# taz.de -- Regierungskoalition in Österreich: Grüner Minister zieht Notbremse
       
       > In Österreich hat der beliebte Gesundheitsminister Rudolf Anschober
       > seinen Rücktritt erklärt. Er sei „überarbeitet“ und „ausgepowert“.
       
 (IMG) Bild: Winkt bei seinem Rücktritt am Dienstag JournalistInnen zu: Gesundheitsminister Rudolf Anschober
       
       Wien taz | Tritt ein Politiker „aus Gesundheitsgründen“ ab, will er meist
       nach einem Skandal elegant aus dem Rampenlicht verschwinden. Das kann man
       Österreichs Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) nicht vorwerfen.
       Nach dem bereits zweiten Kreislaufkollaps in vier Wochen verkündete er am
       Dienstag seinen Rücktritt.
       
       „Ich bin überarbeitet und ausgepowert,“ sagte er vor der Presse. Nach 14
       Monaten an vorderster Front der Pandemiebekämpfung praktisch ohne einen
       einzigen Tag Entspannung habe er gemerkt, „da muss ich jetzt für mich eine
       Notbremse ziehen“. Zunehmende Kreislaufschwäche, steigender Blutdruck,
       steigende Zuckerwerte und ein beginnender Tinnitus seien Alarmsignale
       gewesen.
       
       Der 60-jährige Oberösterreicher stand einem Monsterministerium vor, das
       neben Gesundheit auch für Sozialagenden, Pflege, Konsumentenschutz,
       Ernährungssicherheit und Tierschutz zuständig ist. Auf all diesen Gebieten
       hatte er große Pläne, die wegen der Pandemie aufgeschoben werden mussten
       oder in einem frühen Entwicklungsstadium stecken.
       
       „In der schwersten Gesundheitskrise seit Jahrzehnten braucht die Republik
       einen Gesundheitsminister, der zu 100 Prozent fit ist“, sagte Anschober:
       „Das bin ich derzeit nicht.“
       
       ## Besonnen, konsensorientiert und ehrlich
       
       Der Ex-Lehrer, der als Umweltlandesrat in Oberösterreich fast 17 Jahre
       politische Erfahrung sammelte, galt mit seiner Besonnenheit, Konsenssuche
       und Fähigkeit, sich zu eigenen Fehlern zu bekennen, als politischer
       Widerpart der vor allem um perfekte Inszenierung bemühten türkisen
       Regierungsmannschaft um Sebastian Kurz.
       
       Anschobers Beliebtheitswerte übertrafen letzten Sommer sogar die des
       Kanzlers, der danach keine Chance ausließ, [1][ihm am Zeug zu flicken]. Nur
       mit Mühe konnte Anschober den [2][jüngsten Lockdown] koalitionsintern
       durchsetzen.
       
       Nach Morddrohungen stand er seit November unter Polizeischutz, ein
       zusätzlicher Stressfaktor. Wie gering zuletzt sein Rückhalt beim
       Koalitionspartner war, zeigt, dass der scheidende Minister das ÖVP-Team bei
       seinen Danksagungen ostentativ überging.
       
       ## Nachfolger ist Hausarzt des Bundespräsidenten
       
       Keine drei Stunden später präsentierte Vizekanzler [3][Werner Kogler]
       (Grüne) den Nachfolger. Es ist der Wiener Allgemeinmediziner Wolfgang
       Mückstein, der ein Mandat der Grünen in der Wiener Ärztekammer innehat.
       
       Der Hausarzt von Bundespräsident Alexander Van der Bellen hatte Ende
       2019/Anfang 2020 als Teil des grünen Teams die Kapitel Gesundheit und
       Soziales im [4][Koalitionsvertrag] ausgehandelt.
       
       13 Apr 2021
       
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