# taz.de -- Frankreich vor Spiel gegen DFB-Elf: Gegner im eigenen Team
       
       > Das deutsche Team startet am Dienstag gegen Weltmeister Frankreich in die
       > Europameisterschaft. Der DFB-Elf bleibt nur eine Hoffnung.
       
 (IMG) Bild: Selbstbewusst: Kylian Mbappé ist verärgert, weil ihn Stürmerkollege Olivier Giroud kritisiert
       
       Ob das was werden kann? Ausgerechnet gegen die Weltmeister aus Frankreich
       startet das deutsche Team am Dienstag (21 Uhr, ZDF) in diese
       Europameisterschaft. Wie Joachim Löw das Team aufstellen wird, [1][weiß man
       so recht nicht.] Aber viel spricht dafür, dass seine Mannschaft mit einer
       Dreierkette agieren wird, sodass bei französischen Angriffen ein
       Fünf-Mann-Riegel vor dem eigenen Strafraum aufgebaut werden kann. Dass sich
       die Franzosen bisweilen schwertun, einen solchen zu knacken, haben die drei
       Jahre seit ihrem WM-Titel gezeigt.
       
       Das beste Beispiel dafür war gewiss das Endspiel der Europameisterschaft
       vor fünf Jahren gegen Portugal, das die Franzosen am Ende verloren haben.
       Und wie gefährlich es ist, das Spiel selbst zu bestreiten, wenn in der
       gegnerischen Mannschaft ein Kylian Mbappé spielt, der allen anderen mit dem
       Ball am Fuß davonrennen kann, das dürfte sich herumgesprochen haben.
       
       Sollte sich Joachim Löw also entscheiden, einen reaktiven Ansatz zu wählen,
       bleibt die Frage, was das spielsichere Mittelfeld der Deutschen eigentlich
       machen soll, wenn es den Ball hat. Sie werden ihn wohl zirkulieren lassen,
       weil sie nicht anders können, auch wenn sie sich vielleicht etwas anderes
       vorgenommen haben.
       
       Und die Franzosen, deren Trainer Didier Deschamps es in der Vergangenheit
       verstanden hat, seiner spielwitzigen Truppe eine gewisse Zurückhaltung zu
       verordnen, könnten mit ihrem eher zaghaften Pressing, mit ihren bisweilen
       starren Zuordnungen die Deutschen zur Ballzirkulation ermuntern. Wenn dann
       das Umschaltspiel der Franzosen so gut funktioniert wie inzwischen gewohnt,
       dann könnte es gut sein, dass die Deutschen ins Hinterherlaufen geraten.
       
       ## Zoff unter den Stürmern
       
       Es wird also schwierig. Und so schauen nicht wenige in Richtung des
       französischen Fußballleistungszentrums nach Clairefontaine in der Hoffnung,
       die Franzosen könnten ihre alte Tradition wiederaufleben lassen und sich so
       richtig zerstreiten während eines Turniers. In Südafrika 2010 hat das
       beinahe zu einer veritablen Staatskrise geführt. Und in der Tat – da ist
       etwas. Die französischen Stürmer liefern Gesprächsstoff, wie man ihn fast
       schon vermisst hat.
       
       Dabei lief die Reintegration von Karim Benzema, dem Langzeitscorer von Real
       Madrid, zunächst überaus geräuschlos ab. Der hatte einst seinen Platz in
       der Nationalmannschaft verloren, weil er daran beteiligt gewesen sein soll,
       wie sein französischer Teamkollege mit intimen Videoaufzeichnungen erpresst
       worden ist. Jetzt ist er zurück und soll nach dem Pferdekuss, den er sich
       beim Testspielsieg gegen Bulgarien (3:0) eingefangen hat, wieder
       einsatzbereit sein.
       
       [2][Kylian Mbappé könnte das gefallen.] Denn der liefert sich gerade einen
       Kleinkrieg mit seinem Stürmerkollegen Olivier Giroud und würde vielleicht
       lieber mit Benzema zusammenspielen. Giroud hatte sich nach dem Spiel gegen
       Bulgarien in einem Nebensatz beklagt, dass er nicht genug Zuspiele
       abbekomme. Mbappé soll daraufhin so aufgebracht gewesen sein, dass er sich
       umgehend an die Presse wenden wollte, um klarzustellen, dass er sich in
       diesem Punkt nicht kritisieren lassen möchte.
       
       Trainer Deschamps tat alles, um das zu verhindern, und nun stellte sich
       Mbappé am Sonntagnachmittag endlich den Pressevertretern. Da war sein Ärger
       schon verflogen. Den habe es eigentlich gar nicht gegeben, sagte er. Er
       wollte nur klarstellen, dass Giroud eben eine andere Spielweise pflege als
       andere. Könne man Benzema auch mal 40 Meter schicken, sei Giroud eher
       einer, der im Strafraum auf Bälle wartet. Ein Neymar habe 150 Ballkontakte,
       Benzema komme noch auf 80 und Giroud komme aufgrund seiner Spielanlage auf
       viel weniger. So einfach ist das. Außerdem sei längst alles geklärt. Eine
       „Mikro-Episode“ sei das gewesen, nicht mehr.
       
       Derweil machen sich französische Fußballbeobachter in den sozialen Medien
       durchaus Gedanken darüber, ob der Zoff von Mbappé und dem mittlerweile 34
       Jahre alten Giroud nicht doch noch nachwirkt. Der hat gegen Bulgarien zwar
       zwei Mal getroffen und ist mit seinen 46 Toren im Nationaltrikot
       zweitbester Torschütze des Landes hinter Thierry Henry, und doch haftet ihm
       der Ruf an, nicht wirklich Fußball zu spielen. Nun kursiert [3][ein Video
       aus dem Training] im Netz, das Paul Pogba bei ein paar Kunststückchen am
       Ball zeigt, während im Hintergrund Kylian Mbappé zu hören ist, wie er sagt:
       „Ich habe die Schnauze voll von diesen Inzaghis. Sie tun nichts, und dann
       drücken sie ab.“ Es fällt zwar kein Name, doch niemand hat den Hauch eines
       Zweifels daran, dass Giroud ein Inzaghi ist, einer, der sich, wie einst der
       italienische Stürmer Pippo Inzaghi, nicht so recht am Spiel beteiligt, bis
       ihm im rechten Moment der Ball auf den Fuß fällt.
       
       In Frankreich beginnt man sich Sorgen zu machen um die Stimmung im Team.
       Für die deutsche Mannschaft könnte das eine gute Nachricht sein.
       
       15 Jun 2021
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [3] https://twitter.com/N1_Coach/status/1402566780447563779
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
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