milliarden kosten. Wenn
       Betroffenengruppen mit dem Finger auf andere zeigen, ist das ein
       Warnsignal, dass die [3][Finanzierungsdebatten] im größeren Rahmen
       ehrlicher geführt werden müssen.
       
       23 Aug 2021
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Barbara Dribbusch
       
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