# taz.de -- Klima und Armin Laschet: Mut zur Zumutung
       
       > Laschet sollte sich ein Beispiel an Joe Biden nehmen. Der forciert den
       > Öko-Umbau der Wirtschaft – die Union bremst, wo sie kann. Ein Kanzler
       > muss das anders machen.
       
 (IMG) Bild: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bei einer Fernsehansprache am 18. Juli zur Unwetterkatastrophe
       
       Armin Laschet hat ein Talent, richtige Dinge zu sagen, die immer falsch
       verstanden werden. Wenn der Kanzlerkandidat der Union sagt, dass
       Deutschland nur zwei Prozent der globalen Treibhausgase ausstößt, ist das
       korrekt – klingt aber wie „erst mal sollen die anderen liefern.“ Und wenn
       er sagt [1][„weil jetzt so ein Tag ist, ändert man nicht die Politik“],
       dann stimmt auch dies – aber unterschwellig heißt es: Weiter wie bisher.
       Business as usual.
       
       Zweideutigkeit mag im Wahlkampf taktisch geboten sein. Laschet hat da von
       Angela Merkels Erfolg gelernt. Aber unklare Signale sind fatal für
       Klimapolitik, die Tempo und Verlässlichkeit braucht. Danach ruft die
       Industrie, das wollen viele WählerInnen. Weit mehr Menschen als gedacht
       sind bereit, Veränderungen aktiv zu gestalten. Vor allem, wenn sie die
       Bilder von zerstörten Dörfern vor Augen haben.
       
       Wird diese Katastrophe der „Fukushima-Moment“ der deutschen Klimapolitik,
       der alles ändert? Das liegt vor allem an der CDU/CSU, die vor einer
       Richtungsentscheidung steht.
       
       Begreift sie in ihrer Mehrheit Klimapolitik weiter als Bremse und
       Gefährdung von Wachstum und Wohlstand? Oder sieht sie in der Modernisierung
       von Infrastruktur und dem Abschied von der fossilen Lebensweise tatsächlich
       die Chance auf „Klimawohlstand“? Dann muss ihre Politik nicht nur schneller
       und besser werden – sondern vor allem sichtbar und fühlbar.
       
       Denn die zerstörerischen Fluten haben deutlich gezeigt: Die Folgen des
       Klimawandels treffen nicht nur andere Menschen weit weg oder in der
       Zukunft, sondern uns, hier und jetzt. Und so schnell und direkt müssen auch
       die Gegenmaßnahmen wirken: Sofort die Katastrophenhilfe. Dann die Anpassung
       an das veränderte Wetter, mit mehr Platz für die Natur und sicheren Häusern
       und Straßen. Und dann eine Klimapolitik, die in internationaler Kooperation
       drastisch die CO2-Emissionen senkt, um diese Risiken zu minimieren.
       
       Das alles geht aber nicht mehr mit „Weiter so“. Die Methode Merkel „Ich
       kümmere mich, ihr könnt weiterschlafen“ funktioniert nach einem solchen
       Weckruf nicht mehr. Klimaneutralität erreicht man nicht im Schlafwagen. Die
       große Lüge der bisherigen Klimapolitik ist, dass alles so bleibt wie
       gewohnt.
       
       Bisher liebt die Union solche Beruhigungspillen: „Innovation“, weil hier
       mit ein paar tollen Erfindungen plötzlich alles gut werden soll; den
       „grünen Wasserstoff“, weil mit ihm Industrie und Autofahrer weitermachen
       können wie bisher; den EU-Emissionshandel, weil dessen Preiserhöhungen
       nicht direkt sichtbar sind. Und deshalb hat die Union ein Problem mit
       steigenden Benzinpreisen, der EEG-Umlage, teureren Flugtickets oder höheren
       Heizkosten: Nicht nur, weil sie die Menschen belasten – sondern vor allem,
       weil die Menschen hier merken, dass sie belastet werden.
       
       Aber so viel Ehrlichkeit muss eine Partei aufbringen, die das Land weiter
       führen will. Traut sich Armin Laschet, den Menschen zu sagen: Die
       Klimaneutralität, die wir wollen, kostet Anstrengung und Geld, aber nur sie
       sichert unsere Zukunft? Fordert er: Wir müssen jetzt Geld ausgeben und
       Schulden machen, damit es allen besser geht und wir von den Problemen nicht
       wieder überflutet werden? Er könnte sich bei Merkel den Begriff
       „alternativlos“ für diese Politik ausleihen. Aber bisher ist davon nicht
       viel zu merken.
       
       Die Union könnte sich ein Beispiel an ihrem großen Vorbild USA nehmen. Dort
       begründet [2][Präsident Joe Biden den grünen Umbau] des Landes mit Jobs,
       Technologieführerschaft und „Klimagerechtigkeit“.
       
       Armin Laschet lässt die Zuversicht vermissen, dass das Land die
       Herausforderungen des Klimawandels meistern kann. Was den
       ChristdemokratInnen dafür bislang fehlt, ist ein Abschied von ihrer
       Ideologie des „Weiter so“ und vom Grundsatz, man dürfe den Menschen nichts
       zumuten. Ein solcher Richtungswechsel erfordert Mut. Aber Feigheit vor der
       Zukunft und dem eigenen Volk ist keine Arbeitsgrundlage für das Amt des
       Bundeskanzlers.
       
       24 Jul 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.heise.de/tp/features/Ein-Tag-wegen-dem-Laschet-nicht-die-Politik-aendern-will-6140730.html
 (DIR) [2] https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/klimagipfel-biden-101.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernhard Pötter
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) CDU
 (DIR) Armin Laschet
 (DIR) GNS
 (DIR) Wir retten die Welt
 (DIR) Lesestück Recherche und Reportage
 (DIR) Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
 (DIR) Flut
 (DIR) Flut
 (DIR) IG
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Bitte an den Pariser Klimagipfel denken: 2015 muss sich wiederholen!
       
       2015 war nicht nur das Jahr seltener deutscher Barmherzigkeit. Es wurden
       „Paris“ und die Entwicklungsziele der UN beschlossen.
       
 (DIR) Der junge Armin Laschet: Gyros statt Glamour
       
       Kasperlespieler und Chorknabe, Ministrant im Dom und Bischofsgymnasiast:
       Über Armin Laschets katholische Herkunft und seine Netzwerke in Aachen.
       
 (DIR) Plagiatvorwurf gegenüber Laschet: Prüfung bestanden
       
       Plagiatssucher Stefan Weber sieht den Unions-Kanzlerkandidaten Armin
       Laschet nach eigener Prüfung entlastet. Er habe keine weiteren Stellen
       gefunden.
       
 (DIR) Katastrophenbewältigung im Wahlkampf: KandidatInnen kriegen die Krise
       
       CDU-Kandidat Laschet patzt. Die angeschlagene Grüne Baerbock bleibt
       vorsichtig. Eine Chance für die SPD.
       
 (DIR) Überschwemmungen, Dürren, Stürme: Teure Naturkatastrophen
       
       Laut einer Analyse der Weltwetterorganisation sind Überschwemmungen in
       Industrieländern teuer. Stürme und Dürren kosten mehr Menschenleben.
       
 (DIR) Fragwürdige Zahlen von Armin Laschet: Klimabilanz von NRW geschönt
       
       Laschet behauptet fälschlicherweise, NRW habe seit 1990 am meisten CO2
       eingespart. Seine Quelle sind jedoch vorläufige Zahlen.