# taz.de -- Wichtige Zahl der Klimapolitik: Im Zweifel für die magische Zwei
       
       > Unter zwei Grad Erwärmung bleiben, zwei Prozent Fläche für Windanlagen:
       > Die 2 ist die Zahl in der Klimapolitik. Einige treiben damit aber
       > Schindluder.
       
 (IMG) Bild: Zwei von zwei Prozent: Stahlwerk von Thyssen-Krupp in Duisburg
       
       Berlin taz | Klingt ein bisschen seltsam, aber für mich gibt es
       sympathische und unsympathische Ziffern. Die Eins zum Beispiel war mir
       immer zu mager, die Neun zu fett. Gerade Zahlen sind mir lieber als
       ungerade. Die Sieben finde ich irgendwie heimtückisch. Am schönsten: die
       Fünf. Sie ist zwar ungerade, aber gleichzeitig eckig und rund, das hat was.
       
       In der [1][Klimapolitik] dagegen ist die magische Zahl eindeutig die Zwei.
       Wir müssen global [2][unter zwei Grad Erwärmung] bleiben, haben wir in
       Paris beschlossen. Wir brauchen zwei Prozent der Landesfläche für
       Windanlagen. Die weltweiten Emissionen müssen bis 2030 um den Faktor zwei
       fallen. Und allgemein befällt mich schon lange in der nationalen und
       internationalen Klimapolitik vor allem der Zwei-fel.
       
       Und jetzt kommt die große Zwei mit einem uralten Trick wieder ins Spiel:
       Deutschlands Anteil an den globalen Emissionen ist – genau – etwa zwei
       Prozent. Das sagen CDU-Kanzlerhoffnung Armin Laschet oder der
       Wirtschaftsflügel der Union; viele, die lange nicht durch Klimaaktionismus
       aufgefallen sind. Was sie sagen, stimmt. Was sie meinen, ist etwas anderes:
       Was wir tun, ist ohnehin egal. Sollen sich mal die anderen anstrengen.
       
       Folgen wir diesem faszinierenden Argument. Dann könnten sich folgende
       Länder auch noch ausruhen: Iran, Südkorea, Saudi-Arabien, Kanada,
       Indonesien, Brasilien, Mexiko, Südafrika, die Türkei, Australien,
       Großbritannien, Italien, Polen, Frankreich, Kasachstan, Taiwan. Thailand,
       Spanien, Vietnam, Malaysia, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate,
       Argentinien, die Ukraine.
       
       ## Viele unter zwei Prozent
       
       Und das sind nur die Plätze 7 bis 30 auf der Liste der Klimasünder. Danach
       kommen weitere etwa 170 Staaten. Alle können sagen: Wir? Unser Anteil liegt
       weit unter zwei Prozent!
       
       Noch schöner: Sämtliche Auto-, Chemie- und Stahlkonzerne sind so aus dem
       Schneider. Thyssenkrupp macht nur zwei Prozent von Deutschlands zwei
       Prozent aus! Praktisch nichts! Ölgiganten wie SaudiAramco oder ExxonMobil
       stoßen nicht mal ein Achtel von Deutschland aus. Fast unter der
       Nachweisgrenze.
       
       Ganz zu schweigen von einzelnen Regionen: [3][Hebei], Chinas Kohle- und
       Industrieprovinz? Mit etwa 900 Millionen Tonnen kaum mehr als die
       Zwei-Prozent-Deutschen. Texas? 700 Millionen Tonnen, much less than those
       green german weirdos! Kohleland NRW? Ach nö, da wohnen ja eh nur
       KlimaschützerInnen.
       
       Wer muss nach dieser Logik etwas tun? China, die USA, Indien, Russland,
       Japan. Ihnen kann man ordentliche Anteile an den Emissionen zurechnen. Wir
       anderen sind eben: Nicht zurechnungsfähig.
       
       23 Jul 2021
       
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