# taz.de -- Bundestagswahlkampf 2021: Hat da jemand „langweilig“ gesagt?
       
       > Manche verfallen wieder in Wahlkampf-Meckerei. Das ist völlig daneben.
       > Denn alles ist offen, jede Stimme wird zählen – und um Inhalte geht’s
       > auch.
       
 (IMG) Bild: Noch fehlen die Inhalte: leere Plakatwand zur Bundestagswahl in Siegsdorf, Bayern
       
       Hat da jemand „langweilig“ gesagt und „kommt nicht in die Gänge“? Der
       Wahlkampf „plätschere“ bloß vor sich hin, diese „Auftaktinszenierungen“,
       wie peinlich, und dann schon wieder diese „immergleichen“ Wahlplakate, die
       könne doch keiner mehr sehen?
       
       Ja du liebe Güte – was wünschen die Herrschaften denn? Soll es ihnen von
       den Bildschirmen so entgegenblasen, dass die Ohrmuscheln wegfliegen?
       Erwarten sie prügelnde Massen vor jedem Großplakat am Wegesrand? (Neues
       Wort gelernt, übrigens: Die ganz großen Plakate heißen „Wesselmann“ nach
       der anbietenden Firma, wie in „Für die wurden 20 Wesselmänner
       aufgestellt“.)
       
       Um beim einfachsten Punkt anzufangen: Ich finde Wahlplakate prima. Es
       überrascht mich auch gar nicht, dass die Parteien nie ihr ganzes Programm
       draufdrucken und meistens darauf bestehen, die Köpfe der Kandidierenden zu
       zeigen. Mich interessiert tatsächlich, wie die Leute aussehen, die ich in
       die Parlamente schicken soll – im Plural, denn hier in Berlin wird ja auch
       [1][das Abgeordnetenhaus neu gewählt]. Wenn man außerdem seit der letzten
       Wahl umgezogen ist, helfen solche – zugegeben: schlichten – Infos bei der
       Orientierung, welchen Namen es sich zu Hause zu googeln lohnt.
       
       Es ist auch überhaupt nicht schlimm, dass laut Umfragen viele Leute noch
       gar nicht wissen, wen sie wählen wollen. Es tut mir nicht weh, dass sie die
       KanzlerkandidatInnen nicht übermäßig überzeugend finden. Nein, hier ist
       nicht die Demokratie auf neuartige Weise bedroht. Sondern Angela Merkel
       tritt ab. Da trifft es sich natürlich ungünstig, dass nicht jede Partei
       ihre beste Kandidatin oder ihren besten Kandidaten aufgestellt hat. Kam in
       der Vergangenheit aber auch schon vor.
       
       ## Ohne Klima geht's nicht mehr
       
       Die gemessenen Verunsicherungswerte zeigen daher vielleicht nur, wie klar
       den WählerInnen ist, dass ohne Merkel etwas wirklich Neues beginnt – und
       dass es sich lohnen könnte, bis zum Wahltag noch weiter zu beobachten und
       nachzudenken. Zumal Entscheidungshilfen entfallen: Aktuell ist es
       unmöglich, strategisch, also für eine bestimmte Koalition zu wählen, weil
       eben alles drin ist – ich erspare Ihnen hier die Aufzählung der
       Farbkombinationen.
       
       Schließlich aber sind es die viel verlangten Inhalte selbst, die in diesen
       Wahlkampf hineinkrachen wie … nun, wie eine Flutwelle in eine Gartenparty
       vielleicht. Natürlich war der Satz von Armin Laschet, „Weil jetzt so ein
       Tag ist, ändert man nicht die Politik“, ebenso bezeichnend wie, Verzeihung,
       bescheuert.
       
       Tatsächlich hat der Mann bisher an Klimapolitik schlicht kein Interesse –
       was soll man sagen, er kommt aus NRW, auf die eine oder andere Weise machen
       LandespolitikerInnen da alle fossile Politik.
       
       Aber jedem der teils jammervollen Bilder, die [2][Laschet zuletzt abgab],
       ist doch anzusehen, dass er den Ernst der Lage langsam erfasst: Er wird
       echte Klimapolitik machen müssen. Also eine mit Geld und ohne
       Steuersenkungen. Natürlich können andere es besser, und reichen wird es
       ohnehin nie – gemessen an der Geschwindigkeit der Klimakatastrophe ist
       alles zu langsam.
       
       Wenn ich diese Fußnote einflechten darf: Immerhin aber sind zum Beispiel
       mehrere der Klimablockierer in CDU und CSU endlich – Stichworte Masken und
       Aserbaidschan – als korrupt aufgeflogen, was auch die Haltung der Fraktion
       ändern könnte.
       
       Nein, an der Klimafrage kommt niemand mehr vorbei, und schon gar nicht im
       vielzitierten Schlafwagen. Alles ist offen. Jede Stimme wird zählen. Das
       ist großartig – aus traurigem, klimakatastrophischem Anlass. Jedenfalls
       aber kein Grund, über den Wahlkampf zu meckern.
       
       13 Aug 2021
       
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