# taz.de -- Neues Gesetz in Frankreich: Kinderwunscherfüllung für alle
       
       > In Frankreich steht künstliche Befruchtung nun auch lesbischen Paaren und
       > Single-Frauen offen. Ein Gesetz, das auch Frauen mit wenig Geld hilft.
       
 (IMG) Bild: Nicht jedes Paar will Kinder, aber nun gibt es mehr Möglichkeiten
       
       Single-Frauen oder lesbische Paare mussten in Frankreich bisher entweder
       viel Geld haben oder viel Glück: Einige Tausend Euro, um in Länder wie
       Spanien oder Dänemark zu fahren und sich dort künstlich befruchten zu
       lassen. Oder das doppelte Glück, jemanden Passendes zu kennen, der seinen
       Samen privat spendet und davon auch ohne medizinische Hilfe schwanger zu
       werden.
       
       Das gehört nun der Vergangenheit an: In dieser Woche hat [1][Frankreichs
       Präsident Emmanuel Macron sein Wahlversprechen einlösen können, die
       künstliche Befruchtung], auf französisch PMA (procréation médicalement
       assistée), allen Frauen zugänglich zu machen, und zwar weitenteils auf
       Kosten der öffentlichen Krankenversicherung der Sécurité sociale. Die
       Nationalversammlung hat am Dienstag ein entsprechendes Gesetz besiegelt.
       
       Was für eine Befreiung: Viele Frauen ohne obige Möglichkeiten hätten ja
       trotzdem versucht, ihren Kinderwunsch zu erfüllen – nur unter teils
       demütigenden Bedingungen. Frauen müssen nicht etwa mangels Geld für die
       Auslandsreise darauf hoffen, privat im Internet auf entsprechenden
       Plattformen einen Spender zu finden und im schlimmsten Fall für die Chance
       auf ein Baby ihre Sicherheits- und gesundheitlichen Bedenken zur Seite
       wischen.
       
       Sie können sich von dem Gedanken lösen, auf die Schnelle einen Partner
       finden zu müssen, der ein geeigneter Vater wäre – oder sich einfach wen für
       eine Nacht auf Tinder zu erswipen, dem Verhütung egal ist, es gibt da ja
       erstaunlich viele.
       
       ## Kein Mangel
       
       Vor [2][allem konservative und religiöse Kreise] waren es, die in dem
       Gesetz etwas Unanständiges erkennen wollten. Von armen Kindern ohne Vätern
       sprachen die Gegner*innen. Doch Single-Mama oder lesbische Eltern
       bedeuten doch nicht gleich den Verzicht auf männliche Bezugspersonen und
       Vorbilder. Die Abwesenheit einer traditionellen Vaterfigur macht aus einem
       Kind zudem nicht automatisch eine gescheiterte Existenz.
       
       Genauso wenig, wie die Anwesenheit eines solchen Vaters einen glücklichen
       Menschen garantiert – schon einmal von daddy issues gehört? Ganz sicher
       macht es das Aufwachsen aber für keines dieser Kinder einfacher, wenn alle
       Lebensentwürfe außerhalb einer Hetero-Kleinfamilie in unverbrüchlicher
       Eheverbindung als Mangel dargestellt werden.
       
       2 Jul 2021
       
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