# taz.de -- Poller-Protest in Hamburg: Solidarität mit dem Sitzfleisch
       
       > Wegen „Lärmbelästigung und starken Alkoholkonsums“ sind in St. Georg
       > Sitzgelegenheiten abgeschafft worden. Nun gibt es wieder Sitzpolster.
       
 (IMG) Bild: Nicht hässlich, diese Kugeln, Aber darauf sitzen?
       
       Hamburg taz | [1][„Defensive Architektur“]: Das klingt beinahe harmlos.
       Gemeint ist damit aber, was sich Verantwortliche in den Verwaltungen so
       mancher Stadt einfallen lassen – um Menschen zu vertreiben. Oder genauer:
       ihnen den Aufenthalt möglichst unangenehm zu machen.
       
       Weit [2][über die Stadt- und sogar Landesgrenzen hinaus bekannt] wurden vor
       ein paar Jahren etwa die Spikes, also Stacheln, mit denen das Schlafen oder
       auch bloß Lagern in manchen Londoner Hauseingängen verunmöglicht werden
       sollte. Subtiler – und „Architektur“ nur im weiteren Sinne – scheint
       dagegen die Dauerberieselung mit klassischer Musik am Hamburger
       Hauptbahnhof.
       
       Hier wie da geht es aber, kaum überraschend, um beziehungsweise gegen
       Menschen, die in den Städten nicht oder nicht genug Geld lassen. Und wenn
       sie doch konsumieren, dann das Falsche: Alkohol oder andere Rauschmittel.
       Nehmen wir den Hansaplatz in Hamburg-St. Georg, eigentlich noch in Hörweite
       der Anti-Bettler:innen-Bahnhofsbeschallung: Von „Beschwerden wegen
       Lärmbelästigung und starken Alkoholkonsums“ [3][berichtete da im März] eine
       Behördensprecherin, und die Schuldigen waren demnach Menschen, die dort
       irgendwelche Poller wortwörtlich besetzten, nämlich mit dem Hintern drauf.
       Was tat also der Bezirk Hamburg-Mitte? Verpasste den rund 25 dieser Poller
       oben drauf eine Stahlkugel, die das Sitzen denkbar erschwert.
       
       Kritik gab es daran auch damals schon. An diesem Wochenende nun wird die
       ganz handfest: Runde Polster aus Recyclingkunststoff verleiht am Sonntag
       der Verein VOB Hansaplatz – „damit Menschen künftig trotz der Po-Kugeln auf
       den Pollern wieder bequem Platz nehmen können“. Gestaltet hat die
       Po-Polster der Designer und freie Künstler Oliver Paul Simon, beschriftet
       sind sie mit den Namen solidarischer Gruppen und Initiativen.
       
       25 Jul 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.morgenpost.de/vermischtes/article206976355/Diesen-Aufwand-betreiben-Staedte-um-Obdachlose-loszuwerden.html
 (DIR) [2] https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/obdachlose-in-deutschland-verdraengung-mit-wasserduesen-a-974491.html
 (DIR) [3] /Massnahme-gegen-oeffentliches-Trinken/!5752407
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alexander Diehl
       
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