# taz.de -- Duell der EM-Favoriten: Oberklasse, diese Typen!
       
       > Wer gewinnt dieses EM-Turnier? Ein Blick auf die Marktwerte der einzelnen
       > Mannschaften offenbart Erstaunliches.
       
 (IMG) Bild: Besonders wertvoll: Ronaldo und Eder feiern den Sieg Portugals im Endspiel der Euro 2016
       
       Da Tippspiele noch nicht aus der Mode gekommen sind, haben sich in den
       vergangenen Tagen viele Sportsfreundinnen und überhaupt viele Zocker den
       Kopf darüber zerbrochen, wer wohl diese Europameisterschaft gewinnen wird.
       Die Methoden sind verschieden: Man kann auf sein Bauchgefühl hören, wider
       besseres Wissen fest zu seiner slowakischen oder schwedischen Auswahl
       stehen – oder auf die Wettquoten schauen.
       
       Sinnvoller ist ein Blick auf [1][die Marktwerte der einzelnen
       Mannschaften], denn die prognostizieren einen sehr wahrscheinlichen
       Zieleinlauf im Rennen um die beste Fußballmannschaft des Kontinents. Auf
       Platz eins liegt England mit 1,27 Milliarden Euro. Dahinter folgt
       Frankreich (1,03 Milliarden). Dann kommt Jogis Truppe mit 936,5 Millionen
       Euro. Vierter ist Spanien (915). Dann kommen: Portugal, Italien, Belgien
       und die Niederlande. Nicht mal 75 Millionen Euro erreichen in Summe die
       Teams aus Ungarn, Finnland und Nordmazedonien.
       
       Alle Spieler Finnlands (44,6 Millionen Euro), also des Letzten im Ranking,
       sind weniger „wert“ als ein einziger Fußballer der Three Lions (48,9 im
       Schnitt). Man könnte jetzt natürlich sagen: Das sind alles nur
       Zahlenspiele, und Überraschungen hat es mit den EM-Siegen von Griechenland
       und Dänemark ja auch gegeben; Geld ist nicht alles, denn bei den
       vergangenen drei Turnieren haben mit Spanien und Portugal nicht die
       „wertvollsten“ Teams den Titel geholt.
       
       ## Rubel und Reife
       
       Mag sein, aber einerseits ist das mit den Überraschungs-Europameistern
       schon eine Weile her, und zweitens hat sich das Klassensystem im Fußball
       weiter verfestigt. Die Unterschiede zwischen Oberklasse, Mittelklasse und
       Unterklasse sind größer geworden.
       
       Der englische Markt ist schon [2][seit mindestens einem Jahrzehnt außer
       Rand und Band], weswegen die Pole Position der Engländer in der
       Marktwerttabelle mit Vorsicht zu genießen ist, und unter den Top Ten werden
       neben den Prämissen des Marktes und der Ökonomie auch noch solche der
       Sozialpsychologie, taktischen Reife und Trainingssteuerung eine Rolle
       spielen. Man sollte sich aber keine Illusionen über Chancengleichheit
       machen. Die Vorrunde dürfte den Marktwertführern nur dazu dienen, sich
       warmzuspielen. Die Kleinen dürfen mitmachen, und diese Art der Teilhabe
       muss ihnen reichen.
       
       Wenn sich solche krassen Unterschiede in Leistung und Wert ergeben, dachte
       man früher schon mal über ein Handicap nach, einen Ausgleich, der einen
       unnatürlichen Vorsprung wieder egalisierte. Im Fußball begegnet man solchen
       Unterschieden mit Ignoranz. Man lässt die Seidenfüße gegen Rumpelwaden
       antreten und das angeblich Unvermeidliche geschehen. Fußball ist ein Spiel,
       bei dem der Marktwert Spiele gewinnt. Aber nicht immer. Damit legitimiert
       sich diese EM.
       
       12 Jun 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.transfermarkt.de/europameisterschaft-2020/teilnehmer/pokalwettbewerb/EM20
 (DIR) [2] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1126607/umfrage/premier-league-teuerste-spielerverkaeufe/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Markus Völker
       
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